Eure Last-Minute-Absagen nerven, liebe Leute!

Kolumnistin Martina Parker ärgert sich über Menschen, auf die einfach kein Verlass ist. Ob im Privatleben oder auf Presseveranstaltungen.

Der schlimmste Presseevent meines Lebens war nicht der, bei dem mein Gepäck auf dem Flug nach Mailand verloren ging und ich bei der Abendveranstaltung Laura Biagiotti in dreckigen Cargohosen gegenüberstand. Der schlimmste Presseevent war auch nicht der, bei dem mich ein deutsches Supermodel mit den Worten "Die muss das unterschreiben!" durch ein Londoner Hotel jagte. (Sidenote: Ich sollte mich verpflichten, ihr eine Million zu zahlen, sollte sie aufgrund meines Artikels über sie ihren Werbevertrag verlieren.) Und der schlimmste Presseevent war auch nicht der, bei dem ich in Cannes mit Quentin Tarantino im Lift stecken blieb und er meine Zehen etwas zu ausgiebig bewunderte.

Schau ma mal...

Der schlimmste Presseevent war der, zu dem niemand außer mir erschien. Ich saß an einer Tafel mit 13 Tellern, 13 Gläsern und 13 personalisierten Pressedossiers und die Kellner fragten gefühlte 13 Mal, ob sie endlich die 13 Vorspeisen servieren dürften. Allein außer mir und der PR-Frau war niemand an seinem zugedachten Platz. "Vielleicht kommen sie ja noch!", sagte die PR-Frau mit gespieltem Optimismus.

"Wir sollten noch eine Viertelstunde warten." Nach einer Viertelstunde, in der auch niemand kam, schlug ich vor, nachdem ich bis dato am anderen Ende der Tafel ausgeharrt hatte, aufzurücken, damit man sich besser unterhalten könne. Die Kellner brachten uns kalte Pasta und warmen Prosecco. Die Stimmung war indessen am Gefrierpunkt. Die österreichische "Schau ma mal, weil nix is fix"-Mentalität mag mit ein Grund für dieses Debakel gewesen sein.

Fakt ist aber auch, dass es mit WhatsApp, Messenger und SMS noch nie so leicht war, Last-Minute-Lügen wie "Steh im Stau!" oder "Katze kotzt!" zu verschicken.

Fakt ist aber auch, dass es mit WhatsApp, Messenger und SMS noch nie so leicht war, Last-Minute-Lügen wie "Steh im Stau!" oder "Katze kotzt!" zu verschicken. Und viele können sich schon im Vorfeld gar nicht aufraffen, verbindlich zuzusagen. Save the Dates, Einladungen und Friendly Reminder werden, so gut es geht, ignoriert. Man ist ja so "busy". Nicht nur im Beruf, sondern auch im Privatleben werden Einladungen und Verabredungen dadurch zu organisatorischer Schwerstarbeit. Ist man wirklich zu beschäftigt, um sich zu treffen, oder wartet man lieber, dass sich noch etwas Besseres ergibt?

"Wir sollten wirklich mal wieder einen Mädelsabend machen!", schlug eine allerbeste Freundin unlängst vor. "Wir könnten gemeinsam kochen, quatschen und uns die Nägel machen - so wie früher!" Tolle Idee. Nach 23 E-Mails hatten wir noch immer keinen Termin. Per Doodle ermittelten wir ein mögliches Datum, das zwölf Wochen in der Zukunft lag. Das Treffen hätte heute sein sollen. Gerade haben drei der vier Allerbesten abgesagt: "Katze kotzt!" Die vierte steht im Stau. Ich geh mir jetzt allein die Nägel machen.

 

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