Fail der Woche: Rapper Bonez MC erklärt auf Instagram "Frauen können nix"

In seiner Insta-Story erteilt der Rapper weiblichen Fans Ratschläge, wie sie "sexy werden können" – denn im Allgemeinen wären Frauen ja talentfrei. Das kann nur ein sexistischer "Fail der Woche" sein.

Bonez MC

"Heutzutage können Frauen nix, außer wie ein Opfer mit Shisha Schlauch und Filter in der Fresse Selfie Videos machen", so der Hamburger Rapper vor kurzem auf Instagram. Gnädigerweise teilte John Lorenz Moser, wie Bonez MC mit bürgerlichem Namen heißt, daraufhin Tipps, wie Frauen sich doch irgendwie interessant machen könnten – dass diese nur so vor Sexismus triefen, dürfte keine Überraschung sein.

"Mach dich sexy!"

In seiner Insta-Story verriet Bonez MC unter dem Titel "Mach dich sexy!", was Frauen in seinen Augen attraktiv machen würde: Das wäre zum Beispiel Sport betreiben, Schach spielen, ein Instrument beherrschen oder natürlich: kochen können.

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Da Frauen heutzutage allerdings nix anderes mehr drauf hätten als für Insta-Selfies zu posieren, sollten sie damit rechnen, dass man sich nur für ihr Äußeres interessiert: "Und dann wundert ihr euch, dass man euch auf eure Titten und Arsch reduziert?! Ihr könnt doch sonst garnix!!", schreibt der Rapper.

"Geht euch in die Tanzschule anmelden oder macht euch irgendwie interessant, dann will man euch auch nicht nur ficken!", so der inspirierende Ratschlag von Bonez. "Wenn ihr nichts zu bieten habt, außer bearbeitete Bilder auf Instagram und euren Körper, den ihr nicht mal bewegen könnt und nicht mal wisst wo der indische Ozean liegt, dann wundert euch doch bitte nicht!"

Die empörten Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Bereits nach kurzer Zeit war die Insta-Story mit den sexistischen Tipps dann auch wieder verschwunden.

Nicht die ersten Vorwürfe

Bonez MC, der Teil der HipHop -Crew 187 Straßenbande ist und unter anderem durch Collabs mit RAF Camora Bekanntheit erlangte, steht nicht zum ersten Mal in der Kritik: Immer wieder wird dem Rapper Misogynie vorgeworfen – kein Wunder, seine Songtexte strotzen nur so vor frauenverachtenden Inhalten (ein kleiner Auszug: "Baller' um die fünfzig Schlampen in Wohnung rein, Bunker' hundertfünfzig Gramm in meinem Hosenbein" oder "Hab' aus Langeweile wieder eine Nutte herbestellt, Weil mein Schwanz lutscht sich nicht von selbst").

Dass Frauen in den Augen des Rappers nur zur Zierde und sexuellen Befriedigung des Mannes da sind und ihr Körper das Einzige an ihnen ist, das Beachtung verdient, lässt ein kurzer Blick in eines der Musikvideos von Bonez MC unschwer erkennen: Nur zu gern umgibt sich Bonez MC darin mit leicht bekleideten Frauen, die ihre Hüften schwingen und dem Rapper lüsterne Blicke zuwerfen. Wir lernen: Frauen dürfen sich also nicht auf Instagram zeigen und sich das patriarchale System (von dem Bonez MC offensichtlich maßgeblich profitiert) zunutze machen – sollen aber bitteschön weiterhin in seinen Musikvideos mit ihren Popos für ihn wackeln. Interesting.

Doch damit nicht genug: Auch wegen homophober Inhalte wurde Bonez MC in der Vergangenheit bereits kritisiert: In seinem Song "Shotz Fired" scheut sich der Rapper nicht davor, den Begriff "Schwuchtel" in Form einer Adlib zu nutzen und lässt homophobe Gewaltfantasien erahnen: "Eine in dein Bein, boom, Shots fired (Duh). Gruß an meinen kleinen Bullen-Nuttensohn aus Bayern. Sag, du bist nicht schwul (Hah), bist du Meier. Pack ma' lieber wieder deine Hand an meine Eier (Schwuchtel)".

User*innen von sexistischer Haltung nicht überrascht

Wie Bonez MC über Frauen denkt, kam für viele angesichts seiner Songs und dem nach wie vor herrschenden Sexismus-Problem in der (Deutsch-)Rap-Szene, wenig überraschend. So ist auf Twitter zu lesen:

Die Hip Hop-Szene und ihr Problem mit dem Sexismus

Die frauenverachtende Sprache, die Rapper wie Bonez MC so gerne nutzen ist deshalb so problematisch, weil sie die Benachteiligung und Degradierung von Frauen fördert. Hören wir ständig, wie selbstverständlich Frauen als "Schlampen" oder "Huren" bezeichnet werden und dass sie nur zur Befriedigung männlicher Fantasien (sexueller oder gewalttätiger Natur) dienen, beeinflusst dies die Art und Weise, wie Frauen auch im echten Leben behandelt werden (und lässt etwa Gewalt gegenüber Frauen ansteigen).

Um auf die Frauenfeindlichkeit im Rap/HipHop-Bereich aufmerksam zu machen und darzustellen, was für Aussagen Hip-Hop-Fans teilweise unreflektiert konsumieren, rief die Organisation Terre de Femmes* vor einigen Monaten die Kampagne Unhate Women ins Leben. Die Organisation, die selbst seit Jahren immer wieder ob des exkludierenden Feminismus kritisiert wird und sich bereits mehrfach islam- und transfeindlich zeigte, veröffentlichte im Rahmen der Kampagne Fotos, auf denen jeweils eine Frau sowie ein entsprechendes sexistisches Zitat zu sehen sind. Die Kampagnenbilder wurden etliche Male geteilt und die Thematik von zahlreichen Medien aufgegriffen. Dem Erfolg von frauenverachtender Musik scheinen Aktionen wie diese jedoch kaum einen Abbruch zu tun. Traurig, aber wahr: So lange es keine echten Konsequenzen für frauenverachtende Sprache in Songs gibt und Fans derartige Inhalte weiterhin so zahlreich konsumieren wie bisher, wird sich wohl kaum etwas ändern. Leider.

Zur Serie:

Der Fail der Woche "zeichnet" regelmäßig besonders sexistische, frauenfeindliche und/oder rassistische Sager oder Internet-Fundstücke aus.

 

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