Fail der Woche: Harald Schmidt schimpft auf "Daddy Weichei"

Der deutsche Satiriker mokiert sich über Väter, die sich um ihre Kinder kümmern. Sein veraltetes Rollenbild kann nur ein Fail der Woche sein.

Fail der Woche: Harald Schmidt macht sich über Väter lustig

Die Zeiten sind gerade schwer für das Patriarchat. Die feministische Autorin Margarete Stokowski hat schon vor Monaten seine letzten Tage ausgerufen, ständig wird man für Diskriminierung kritisiert und wegen der ganzen "Political Correctness" darf man gar nichts mehr sagen. Schlimm ist das!

Wie nun aber ist man als alter, weißer Mann 2019 noch besonders edgy und cool? Indem man sich über Ideen der Gleichstellung lustig macht natürlich! Der deutsche Satiriker und ehemalige Late-Night-Moderator Harald Schmidt macht das im Interview mit ORF 3 vor.

"Kein Familientrottel"

Schmidt ist, wie es das Bild des wohlsituierten tradtionellen weißen Mannes will, sehr salopp und spottet über ein modernes Familienbild, in dem der Vater nicht nur als bedeutungsloser Nebendarsteller existiert. Auf die Frage nach seinem eigenen Rollenverständnis als Familienvater sagt er:

"Sehr traditionell. Und um es klar zu formulieren: Ich habe mich nie zum Familientrottel machen lassen. Oder wie ich es nenne: Kategorie 'Daddy Weichei'. Der Mitt- bis Enddreißiger mit Struwwelpudelmütze und Baby vor dem Bauch. Die Mutter sitzt im Café und verändert die Welt, und er kriecht dem vollgekotzten Baby im Hipp-Café auf allen Vieren hinterher. Nicht meine Welt. Wer das will: Bitte!“

Schmidt ist Vater von fünf Kindern. Keine Pointe.

Nun gibt es jene, die applaudieren solchen Worten. Weil wir wissen schon: Männer, die sich um ihre Kinder kümmern, sind solche Waschlappen. Kindererziehung, das ist was für schwache Frauen und - haha, wer hat in der Beziehung wohl die Hosen an, wenn der Vater die Windel seines Kindes wechselt? Sicher nicht er, da ist er genau so nackert untenrum wie das eben zu wickelnde Baby, Schenkelklopfer, Abspann.

Newsflash: Kinder haben Väter

Wenn Männer Väter werden, haben auch sie eine Verantwortung für ihre Kinder. Kinder sind kein Accessoire und kein Beiwerk, sie sind Arbeit. Arbeit, die zum Großteil von Frauen übernommen wird. Es ist aber keine heilige Pflicht der Frau, Kinder groß zu ziehen. Sie sind nicht von Natur aus dafür geschaffen, sie machen es nicht automatisch besser oder gehen eher in ihrer Elternrolle auf. Frauen übernehmen den Großteil der Kinderbetreuung, weil es eine undankbare Arbeit ist, die in unserer Gesellschaft keinen monetären Wert hat. Weil der Kapitalismus und das Patriarchat von der Ausbeutung von Frauen profitieren.

Jeder Mann, der sich uneingeschränkt um sein Kind kümmert, ist gut. Er hat dafür weder einen Preis für den "Vater des Jahres" noch die Bezeichnung "Familientrottel" verdient. Was er aber kann, ist sich selbst jenseits der Rolle des traditionellen Ernährers zu begreifen. Er kann der Mutter seines Kindes Freiraum für sich selbst schaffen und seinem Kind vorleben, dass Familienarbeit keine Frauenarbeit ist. Und er kann - als Teil des angeblichen Schreckgespenstes "linksliberaler Mainstream" - Männern wie Harald Schmidt zeigen, dass ihre Denkweise in einer gleichberechtigten Gesellschaft keinen Platz hat. Kategorie: Traditioneller Familienvater. Diese Büromänner in ihren Vierzigern in von braven Ehefrauen gestärkten Hemdkrägen und dem Feierabendbier vorm Bauch. Die Mütter sitzen zu Hause und zerreiben sich zwischen Teilzeitjob, Haus- und Pflegearbeit und sie kriechen dem Sinn ihres Lebens hinterher, um sich dann im hohen Alter mit tränenerstickter Stimme daran zu erinnern, dass das Wertvollste doch eigentlich die Familie gewesen wäre. Es mag ihre Welt sein. Wenn sie es so wollen: Bitte! Wir brauchen sie nicht.

Zur Serie: Der Fail der Woche "zeichnet" regelmäßig besonders sexistische, frauenfeindliche und/oder rassistische Sager oder Internet-Fundstücke aus.

 

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