Fail der Woche: Lidl löscht sexistisches Werbeposting – und macht es damit nur bedingt besser

Nach „Loch ist Loch“-Posting von Lidl ist klar: Stellungnahme ist eben nicht gleich Stellungnahme. Unser verdienter "Fail der Woche".

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Mit „Loch ist Loch“ betitelte "Lidl" ein Werbesujet, um Bagels und Donuts zu bewerben, und streute ebendieses Sujet vergangenes Wochenende auf den @lidlde-Social-Media-Plattformen. Der europaweit größte Discounter feierte sich zu Beginn für sein Social-Media-Posting, das zweifelsohne als sexistisch zu bewerten ist. Schließlich besagt der Spruch „Loch ist Loch“ in seiner ursprünglichen Form, dass das Aussehen einer Frau egal sei, solange sie eine Vagina hätte und man mit ihr Sex haben könne. Klassisches, sexistisches Marketing also – ganz nach dem Motto: Irgendeine diskriminierende Message finden und sie irgendwie mit einem Produkt verknüpfen.

Sowohl Kritik, als auch Lob für das sexistische Posting

Wenig überraschend also, dass es für das Posting innerhalb kürzester Zeit Kritik hagelte: „Bin ich die Einzige, die das abstoßend findet?“, fragt sich eine Userin auf Instagram (Newsflash: Nein, bist du nicht. We got you, Sister!). „Unglaublich sexistisch! So vergrault ihr eure Kundinnen!“, stellt eine andere Userin auf Facebook klar. Andere – überwiegend männliche – Kunden hingegen forderten eine „Gehaltserhöhung für die Social-Media-Abteilung“ oder „Preis für die Werbeideen“. Wir sind nicht sicher, ob die VerfasserInnen ebendieser Kommentare diese Art von Preis gemeint haben, aber zumindest mit Zweiterem können wir dienen: Congrats zum Fail der Woche, Lidl! Die Auszeichnung habt ihr euch allerdings nicht (nur) mit eurem „Loch ist Loch“-Posting, sondern vor allem auch mit der darauffolgenden Stellungnahme redlich verdient.


Aufgrund von „sehr kontroversen Diskussionen“ hat Lidl das Posting nämlich am Sonntagabend sowohl auf Instagram, als auch (wenig später) auf Facebook gelöscht und daraufhin auf Facebook folgende Stellungnahme veröffentlicht:

Warum die Stellungnahme ihren Zweck nicht erfüllt

Während Stellungnahmen und Einsicht ja grundsätzlich zu befürworten sind, gibt es hier nur ein Problem: Die Entschuldigung kommt nicht nur zu spät, sondern sie ist auch an Scheinheiligkeit nicht zu übertreffen. Unter dem „Loch ist Loch“-Posting hat Lidl schließlich gleich zu Beginn ein Kommentar verfasst, das eine Popcorn essende Person zeigt und die Frage „Haben die Kommentare schon angefangen?“ stellt, um die Diskussion ins Rollen zu bringen.

Zudem reagierte das Social-Media-Team des Discounters wenig einsichtig auf erste kritische Kommentare: Es reagierte etwa mit „lustigen“ GIFs oder einem Bild von einem mit weißer Zuckerglasur tropfenden Donut und heizte so die Debatte auf Facebook weiter an. Das zeigt: Das Team von Lidl wollte also ganz genau diese Reaktion erzielen und gibt sich wenig später als überrascht und empört über ebendiese. Das merken auch die Userinnen: „Erst völlig enthemmt Sexismus zelebrieren und jetzt einen auf besonnen und bedauernd machen“ ist aktuell etwa in den Kommentaren unter der Stellungnahme zu lesen. Eine andere stellt klar: „Ihr habt mich trotzdem lebenslänglich als Kundin verloren. Ihr bleibt für mich weiterhin gestrichen!“ Ganz nach dem Motto: Lidl lohnt sich - nicht.

Zur Serie: Der Fail der Woche "zeichnet" regelmäßig besonders sexistische, frauenfeindliche und/oder rassistische Sager oder Internet-Fundstücke aus.

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