Fail der Woche: Doppelnamen, Dornauer und depperte Demagogie

Frauen scheitern also eher an Doppelnamen als an sexistischen Strukturen, findet der Tiroler SPÖ-Chef Georg Dornauer. Das ist pipifeines Material für einen verdienten Fail der Woche, finden wir.

Dornauer, Fail der Woche

Obacht! Zückt die Notizbücher! Kaum einer kommentiert politisches Geschehen so sachlich und analysiert so messerscharf wie Georg Dornauer, Tiroler SPÖ-Landesparteichef – und endlich beglückt uns der begnadete Analytiker wieder mit neuen Weisheiten. Wir erinnern uns: Dornauer verdanken wir auch, dass wir seit Ende vergangenen Jahres endlich wissen, wo denn nun die Wurzeln von sexistischen Strukturen liegen. Sexismus entstehe beim Empfänger, argumentierte er.

Frauen scheitern also an Namen

Dornauers aktuellster Clou: Er glaubt, die Gründe für das historisch schlechteste Wahlergebnis der SPÖ erkannt zu haben. Während sich viele Parteikolleg*innen noch den Kopf zerbrechen über Fragen wie Isses vielleicht, weil wir thematisch auf Kuschelkurs mit den Rechten waren und zu wenig Sozialpolitik machen?, scheint der Tiroler Wiffzack längst die Lösung gefunden zu haben: "Zu sagen, dass der Sebastian Kurz ein Schlimmer ist, wird zu wenig sein", ist er überzeugt. Die Parteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner habe sich im Wahlkampf "bemüht", dennoch ließ er Zweifel durchscheinen, ob sie die richtige Wahl gewesen sei, Wähler*innen von der FPÖ zurückzuholen, denn: "Der klassische FPÖ-Wähler wählt keine Frau mit Doppelnamen."

Immer Ärger mit Georg!

Nun ist Dornauer ja für seine "flotten, oft nicht durchdachten Sprüche" (zwinki zwonki, Kurier, hihi) bekannt, diese Aussage ist allerdings schon ein ganz besonderes Highlight: Der Tiroler SPÖ-Chef findet also, dass Frauen in der Politik nicht (nur) an sexistischen Strukturen scheitern, sondern an ihren Doppelnamen. Ein spannender Take, ist man sich auch in der Twitter-Gemeinde einig:

Die Frauen werden's schon richten

Dass Frauen in Krisenzeiten gerne das Zepter in die Hand gegeben wird, ist kein neues Phänomen, sondern hat sogar einen Namen: Glass Cliff oder Gläserne Klippe. Das kennt man aus der Politik mit Theresa May und Angela Merkel, oder auch aus Islands Finanzkrise 2009. Das scheinbare Motto lautet"Eh schon alles wurscht. Jetzt probiert’s ihr Frauen das halt mal". Wenn das Experiment Frau dann scheitert, liegt’s am Geschlecht - und nicht etwa an sexistischen Strukturen und/oder und alten, weißen Männern.

Schuld ist der Doppelname

Wobei. Moment mal. An Doppelnamen wären ja dann am Ende des Tages trotzdem die Männer Schuld. Hätte halt der Herr Rendi mal nicht so herumgedruckst und ihren Namen annehmen sollen, würde die SPÖ heute bestimmt besser dastehen. Das gilt natürlich parteiübergreifend und würde auch in Hinblick auf FPÖ-Kolleginnen Riess-Passer oder Belakowitsch-Jenewein so einiges erklären.

Wie gut, dass wir da in Österreich auf einen Analytiker wie Dornauer zurückgreifen können, der uns immer wieder gern (ungefragt) die Welt erklärt – und dann auch noch in Österreichs größte Nachrichten-Show eingeladen wird, um über seine sexistischen Aussagen zu reden (weil so macht man das in Österreichs Medienlandschaft scheinbar).

Wir notieren uns also:
Sexismus entsteht beim Empfänger. (Ja, generisches Maskulinum)
Wahlen werden mit Männern oder kurzen Namen (oder beidem) gewonnen.

Und Selbstreflexion kann mann (ja, Doppel-n!) offensichtlich nicht kaufen.

Zur Serie: Der Fail der Woche "zeichnet" regelmäßig besonders sexistische, frauenfeindliche und/oder rassistische Sager oder Internet-Fundstücke aus.

 

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