Es wird Zeit, dass Männern Verhütung nicht mehr so egal ist

Denn die Diskussion, einen erwachsenen Mann dazu zu bringen, ein Kondom zu tragen, wird langsam aber sicher lächerlich. Und sollte es nicht auch normal sein, dass fixe Partner*innen sich an den Kosten für Verhütung beteiligen? Ein Kommentar.

Es wird Zeit, dass Männern Verhütung nicht mehr so egal ist

Es ist eigentlich egal, in welchem Umfeld ich mit Freund*innen darüber spreche: Sobald eine Frau äußert, dass sie ohne Kondom mit einem Mann geschlafen hat, gibt es häufig ein kollektives "Ahhhh", "Neeeeinnn", "Ach warum machst du das?". Und das nicht nur dann, wenn sich diese bereits eine Geschlechtskrankheit eingefangen hat, denn ja, die sind gerade im Vormarsch.

Gleichzeitig gibt es bei solchen Gesprächen aber meistens auch keine Verurteilung aus der Gruppe der Frauen, weil wir alle wissen, wie schwer es in der heutigen Zeit ist, Männer dazu zu überreden, ein Kondom zu verwenden. Dann kommen Ausreden wie: Kondome passen ihm nicht, sein Penis vertrage sie nicht, oder (mein Lieblingsspiel) jedes Mal, wenn das Kondom in die Nähe des Penis kommt, wird dieser weich wie frisch gekochte Spaghetti und fällt dramatisch um.

Warum?

Was ich mich dabei aber seit Jahren frage ist Folgendes: Warum ist vielen Männern Verhütung so egal? Wie viel Vertrauen haben sie in uns Frauen? Und hätte eine ungeplante Schwangerschaft nicht auch für sie Konsequenzen? Meiner Erfahrung nach fragen Männer, die Gelegenheitssex haben, häufig nicht mal nach, ob man verhüte, sondern gehen einfach davon aus. Der einzige Punkt, den viele gerne diskutieren möchten, ist wie nötig ein Kondom wirklich ist (irgendwoher müssen die gestiegenen Raten an Geschlechtskrankheiten ja kommen).

Gleichzeitig wissen wir aber, dass auch in vielen Beziehungen Frauen diejenigen sind, die sich um die Verhütung kümmern. Zig unserer Leser*innen haben erst vor Kurzem ihre Erfahrungen damit geteilt und die Verantwortung, die da auf Frauen lastet, ist erschreckend. Und die Gründe dafür sind nicht nur, weil es nach wie vor zu wenig Alternativen für Männer gibt, aber auch einfach, weil das häufig Frauensache ist. Außerdem müssen viele Frauen die Kosten für Verhütung allein tragen.

Frauenthemen

Zeitgleich macht sich in den USA nach der Änderung des Abtreibungsgesetzes bemerkbar, dass vor allem Hetero-Männer sich häufig zu dem Thema bedeckt halten oder keine Meinung dazu haben. Interviews und Umfragen ergeben, dass viele von ihnen der Meinung sind, Abtreibungen sind ein Frauenthema. Und damit nichts, wofür sie sich engagieren müssen, gegen das sie demonstrieren oder sich wehren versuchen müssen. Viele denken, die Möglichkeit eine Abtreibung zu bekommen, hat mit ihrem Leben nichts zu tun.

Sieht man sich all diese Punkte an, frage ich mich häufig: Hab ich etwas verpasst? Werden Männer nicht genauso plötzlich zu Vätern, wenn sie jemand schwängern? Der große Unterschied ist vermutlich, dass es ihr Leben nicht so beeinflussen muss, wenn sie nicht möchten. Wenn sie sich dazu entscheiden, überweisen sie monatlich einen gewissen Betrag und müssen sonst mit keinen Konsequenzen leben. Sie müssen sich nicht darüber Gedanken machen, sondern können immer noch auswandern, ihre Karriere machen, ausgehen, ihr Leben leben. Für Frauen ist das anders. Wir müssen in dem Moment, an dem wir ungewollt schwanger sind, Entscheidungen treffen. Wir müssen unser Leben umplanen, müssen überlegen, ob wir ein Kind wollen, das entsprechende Sicherheits- und Supportnetz haben und so weiter.

Enthaltsamkeit

Gerade in den USA entscheiden sich immer mehr junge Frauen für sexuelle Enthaltsamkeit. Und auch bei uns in Österreich und in Europa geht die sexuelle Aktivität junger Menschen zurück. Als ich vor wenigen Tagen mit Freund*innen darüber gesprochen habe, sagten viele, dass auch sie damals bewusst mit Sex gewartet hätten, bis sie ihre Matura oder Ausbildung abgeschlossen hatten. Weil vielen Frauen sehr wohl bewusst ist, dass Sex nicht nur ein Spiel ist, sondern auch Konsequenzen haben kann. Sieht man sich an, wie leichtfertig viele Männer das Thema Verhütung betrachten, stellt sich die Frage, ob ihnen das auch bewusst ist.

Wie glücklich wird der Großteil der Hetero-Männer sein, wenn immer mehr Frauen auf Enthaltsamkeit setzen? Wenn vielen die Konsequenzen von fehlender Verhütung egal sind, werden sie die Konsequenzen davon zum Umdenken bringen?

 

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