Fail der Woche: FAZ-Autor wünscht sich die "gute, alte Hausfrau" zurück

Der Feminismus habe Hausfrauen aussterben lassen, meint FAZ-Autor Rainer Hank. Klarer Fall für einen Fail der Woche.

Es gibt diese Texte, die uns beim ersten Satz den Magen umdrehen. Dieser hier gehört definitiv zu dieser Kategorie: "Einst war es eine Tugend, eine gute Hausfrau zu sein. Doch Feministinnen haben dies einfach aus dem Bewusstsein getilgt", schreibt Rainer Hank von der Frankfurter Allgemeinenin seiner Kolumne "Hanks Welt.". Und tatsächlich ist es eine ziemlich altväterische Welt, in die uns der Autor entführt. Eine, von der - wir zumindest - dachten, dass sie längst der Vergangenheit angehört.

Nicht so für Rainer Hank. Er wünscht sich nämlich sehnlichst die 50er-Jahre zurück: Es habe "viele Eheschließungen, viele Kinder, wenige Scheidungen, wenige Alleinerziehende" gegeben. Die Rollen waren "vorgegeben. Man muss das nicht zwangsläufig spießig finden", so der Autor.

Und dann kam der böse Feminismus

Freudig erinnert sich Hank an die Zeiten zurück, in denen er als Schüler den Beruf "Hausfrau" bei seiner Mutter angegeben hatte. "Das machte man damals ohne jegliche Scham", konstatiert er. Doch dann - dann kamen die Feministinnen und haben alles kaputt gemacht. Die hätten nämlich das Narrativ verändert, die "bürgerliche Kleinfamilie" zum Feind erklärt, um "ihre Geschlechtsgenossinnen aus ihrem fremdverschuldeten Leid zu befreien. Bis sie in den achtziger Jahren ihren Sieg verkünden konnten."

Denn für Hank ist das Führen des Haushaltes ganz und gar nicht Unterdrückung oder gar nachteilig für Frauen, sondern Macht:

Tatsächlich gab es im Bürgerlichen Gesetzbuch den berühmten, bis in die siebziger Jahre geltenden Paragraphen 1356. Dort heißt es: „Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung.“ Macht man sich einen Moment lang frei vom Emanzipationsnarrativ, hört sich der Satz nicht wirklich nach Unterdrückung, sondern nach Macht und Stärke an.

von Rainer Hank

Dass sich diese Frauen damit in eine finanzielle Abhängigkeit zu ihren Männern begeben? Kein Problem. Dass dadurch Altersarmut vorprogrammiert ist, sollten die "Ernährer" irgendwann nicht mehr da sein? Halb so wild. Dass die gesamte Arbeit, die Frauen im Haushalt leisten, unbezahlt ist? Ebenso eine Nebensächlichkeit. Dass genau diese Unfreiheit Nährboden für Gewalt ist? Scheint dem Autor auch entfallen zu sein. Denn: Geschlechterstereotype und klassische Rollenverteilungen sind eben nicht nur "spießig", sie sind gefährlich - für Frauen, und auch für ihre Kinder. Dass wir das im Jahr 2018 noch immer sagen müssen, ist ein Armutszeugnis für diese Gesellschaft.

Für Rainer Hank ist trotzdem klar: Geld für diese unbezahlte Arbeit zu fordern, ist "kapitalistisch". Die gute, alte Familie wird zur "kapitalistischen Produktionsgenossenschaft". Und die Frauen? Die haben sich schließlich der "Verheißung der kapitalistischen Erwerbsarbeit" hingegeben, weil es eben verlockender ist, sich neben der Haus- auch noch die schlecht bezahlte Erwerbsarbeit anzutun. Danke, Feminismus! Und darunter leiden vermutlich alle, aber hauptsächlich jene Männer wie Rainer Hank, die ihre Hausarbeit nicht selbst erledigen möchten.

Dabei müsste der Autor die Hausfrauen-Fantasie gar nicht in einen wenig schlüssigen Text packen: Mütter in Deutschland übernehmen laut der Studie "Dare to Share" (Wage zu teilen) noch immer fast zwei Drittel der unbezahlten Arbeit - Hausarbeit sowie Betreuung von Kindern und anderen Familienangehörigen. Es ist also gar nicht notwendig, sich die 50er-Jahre herbeizuwünschen - die Realität ist auch heute noch ungerecht genug.

 

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