"Es ist an der Zeit, das Recycling für Textilien in großem Stil zu verändern"

Monki hat sich zum Ziel gesetzt, eine vollständig zirkuläre Modemarke zu werden. Bis 2030 sollen nur noch recycelte oder nachhaltige Materialien verwendet werden. Wie das gehen soll, verrät uns Monki- Nachhaltigkeitsdirektorin Jenny Fagerlin im Interview.

Monki

Die Textilindustrie ist, nach der Erdölindustrie, die umweltschädlichste Branche überhaupt und trägt mit jährlich 1,7 Milliarden Tonnen CO2 signifikant zu den globalen Treibhausgasemissionen bei.Fast Fashion regiert den Modemarkt, niedrige Preise und ständig wechselnde Trends locken Kund*innen an – Nachhaltigkeit bleibt dabei meist auf der Strecke. Monki will das nun ändern: Das schwedische Modelabel aus der H&M Gruppe, das bisher durch junge Mode, trendbewusste Kollektionen und inklusive Werbekampagnen (mehr dazu hier) auf sich aufmerksam gemacht hat, hat sich nun zum Ziel gesetzt, bis 2030 ausschließlich mit recycelten oder anderen Materialien aus nachhaltiger Herstellung zu arbeiten. Wir haben mit Jenny Fagerlin, der Nachhaltigkeitsdirektorin des Labels gesprochen und sie gefragt, wie aus einem Fast Fashion-Betrieb eine umweltbewusste Modemarke werden kann und wie sich Trends und Nachhaltigkeit vereinen lassen.

WIENERIN: Warum braucht es mehr Awareness für Nachhaltigkeit in der Mode?

Jenny Fagerlin: Die Textilindustrie ist eine der größten und umweltbelastendsten Branchen der Welt. Um etwas zu verändern und die Auswirkungen auf den Planenten zu verringern, müssen wir alle zusammenarbeiten. Recycling ist ein wichtiger Teil dieser Veränderung, da wir mit dem arbeiten, was wir bereits haben (was sehr viel ist), anstatt Neuware zu beschaffen.

Wie passen Fast Fashion und Nachhaltigkeit zusammen?

Unser Ziel ist ein Produktionsmodell, bei dem die Ressourcen so lange wie möglich genutzt werden, bevor sie immer wieder zu neuen Produkten recycelt werden. Indem wir zeigen, was wir und die Kund*innen im Sinne der Nachhaltigkeit tun können, hoffen wir, dass dieser Veränderungsprozess zu einer positiven Kettenreaktion in der gesamten Branche beiträgt. Wir glauben daran, auf eine freundlichere und nachhaltigere Zukunft für alle hinzuarbeiten.

Nachhaltigkeit bedeutet längerfristig gedachte Prozesse, Trendbewegungen aber werden immer schnelllebiger. Bedeutet nachhaltige Kleidung, dass auf Trends verzichtet werden muss?

Wir als Modemarke glauben, dass sich Modetrends und nachhaltig produzierte Kleidung vereinen lassen. Es beginnt mit dem Designprozess, bei dem die Designer*innen Nachhaltigkeit und Zirkularität mit Mode verbinden müssen. In den letzten zehn Jahren wurde viel in Wissen und Technologie investiert und es liegt an uns, diese Punkte mit trendigem Modedesign zu verbinden. Angefangen bei recycelten Reißverschlüssen bis zum Upcycling von Denimresten. Das alles sind kleine Schritte in Richtung einer nachhaltigeren Art und Weise, Mode zu machen.

Monki will eine vollständig zirkuläre Modemarke werden – was heißt das genau?

Um eine vollständig zirkuläre Marke zu werden, müssen Textilien und Kleidungsstücke recycelt und wieder in einen geschlossenen Kreislauf gebracht werden, sodass wir die Kleidungsstücke immer wieder verwenden können.

Wir streben an, unseren Fußabdruck schneller als das im Pariser Übereinkommen festgelegte Ziel von 1,5°C zu verringern. Daher wollen wir nur noch produzieren, was wir auch verkaufen – zero waste! Auch möchten wir die Lebensdauer von Produkten verlängern. Wir wollen, dass unsere Produkte verwendet und wiederverwendet werden – so lange wie möglich.

Wir möchten den Kreislauf durch Recycling, Upcycling und innovatives Design schließen und wollen unsere Produkte so entwerfen, dass sie leicht wieder in unsere Lieferkette aufgenommen und zu neuen Kleidungsstücken recycelt werden können.

Die neue "Green Machine" soll das Recycling von Mischfasern erleichtern. Wie genau funktioniert das?

Mischtextilien, also Textilien, die nicht nur aus einem Material, sondern aus mehreren hergestellt werden, sind die häufigste Art von Textilien in der Mode, allerdings sehr schwierig zu recyceln, da die verschiedenen Materialien erst voneinander getrennt werden müssen. Die Green Machine macht genau das. Sie wurde speziell entwickelt, um Polyester von Mischungen zu trennen und wiederzugewinnen, da dies die weltweit am häufigsten verwendete Textilfaser ist. Die Fasern werden nur durch den Einsatz von Wärme, Wasser und weniger als fünf Prozent grüner, biologisch abbaubarer Chemikalien voneinander getrennt. Außerdem wird die Farbe des Stoffes entfernt, sodass sämtliche Kleidung recycelt werden kann.

Werden Kleidungsstücke durch die neue Produktionsweise teurer?

Monki ist der weltweit erste Hersteller von Kleidungsstücken mit der Green Machine, was bedeutet, dass der Produktionsprozess ein völlig neuer ist. Dies wirkt sich in einer insgesamt längeren Produktionszeit aus – was derzeit auch zu einem höheren Preis und geringeren Mengen führt. Unser großes Ziel als Marke ist es jedoch, für all unsere Produkte nur recycelte oder nachhaltige Materialien zu verwenden und gleichzeitig ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zu erzielen.

Werden auch andere Unternehmen der H&M-Gruppe nachhaltig?

Wir sind die erste Marke, die die Green Maschine einsetzt, die Technologie kann aber natürlich auch von anderen genutzt werden, nicht nur Marken innerhalb der H&M Gruppe. Wir möchten ein Bewusstsein für die Technologie und den Prozess schaffen und hoffen, dass andere Hersteller in der Modebranche sehen, dass es sich lohnt, in diese Technologie zu investieren, um den Wandel, der zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen für 2030 erforderlich ist, zu beschleunigen.

Was passiert, wenn die Modebranche in den nächsten Jahren so weitermacht wie bisher und keine nachhaltigen Lösungen gefunden werden?

Für uns ist es keine Option, unsere Produktionsweisen so zu belassen, wie sie jetzt sind. Wissenschaftler*innen und Forschungsinstitute sagen deutlich, dass jedes Unternehmen innerhalb der Grenzen der Umweltverträglichkeit bleiben muss. Das bedeutet, dass wir alle in Technologien und Innovationen investieren müssen, die der Industrie helfen, den Einsatz von Neuware zu reduzieren. Da viele Firmen Anstrengungen unternehmen, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen, glauben wir, dass in diesem Bereich in der nächsten Zeit einiges passieren wird.

Monki hat die erste Kollektion entworfen, die mit Hilfe der Technologie der Green Machine entstanden ist. Das graue Tracksuit-Set ist ausschließlich online erhältlich und trägt auf dem Kapuzenpullover und der Trainingshose die gestickte Botschaft "respect your mother (nature)".

 

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