Fail der Woche: Ein Cordon Bleu mit Bodyshaming für Pamela Rendi-Wagner

"Ich glaub ihr nicht, dass sie ein Cordon Bleu isst", urteilt KURIER Chefredakteurin Martina Salomon nach dem ORF Sommergespräch mit SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner. Die Beurteilung von Frauen in der Politik (und überall sonst) schafft es immer noch nicht über Bodyshaming, Frauenfeindlichkeit und fade Klischees hinaus und ist: unser verdienter Fail der Woche.

Fail der Woche: Cordon Bleu mit Bodyshaming für Pamela Rendi-Wagner

Eigentlich ging es ja um viel. CO2-Steuern und Anhebung des Mindestlohns, Regierungswunsch und Kanzlerinnenanspruch. In ihrer Analyse nach dem Sommergespräch mit der SPÖ-Spitzenkandidatin versuchte Martina Salomon, Chefredakteurin des KURIER, die politische Person Pamela Rendi-Wagner in Worte zu fassen. Geblieben ist davon nur: ein Salatblättchen.

"Eine Topfrau, sehr sympathisch, vereint Karriere und Kinder", beginnt Salomon mit von gefährlichen Alltagssexismen durchgezogenen Nettigkeiten. Bei Männern werden derlei Großartigkeiten nie betont. Sie sind sowieso immer vorne dabei und deswegen weder "Top-" noch "Powermänner". Rendi-Wagner sei jedenfalls noch nicht angekommen im Politbusiness, "obwohl sie gebügelt hat, Fußball gespielt hat, sich ins Dirndl geschmissen und dirigiert hat", wie es das Wahlkampfkino verlangt. "Jetzt hat sie sogar gesagt, sie hat ein Cordon Bleu gegessen letzten Freitag", erzählt Salomon. Das Urteil fällt schnell: "Ich glaub ihr kein Wort. So wie sie ausschaut, wird sie sich eher nur von ein paar Salatblättchen ernähren …"

Ja, Frauen auf ihr Äußeres zu reduzieren ist auch 2019 noch sexistisch

Salomon will sagen, Pamela Rendi-Wagner sei unauthentisch. Als politische Analytikerin in einem Wahlkampf darf sie das. Egal, ob Rendi-Wagner im Bierzelt dirigiert, Norbert Hofer mit dem Segelflieger seine Runden dreht oder Sebastian Kurz Pensionist*innen fragt, ob sie "scho mittagg‘essn haben" – die Frage nach der Authentizität von Politiker*innen ist immer zulässig. Nur diskriminierend, sexistisch und oberflächlich sollte sie nicht sein.

Der mitschwingende Vorwurf in Salomons Kritik lautet aber: Diese Frau ist "zu dünn“ zum Schnitzerl essen, folglich hat sie ein Glaubwürdigkeitsproblem. "So, wie sie ausschaut“ verkörpere Rendi-Wagner keine authentische SPÖ-Spitzenkandidatin. Das ist Bodyshaming wie es im Buche steht. Das ist die Reduktion einer berufstätigen Frau auf ihr Äußeres. Und das bedient ein Klischee von überkandidelten Frauen, die das Leben nicht genießen können, weil sie angeblich nicht herzhaft in frittiertes Fleisch beißen. Das ist kein neues Bild: Das Epitom des 'Cool Girls' basiert immerhin darauf, bei Dates "nicht nur Salat" zu essen, sondern voll reinzuhauen. (Dabei aber bitte trotzdem noch in Größe 34 passen, sonst folgt: noch mehr Bodyshaming. Andere Geschichte.)

Schnitzel und Cordon Bleu als Politikum

Das Schnitzel selbst mag ein gefundenes Fressen für den oft zitierten Graben zwischen der 'linken Elite' der SPÖ und der Basis aus 'bodenständigen Gewerkschafter*innen' sein. Bei keiner anderen Partei spielt der Lebensstil der politischen Akteur*innen eine so große Rolle wie in der SPÖ. Schnitzerl und Cote d’Azur-Urlaub bei Rendi-Wagner, Slim-Fit-Anzüge an Christian Kern oder die teure Uhr am Handgelenk von Thomas Drozda: Alles wird zu schnell zum Sinnbild einer SPÖ, die den Bezug zur Kernwähler*innenschaft verloren habe.

Auch darüber kann man diskutieren. Nur: Rendi-Wagners Figur hat mit innerparteilichen Schwierigkeiten und ihrer Leistung als Politikerin nichts zu tun. Für männliche Politiker ist das selbstverständlich. Kein*e Chefredakteur*in hätte je daran gedacht, sich in einer seriösen politischen Analyse über Heinz-Christian Straches Schweißleiberl auf Ibiza zu mokieren.

Politikerinnen aber müssen sich solche Wortmeldungen immer noch gefallen lassen. Martina Salomon und Pamela Rendi-Wagner gehen angeblich demnächst ein Cordon Bleu essen, verkündet erstere zumindest auf ihrem Facebook-Account. Nachsatz: Auch wenn sie sowas eigentlich nicht esse und die SPÖ-Spitzenkandidatin wohl auch nicht. Zwinkersmiley. Nichts gelernt.

Zur Serie: Der Fail der Woche "zeichnet" regelmäßig besonders sexistische, frauenfeindliche und/oder rassistische Sager oder Internet-Fundstücke aus.

 

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