Fail der Woche: Fitnessstudio-Kette FitInn glaubt, Body Shaming wäre lustig

"Wahre Schönheit kommt von innen. Glaub nicht alles, was du denkst“ ist nur einer der problematischen Slogans aus der neuen Werbekampagne des Fitnessstudios. Für uns ganz klar der "Fail der Woche“.

FitInn Fail der Woche

Pünktlich zum neuen Jahr hat sich Fitnesskette FitInn eine neue Werbekampagne überlegt – und damit leider (wieder einmal) ordentlich ins Klo gegriffen. Die Sujets strotzen nur so vor Sexismus und Body Shaming und propagieren ein einseitiges Körperideal. Wer 2020 tatsächlich glaubt, dass Sprüche wie "Das sind Kurven. Glaub nicht alles was du denkst“ frech und witzig sind, dem ist echt nicht mehr zu helfen. Hallo?? Das kann nur ein "Fail der Woche“ sein!

Kampagne triggert und promotet Body Shaming

“Ich sag nur: Body Positivity“, "Hauptsache schlau“ und "I'm sexy and I know it" jeweils mit dem Nachsatz "Glaub nicht alles, was du denkst“ sind drei weitere "Schmankerln“ aus der neuen Werbekampagne von FitInn. Dass Firmen mit "provokativen“ Sprüchen, die in Wahrheit sämtliche Linien überschreiten, für Aufmerksamkeit sorgen wollen, kennen wir ja schon (*ähem* True Fruits). Erst diese Woche machte auch eine TV-Werbung der Fast-Food-Kette KFC mit sexistischer Werbung Negativ-Schlagzeilen, in dem junge Burschen einer Frau auf die Brüste starren:

Es ist mehr als traurig, dass Unternehmen auf derartig tiafe Inhalte zurückgreifen, um Buzz zu generieren und im Falle von FitInn auch noch leichtfertig riskieren, dass Menschen (etwa Personen, die an einer Essstörung leiden) durch ihre Sujets getriggert werden könnten.

"Geschmack- und pietätlos“

Wirft man einen Blick in die Kommentare unter den FitInn-Werbepostings auf Facebook oder Instagram, wird schnell sichtbar, dass auch der Großteil der User*innen die neuen Sprüche alles andere als feiert. "Eure Werbekampagne ist einfach nur geschmack- und pietätlos“, "Jeder sollte sich schön fühlen so wie er ist und punkt. Schämen solltet ihr euch“ oder "Puhh... low. Echt low. Bei eurer Werbung waren wohl die ganz smarten am Start“ sind nur ein paar der zahlreichen entrüsteten Aussagen. FitInn reagierte auf das Feedback etwa mit "Wir können nicht jeden Geschmack treffen. Ist aber auch ok so, damit können wir umgehen. ;) Liebe Grüße“. oder"Unsere Sprüche sind immer mit einem Augenzwinkern zu lesen und richten sich an jene, die den FitInn-Lifestyle befürworten und als Ansporn sehen". Wir können noch so viel zwinkern - lustiger wird's nicht.

Werberat schreitet bisher nicht ein

Bereits Anfang Jänner wurden beim Österreichischen Werberat mehrere Beschwerden aufgrund der problematischen Sujets eingereicht. "Eine solche Werbung kann Menschen, die mit ihrem Aussehen Probleme haben und eventuell unter Depressionen, Essstörungen etc. leiden gefährden. Eine Werbekampagne die auf Bodyshaming abzielt ist der falsche Ansatz“ heißt es darin etwa.

Der Werberat entschied sich dafür, nicht einzuschreiten, da es sich bei den Sprüchen um eine "humoristische Überzeichnung der Werbemaßnahme" handle. "Die beanstandete Kampagne beinhaltet verschiedene Sujets mit unterschiedlichen Slogans, die auf humorvolle Weise dazu motivieren sollen, mehr Sport zu betreiben. Die humoristische Überzeichnung der Werbemaßnahme kann von der Mehrheit der Werberäte und Werberätinnen deutlich erkannt werden. Der Vorhalt, dass es sich hierbei um Formulierungen handelt, die 'Bodyshaming’ unterstützen, kann nicht nachvollzogen werden“ liest man auf der Website des Werberates.

Lustig sein geht auch ohne Sexismus

Wir finden: Sexismus und Body Shaming dürfen auch in Werbekampagnen keinen Platz finden, Witze auf Kosten der (psychischen) Gesundheit anderer zu machen, ist wahrlich ein Armutszeugnis. Dass der Werberat hier nicht einschreitet, ist äußerst fragwürdig und eröffnet weiteren ähnlich "humorvollen“ Kampagnen Tür und Tor. Hoffentlich erkennt FitInn wenigstens anhand der Großzahl negativer Reaktionen, dass über Sexismus und Body Shaming heutzutage echt keine*r mehr lacht und überlegt sich für die nächste Kampagne zur Abwechslung mal was tatsächlich Lustiges.

Zur Serie: Der Fail der Woche "zeichnet" regelmäßig besonders sexistische, frauenfeindliche und/oder rassistische Sager oder Internet-Fundstücke aus.

 

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