Erster rein weiblicher Nasa-Außeneinsatz platzt wegen fehlender Raumanzüge für Frauen

Erstmals hätten am kommenden Freitag zwei weibliche Astronautinnen einen Außeneinsatz der ISS durchführen sollen, doch der scheitert tatsächlich an Kleidergrößen: Es gibt nicht genügend Raumanzüge für Frauen.

Nasa

Anne McClain und Christina Koch wären am 29. März das erste rein weibliche Team gewesen, das einen Außeneinsatz im All durchführt. Was im Vorfeld groß angekündigt und ein historisches Ergebnis hätte werden sollen, wurde von der US-Raumfahrtsorganisation nun allerdings abgesagt. Grund: Es gibt nicht genügend passende Raumanzüge. Beide Austronautinnen würden gerne ein Oberteil in der Größe M tragen. An Bord der ISS sei aber nur ein Raumanzug in dieser Größe – der Rest passt nur Männern.

Nur ein Raumanzug in Größe M verfügbar

Den einen Anzug in Größe M werde die US-Austronautin Christina Koch tragen. Für ihre Kollegin Anne McClain gibt es somit keinen passenden Anzug. Bei einem Einsatz mit ihrem Kollegen Nick Hague habe McClain vergangene Woche bemerkt, dass ihr ebenso eine Größe M am besten passe. In der Vergangenheit habe sie bei Trainings immer größere Größen der Spezialanzüge getragen. Eine Nasa-Sprecherin erklärte aber, dass sich der menschliche Körper in der Schwerelosigkeit verändern könne. Zudem könne kein Training die echten Begebenheiten im All genau simulieren, weshalb etwa die Kleidergröße der Raumanzüge oft erst nach einem Einsatz im All adaptiert werden kann.

Raumanzüge wurden für Männer entworfen

Die Oberteile der Raumanzüge gibt es nur in den Größen M, L und XL. Die heute verwendeten Spezialanzüge wurden vor mehr als 40 Jahren entwickelt. Weil damit die Design-Lebensdauer von 15 Jahren schon längst überschritten sei, entwickelt die Nasa zwar schon neue Anzüge – allerdings kann es noch mehrere Jahre dauern bis neue Modelle testbereit sind. Die Spezialanzüge könnten damit ein weiteres Beispiel dafür sein, dass nicht nur die Entwürfe von Alltagsgegenständen wie Smartphones auf Körpermaßen von Männern beruhen. Im Buch „Invisible Women: Data Bias in a World Designed for Men“ hat Autorin Caroline Criado Perez hinterfragt, warum “One size fits all” meistens “One size fits men” bedeutet.

Bislang kein Ersatzdatum für den ersten rein weiblichen Einsatz

Ein Raumanzug simuliert in fast 500 Kilometern Höhe ein Stück Erde, weshalb die Anfertigung eines Raumanzugs für sogenannte Außeneinsätze laut Spektrum rund 12 Millionen Dollar kostet. Ein Modell in Größe M könne also nicht so schnell zur Verfügung gestellt werden, weshalb der Einsatz am Freitag nun doch nicht von einem weiblichen Team durchgeführt wird. Es wäre die erste solche Mission von zwei Frauen gewesen. Bisher waren an der Internationalen Raumstation nur männliche Astronauten oder gemischte Teams im Einsatz. So wird es wohl auch am Freitag sein: Christina Koch wird nun vom US-Astronauten Nick Hague begleitet und der weibliche Meilenstein in der Raumfahrt muss warten. Von den über 500 Personen, die schon im All waren, sind laut Reuters nur 11 Prozent weiblich. Die erste Frau im Außeneinsatz war Swetlana Sawizka im Jahr 1984. Peggy Whitson hält mit zehn Außeneinsätzen bis heute den Rekord.

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