Fail der Woche: Auch geschminkte Männer sind Männer, liebe Barbara Schöneberger

Männer sollen sich nicht schminken, findet Barbara Schöneberger. Und bekommt für ihr veraltetes und gefährliches Männerbild nicht nur einen Shitstorm, sondern von uns auch noch einen verdienten Fail der Woche.

Barbara Schöneberger und Männer, die sich schminken

"Also jetzt mal ganz ehrlich, Freunde", ruft Barbara Schöneberger in einem Instagram-Video für ihr Magazin "Barbara". "Irgendwann ist auch mal Schluss." Und erklärt uns, was Männer dürfen (hochgekrempelte Hosen und Jacketts, die übern Arsch enden, anziehen) und was nicht (schminken und sich mit Parfüm "eindieseln".) Die 45-Jährige meint nämlich: "Männer sind Männer und sollen Männer bleiben."

Es ist immer besonders "schön", wenn Menschen einzementierte, binäre Geschlechterstereotypen weiter verfestigen wollen. Wenn sie aufgeregt und bestimmt erklären, was jetzt einen Mann zum Mann und eine Frau zur Frau macht und warum man beides ja bloß nicht vermischen darf. Für Schöneberger sind es nun eben geschminkte Männer, die ihre Männlichkeit (oder ihre Definition davon) mit dem Auftragen von getönter Tagescreme quasi sofort verlieren. Das zeigt nicht nur ein besonders fragiles Bild von Männlichkeit, weil getönte Tagescreme jetzt wirklich kein besonders gutes Lösungsmittel ist, wenn es um mehr als um das Abdecken von Müdigkeitserscheinungen geht, sondern degradiert in einem Aufwasch auch noch die Vorstellung von Weiblichkeit. Wer nämlich nicht männlich (und somit ganz stark und mächtig ist), der*die muss in der binären Sichtweise von Schöneberger zwangsläufig weiblich (und somit schwach) sein. Was könnte es im Patriarchat auch Schlimmeres geben, als eine Frau zu sein?

Das Männliche der männlichen Männerhaut

Und sich schminken, das ist halt "was Weibisches". Aus Gründen: Schönheitswahn und unerreichbarer Perfektionismus sind tatsächlich Probleme, die vor allem Frauen und als Frauen gelesene Menschen betreffen. Ihr gesellschaftlicher Wert definiert sich immer noch viel zu oft über das Aussehen. Bei Männern ist das noch eher wurscht. "Alles, was an einem Mann schöner ist als an einem Affen, ist verschwendet", tönen Großmütter wohlweislich seit Jahrzehnten und Schöneberger ist über diese Binsenweisheit nicht hinausgekommen. Die Haut von Männern ist währenddessen genauso fahl oder fleckig, hat große Poren, schwarze Mitesser und allerlei Unperfektheiten, wie die von Frauen. Wir sind schlicht nicht so gewohnt, einen Mann aufgrund seiner Haut zu beurteilen. Ein Vorteil, wenn man so will: Sich an gesellschaftliche Schönheitsideale anzupassen ist immerhin sehr ressourcenintensiv und zermürbend. Aber es ist ein Vorteil, der schwindet. Immer mehr junge Männer spüren den Druck einer Gesellschaft, die auf unerreichbare Schönheitsideale ausgerichtet ist. Und auch sie reagieren mit Beauty-Routinen und Instagram-Filtern.

Das prangert Schöneberger halt nicht an. Es geht nicht um Body Positivity oder Body Neutrality, es geht nur um konservative und überholte Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit, die uns schlussendlich alle einschränken. Auch hier, denn: Make Up kann empowern. Kann die eigene Persönlichkeit unterstreichen, kann Unsicherheiten ausgleichen, kann politisch sein oder (ja!) auch einfach nur Spaß machen. Das gilt für Frauen genauso wie für Männer oder nicht-binäre Personen. Riccardo Simonetti, Entertainer mit 225 Tausend Follower*innen auf Instagram und einem wirklich fiercen Eyeliner (Liebe!), hat für Schöneberger nur eine hochgezogene Augenbraue übrig: "Trage übrigens Make Up. Als Mann.", schreibt er am Samstag in seine Instagram-Story. "Betone das nur, weil manche das als schockierend empfinden könnten."

Das Patriarchat hat ja noch nie nur Frauen* geschadet - sondern eine Welt geschaffen, in der Männer nicht sanft, nicht vermeintlich schwach sein dürfen. In der ein Konzept von Männlichkeit nur in Abrenzung zu Weiblichkeit funktioniert und von Concealer auf Augenringen ad Absurdum geführt werden kann. Und das kann man sich dann auch gleich wieder abschminken.

Zur Serie: Der Fail der Woche "zeichnet" regelmäßig besonders sexistische, frauenfeindliche und/oder rassistische Sager oder Internet-Fundstücke aus.

Die Fails vergangener Wochen:

 

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