Fail der Woche: Kinderträume für den Kapitalismus zerstören

Die Bayerische Landesbank, die Werbeagentur Jung von Matt und Ronja von Rönne machen sich über Traumberufe von Kindern lustig. Es kann nämlich nur ein Ziel für ein gutes Leben geben: Kinder sollen Banker werden. Und das kann nur ein Fail der Woche sein.

Bayerische Landesbank, Jung von Matt und Ronja von Rönne zerstören für die Werbung Kinderträume

„Was willst du einmal werden?“, fragt Ronja von Rönne ein kleines Kind, das sich unwohl auf einem viel zu großen Stuhl windet. Von Rönne ist das Liebkind des weißen, männlichen Feuilletons. Weil sie 2015 mal den Feminismus kritisiert hat und auch sonst immer wieder total edgy das sagt, was eben jene weißen, männlichen Feuilletonisten gerne hören. Diesmal ist von Rönne die vermeintlich Böse (inklusive Teufelshörnchen!) und zerstört für die Bayerische Landesbank Kinderträume in einem IGTV-Video.

Die Geschichte, die hier von der Werbeagentur Jung von Matt/Spree erzählt werden will, ist recht simpel: Kinder, werft die Träume über Bord! Ihr werdet weder Ballerinas noch Ritter und schon gar keine Elefanten, also seid doch verdammt noch mal realistisch und denkt an eine Karriere in der geilen Banken-Branche! Zur Erinnerung: Das ist lustig, weil man es einem kleinen Kind erzählt. Und das kleine Kind das ja noch gar nicht so verstehen kann. Der Zynismus trifft die Fantasie und haut ihr in der Gestalt von Ronja von Rönne überheblich lächelnd eine rein.

Ein Humor, zugeschnitzt auf das Sinnbild überarbeiteter und im Prekariatat gefangener Büroangestellter, die zwischen Work-Life-Balance und Deadline nur noch zynisch über diese dummen Kinderträume lachen können, weil sie nur so das echte Leben an einem Schreibtisch und vor einem Computer rechtfertigen können. So will es der Kapitalismus! Da hilft es auch nicht, dass von Rönne stakkatoartig „Teilzeit, Home Office, und faire Bezahlung“ runter rattert.

Was Kinder, im Video und ganz allgemein, schon verstehen, ist, wenn man sich über sie lustig macht. Das fühlt sich auch für Erwachsene nicht schön an, kleine Kinder können Herablassung aber noch schwer einordnen. Für sie bleibt über: Dein Herzenswunsch ist blöd. Du bist nicht wichtig. Du kannst das nicht. Du und deine Ideen, ihr seid nichts wert.

Müssen Kinder von Banken träumen?

Der Job, von dem du als Kind niemals geträumt hast, sagt die Bayerische Landesbank. Und das mag schon sein. Kinder sollen und dürfen aber von großen Dingen träumen. Die meisten der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die die Bank wohl mit ihrem Spot „abholen“ will, sind inzwischen ohnehin bei anderen Träumen angelangt. Außer jenen, die tatsächlich DesignerInnen oder TänzerInnen werden, oder sogar WAS MIT TIEREN machen. Soll es ja auch geben.

Aber um diese TraumtänzerInnen soll es ja offenbar nicht gehen, sondern um talentierte LeistungsträgerInnen, und die erreicht man am besten mit spätkapitalistischem Zynismus. “Der entscheidende Kampf um die besten Talente ist so hart, dass er mit gewöhnlichen HR-Kampagnen nicht mehr zu gewinnen ist“, sagt Till Eckel, Kreativgeschäftsführer bei Jung von Matt/spree. „Da muss schon die Kampagne selbst zeigen, dass es sich um einen besonders coolen und sympathischen Arbeitgeber handelt.“

„Cool“ und „sympathisch“ ist es also, die Zeichenkünste eines Kindes öffentlich zu shamen. Man kann auch einfach Mobbing sagen. Oder aber man verhält sich wie ein netter, moderner Erwachsener, der Kinder in ihren Vorstellungen und Talenten bestärkt und unterstützt. Man feiert den kleinen Buben, der Elefant werden will, weil er das Leben ein bisschen verstanden hat. Und ist nicht die Karikatur eines kapitalistischen Kotzbrockens, der auszog, um Kinderträume zu zerdreschen. Das ist nämlich einfach nur: gemein.

Zur Serie: Der Fail der Woche "zeichnet" regelmäßig besonders sexistische, frauenfeindliche und/oder rassistische Sager oder Internet-Fundstücke aus.

 

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