Fail der Woche: Die "neue Welt" von Palmers hat Größe 36

2019 hat nun auch das Traditionsunternehmen Palmers verstanden, dass Frauen irgendwie benachteiligt werden und kreiert in einer Werbekampagne eine "neue Welt". In der leben aber - surprise - nur dünne Frauen. Unser verdienter Fail der Woche.

Werbekampagne Palmers: Eine Welt die passt

Palmers hat es schon wieder getan. Sexistische Werbung ist ja ein bisserl das Ding des österreichischen Unterwäsche-Labels. Nach Magermodels und "Keller-Ästhetik" gibt es nun einen feministischen Exkurs – und der ist kläglich gescheitert. Eine inhaltliche Neuausrichtung soll die "neue Welt von Palmers" eigentlich sein. Eine Welt, "die passt.“ Das mag sogar sein - aber nur, wenn man Größe 36 trägt.

Eine "Welt, die passt", wenn man Größe 36 hat

Palmers Kampagne: Eine Welt, die passt.

Die neue Werbekampagne soll die "Vielfalt und Einzigartigkeit von Frauen in verschiedensten Lebenssituationen“ zeigen. In der mysteriösen, neuen Palmers-Welt besteht diese einzigartige Diversität ausschließlich aus normschönen, dünnen, weißen Frauen in knapper Unterwäsche, die Spaß am Strand haben. Sujets, die genauso gut 1982 veröffentlicht hätten werden können. Von den "Ecken und Kurven", die Frauen in dieser Welt haben, ist weit und breit nichts zu sehen. Doch halt! Da ist ein Versuch des Klischeebruchs! Eine einzige Frau in der Kampagne dürfte nicht in ein Bikinihoserl Größe 36 passen. Denn: Sie ist schwanger. (Aber natürlich dennoch sehr schlank.) Nur so darf man in der Welt von Palmers wohl einen Bauch haben: Wenn man die heilige Pflicht der Frau erfüllt und Kinder austrägt, dabei aber trotzdem nur am Schwangerschaftsbauch zunimmt.

Autorin Nunu Kaller kritisiert die neuen Sujets auf Instagram und zitiert einen Palmers-Mangager bei der Präsentation der Kampagne. „Man mag es nicht glauben,“ soll der Mann gesagt haben, dem die Strukturen unserer Gesellschaft bisher wohl nicht aufgefallen sind. „Es gibt viele Dinge, die für eine Frau in dieser Welt noch nicht passen, und darüber wollen wir sprechen."

Was in der Welt wirklich nicht passt

Okay. Sprechen wir darüber. Sprechen wir über eine Gesellschaft, die darauf ausgerichtet ist, Ungleichheit zu erhalten. Sprechen wir über den Gender Pay Gap. Über sexualisierte Gewalt und Missbrauch und das Machtgefüge, das sie nährt. Und sprechen wir über Körperideale und Schönheitswahn. Darüber, dass eine Frau gesellschaftlich nur dann als „schön“ angesehen wird, wenn sie aussieht wie ein Model auf einem Palmers-Werbeplakat und eine Industrie, die diese Vorstellungen schafft, einzementiert und monetarisiert.

Sprechen wir darüber, dass 2019 wohl auch das letzte Unternehmen kapiert hat, dass man mit Feminismus vielleicht irgendwie Geld verdienen kann. Weil es Frauen dann doch nicht so geil finden, dass sie systematisch benachteiligt werden und Authentizität in der Werbung gerade Trend ist. Und sprechen wir darüber, was vom Werbe-Feminismus am Ende oft überbleibt: Sexy Frauen in sexy Unterwäsche, die wieder nur Stereotype reproduzieren und deren "Ecken und Kurven" sich auf Busen, Hintern und wohlgeformte Schwangerschaftsbäuche beschränken.

So bricht man nicht mit Schönheitsidealen, so macht man die Welt nicht "passender" für Frauen. Darum geht es Palmers in der neuen Kampagne freilich auch nicht. Da sollen Produkte verkauft, nicht die Welt verändert werden. Die gesellschaftliche Revolution mag auch nicht die Aufgabe eines Traditionswäscheunternehmens sein. Dann soll es aber bitte auch nicht so tun, als ob.

Zur Serie: Der Fail der Woche "zeichnet" regelmäßig besonders sexistische, frauenfeindliche und/oder rassistische Sager oder Internet-Fundstücke aus.

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