Experiment entlarvt Doppelmoral der Modeindustrie

High Fashion zum Spottpreis – so lautet heutzutage das Motto. Während Kinderarbeit für die Textilunternehmen in den Entwicklungsländern trauriger Alltag ist, ist die Beschäftigung von Kindern in Mitteleuropa unvorstellbar. Mit versteckter Kamera hat die Initiative "Who made my clothes?" deutsche Unternehmen auf ihre Moral getestet.

Vom 18. bis 24. April 2016 findet weltweit die Fashion Revolution Week in Gedenken an die mehr als 1.100 Todesopfer des Einsturzes der Textilfabrik Rana Plaza am 24. April 2013 in Bangladesch statt. Menschen aus 70 Ländern beteiligen sich mit Events, Flashmobs, Workshops und einer Selfie-Kampagne mit den Hashtags #FashRev und #whomademyclothes.

Mit versteckter Kamera der Doppelmoral auf der Spur

Während Kinderarbeit für die Textilunternehmen in den Entwicklungsländern trauriger Alltag ist, ist die Beschäftigung von Kindern in Österreich oder Deutschland unvorstellbar. Die Initiative Fashion Revolution ruft auf, die Doppelmoral der Modeindustrie unter dem Motto „Who made my clothes?“ zu beenden. Mit versteckter Kamera hat die Initiative Unternehmen in Deutschland auf ihr moralisches Verhalten getestet. Kinder haben in Modegeschäften ihre Arbeitskraft angeboten: Günstig, den ganzen Tag, und ohne Pausen.

Die Betroffenheit der Europäer ist groß, wenn sie mit Bildern aus den asiatischen Fabriken konfrontiert werden, wo Kinder und Frauen im Akkord nähen. Doch wie reagieren Unternehmen, wenn Kinder in Deutschland arbeiten möchten? Die Initiative Fashion Revolution hat fünf Kinder mit versteckter Kamera bei der Jobsuche begleitet. Die 10- bis 12-Jährigen haben sich per Telefon, E-Mail und vor Ort in Geschäften von internationalen Modemarken als Mitarbeiter beworben. Bei allen Unternehmen stießen die Kinder jedoch auf Ablehnung. Die Begründung: Sie seien viel zu jung zum Arbeiten.

Mit #whomademyclothes gegen Kinderarbeit

Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) arbeiten mehr als 170 Millionen Kinder und Jugendliche unter unzumutbaren Bedingungen für die Industrie. Darunter viele in Textilfabriken, die auch für deutsche Händler produzieren. „Mit unserem ‚Child Labour Experiment‘ möchten wir einen Wandel in den Köpfen der Verbraucher herbeiführen und zeigen, dass sie einen großen Anteil daran haben, Kinderarbeit zu bekämpfen“, so Annett Borg, Koordinatorin des Fashion Revolution Day in Deutschland. „Transparenz ist ein erster Schritt, die Textilindustrie zu verändern. Wir sollten beim Kauf daher stets hinterfragen: Who made my clothes?“ In den sozialen Netzwerken können die Verbraucher ein Zeichen gegen Kinderarbeit setzen und das Video der Aktion unter dem Hashtag #whomademyclothes teilen.

 

Aktuell