Essen nach Gefühl: So klappt's mit der intuitiven Ernährung

Bei der Ernährung tatsächlich auf den eigenen Körper zu hören ist dank Regeln und Manipulationen unserer Gesellschaft (Stichwort #dietculture) oft gar nicht so einfach.

Essen nach Gefühl: So klappt's mit der intuitiven Ernährung

Du kommst nach einem anstrengenden Arbeitstag nachhause, bist total erschöpft und öffnest beim Weg auf die Couch direkt mal deine Go-To Lieferservice-App - was du jetzt brauchst ist irgendetwas möglichst fettiges und das bitte schnell.

Ist das dieses intuitive Essen von dem jetzt alle reden? Hm, vielleicht nicht ganz - aber schauen wir uns das mal genauer an:

Allgemein geht es bei der intuitiven Ernährung darum, gut auf den eigenen Körper zu hören und ihm das zuzuführen, was er tatsächlich braucht - ganz ohne strenge Restriktionen oder Kalorien-Zählen. Dazu gehört auch, in Momenten, in denen wir besonderes Gusto verspüren, kurz inne zu halten und zu überlegen, ob uns die Speise, die uns im ersten Moment vorschwebt, tatsächlich guttut (aber klar, das kann auch mal die Pizzaschnitte sein!).

Um das Ganze noch ein bisserl verständlicher und für den Alltag umsetzbar zu machen, haben wir hier einige Anhaltspunkte und Tipps rund um das intuitive Essen für dich:

Was ist intuitives Essen?

Das Schlüsselwort bei der intuitiven Ernährung lautet "Bewusstsein". Rebekka Schnepper, Psychologin an der Uni Salzburg erklärt im Gespräch mit Der Standard, worauf es beim intuitiven Essen ankommt: "Sich bewusst Zeit nehmen, langsam und konzentriert essen, dabei immer wieder auf Körpersignale achten und wahrnehmen, ob man schon satt ist". Verbote oder Vorgaben, was gegessen werden darf, gibt es hier nicht. Im Durchschnitt dauert es etwa drei Monate bis die Intuition bzw. das "Essen nach Bauchgefühl" verinnerlicht und automatisiert wird.

Was dir helfen kann, dich intuitiver zu ernähren:

1. Mache dir bewusst, welche "Essensregeln" du befolgst

Wir alle leben in einer Diätkultur-geprägten Gesellschaft, die uns einredet, wir müssten auf diese und jene Weise aussehen und uns dementsprechend ernähren und gewisse Vorgaben einhalten, um dieses Ziel zu erreichen. Sich von diesen Vorschreibungen loszusagen, ist erst mal gar nicht so easy. Viele dieser Regeln und Verbote sind bereits in unser Unterbewusstsein übergegangen - es dauert ein bisschen, bis wir Lebensmittel nicht mehr automatisch in "gut" und "böse" einteilen, sondern uns wieder darauf kozentrieren, was unser Körper tatsächlich braucht.

2. Höre auf deinen Hunger

Es wird uns beigebracht, dass Signale unseres Körpers oft ein Trugschluss sind und wir nur durch strikte Regeln und Verzicht gesund leben können. Tatsächlich ist Hunger die natürliche Art und Weise unseres Körpers, uns mitzuteilen, dass er Nahrung benötigt. In der intuitiven Ernährungsform gilt: Wenn du hungrig bist, dann erlaube dir, zu essen und achte nicht so streng auf Uhrzeiten oder Portionsgrößen. Hunger ist eines der wichtigsten Instrumente, mit denen wir unseren Körper gesund halten können.

3. Gib dir selbst die Erlaubnis, zu essen, was du willst

Bei einer gesunden Ernährung ist Platz für alle Lebensmittel (ja, richtig gelesen, alle!). Gib dir selbst die bedingungslose Erlaubnis, alles zu essen, was du möchtest: Ob du davor Sport gemacht hast oder dich den restlichen Tag "gesund" ernährt hast, hat keinen Einfluss darauf, was du essen darfst und was nicht. Teilst du Nahrungsmittel in "gut" oder "schlecht" ein oder fühlst dich schuldig, wenn du doch mal Junk Food isst, sendest du deinem Körper das Signal, dass du diese Speise in Zukunft nicht mehr essen wirst - was allerdings dazu führt, dass du es nur noch dringender willst, da du es künftig nicht mehr bekommst. In der Regel führt Entzug zu unkontrollierbarem Verlangen und übermäßigem Essen. Denke also dran: Wenn Essen nicht mehr verboten ist, ist es sofort weniger verlockend.

4. Achte darauf, wann du "voll" bist

Jede*r von uns hat einen unterschiedlichen Nahrungs- und Nährstoffbedarf, daher verabschiede dich am besten von strikten Portionsgrößen oder dem Zwang, den Teller unbedingt leer zu essen (Leftovers kannst du auch super für später aufheben!). Anstatt hemmungslos in dich reinzuschaufeln, versuche ein bisschen langsamer und achtsamer zu essen und zwischendurch darauf zu achten, ob du schon satt bist. Frage dich während und nach dem Essen: Wie fühle ich mich? Was macht das Essen mit meinem Körper? Wie schmeckt es? So wirst du mit der Zeit lernen, die richtigen Portionen und Speisen für dich auszuwählen.

 

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