Fail der Woche: Das Blackface des Richard Lugner

"Hmm, wir könnten Richard Lugner zum Black Friday einfach ein Blackface verpassen?", hat sich die Marketingabteilung der Lugner City wohl gedacht. Unser verdienter Fail der Woche.

"Black Friday" heißt der Freitag nach Thanksgiving. Die meisten AmerikanerInnen nutzen den Fenstertag für die ersten Weihnachtseinkäufe, der Handel reagiert mit umfassenden Rabatten und am Ende dieses Spiels aus Angebot und Nachfrage stürmen Massen an konsumgeilen Menschen den lokalen Einzelhandel (oder klicken sich fanatisch durch Online-Angebote), bescheren ebenjenen meist ein saftiges Umsatzplus und sich selbst das ein oder andere Schnäppchen. Ein System, das also funktioniert und seit ein paar Jahren auch in Europa angekommen ist - bis in die Untiefen der Lugner City im 15. Wiener Bezirk.

Blackface Richard Lugner

So ein Shoppingereignis muss nun aber freilich beworben werden, am besten mit einem Plakat. Im Fall der Lugner City ist das leider ein rassistischer Fail der Sonderklasse geworden: Als einzige Assoziation zu "Black" und "USA" fiel dem Team aus der Marketingabteilung offenbar nur der ehemalige US-Präsident Barack Obama ein. Und immerhin wollte Einkaufszentrums-Chef Richard Lugner selbst mal Präsident werden. Also verpasste man dem Baumeister auf dem Werbeplakat ein Blackface, inkl. Ohren-Prothesen und schwarzen Locken und photoshoppte ihn nach dem Präsidentenvorbild. Herausgekommen ist ein Plakat, das so rassistisch und letztklassig ist, dass es sogar im schwarz-blau-regierten Österreich für Empörung sorgen kann.

Der österreichische Hip-Hop-DJ DJ Mosaken teile ein Foto des Plakates am Wochenende auf Instagram. Darunter schrieb er schlicht "Racist". Bloggerin Christl Clear griff das Sujet auf und fand einige Worte mehr für ihre Fassungslosigkeit. "Es ist 2018 und ihr denkt es ist eine gute und vor allem wirkungsvolle Idee, Richard Lugner als Barack Obama zu blackfacen, um Werbung für den Blackfriday zu machen, ist eine gute Idee?! Well.. think again!"

Das Blackface ist extrem rassistisch

Das "Blackface" stammt ursprünglich aus der Theatermaskerade des 18. und 19. Jahrhunderts. Weiße Schauspieler verkleideten sich in den so genannten "Minstrel Shows" als Schwarze Menschen. Sie malten ihre Gesichter schwarz an, schminkten sich übertriebene Gesichtszüge und verhöhnten die Schwarze Bevölkerung in unterwürfigen und minderwertigen Rollen. Als fröhlich singende SklavInnen, PlantagenarbeiterInnen und Hausangestellte zelebrierten und förderten sie rassistische Stereotype zur bloßen Belustigung eines weißen Publikums. Gleichzeitig war es Schwarzen Menschen freilich verboten, frei und selbstbestimmt am kulturellen und öffentlichen Leben teilzunehmen.

Das Plakat der Lugner City basiert also auf einer Praxis, die nicht nur Rassismus und Stereotype verbreitet, sondern das Recht Schwarzer Menschen auf ein gleichberechtigtes Leben verspottet hat. Das ist nicht lustig, das ist zutiefst rassistisch. Ja, auch 2018. Ja, auch wenn der karikaturierte Mann ein ehemaliger US-Präsident und Friedensnobelpreisträger ist. Die Geschichte des Blackface kann gar nicht ohne Rassismus erzählt werden. Jedes Blackface konzentriert sich auf die Perspektive weißer Menschen und ignoriert so People of Color. Mehr noch, es verhöhnt sie und ihre Lebensrealität.

Das ist keine Neuigkeit, sondern ein breit diskutiertes Thema. Nicht nur in den USA, wo das Blackface schon länger als rassistisch verpönt gilt, auch im deutschsprachigen Raum. Gerade Lugner sollte wissen, worum es geht: 2014 verließ sein OpernballgastKim Kardashian aus Ärger über einen rassistischen Vorfall die Staatsoper. Ein Moderator hatte sich als Kardashians Mann Kanye West "verkleidet" - mit weißem Anzug und Blackface. Amerikanische Medien sprachen damals von "rassistischer Belästigung" und zeigten sich über Gäste und Sitten am Opernball empört. Das Problem mit Blackfacing dürfte Lugner also kennen - es dürfte ihm aber schlicht wurscht sein.

"Ich sag euch doch: Alltagsrassismus, Ignoranz und Idotie sind real", schreibt Christl Clear auf die geschockten Nachrichten ihrer FollowerInnen. Sie ruft auf, dem Team der Lugner-City zu zeigen, wie "traurig, peinlich, respektlos, rassistisch und ignorant" man das Plakat finde - höflich, aber bestimmt, ohne Shitstorm. "Because when they go low, we go high", zitiert sie jenen Satz aus Michelle Obamas Rede auf der 2016 Democratic National Convention, der zum Motto der Demokraten im Präsidentschaftswahlkampf und Marginalisierten auf der ganzen Welt wurde.

Wir meinen: Wer meint, mit Rassismus lasse sich super Aufmerksamkeit generieren, sollte das mit der Werbebranche besser lassen. Das wäre besser für uns alle.

Zur Serie: Der Fail der Woche "zeichnet" regelmäßig besonders sexistische, frauenfeindliche und/oder rassistische Sager oder Internet-Fundstücke aus.

 

Aktuell