Erkältung bei Kindern

Hochsaison für Schnupfenviren: Was tun, wenn Kleinkinder und Babys erkältet sind?

Natürlich haben wir alle sehnsüchtig auf den ersten Schnee gewartet, aber wenn er erst einmal da ist, fangen auch die Probleme an... Nicht zu unrecht gilt der Zeitraum bis März als Hauptsaison für Erkältungen im Kindergartenalter. Bis zu zehn Infekte im Jahr sind da ganz normal.

Am Anfang sind es banale Viruserkrankungen wie Schnupfen, Rachenentzündungen, leichte Luftröhrenentzündungen, roter Hals - also einfach lästige Dinge, meist ausgelöst durch harmlose Rhino- oder Adenoviren, die zwar kein Grund zur Beunruhigung sind, aber den kleinen Schnupfnasen ganz schön zu schaffen machen: „Kinder leiden mehr darunter als Erwachsene", weiß Dr. Maiwald, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde. „Sie leiden körperlich mehr darunter, aber auch, weil sie noch nicht artikulieren können, was sie haben. Sie können ja auch nicht in die Küche gehen und sich einen Tee machen gegen Halsschmerzen. Kinder haben ein Bedürfnis zu spielen und lebendig zu sein. Erwachsene können einfach ein Buch lesen, dann schlafen und dann wieder Buch lesen. Welcher 3jährige kann das schon?"

Auch deshalb soll man ein erkältetes Kind unter keinen Umständen in der Wohnung einsperren. Maiwald: „Das um und auf für Kinder ist: bei jeder Jahreszeit hinausgehen. Einfach warm einpacken und hinaus an die frische Luft!"

Streitfrage: Erkältet in den Kindergarten?

Da ist die Frage, ob so ein kleiner Patient noch in den Kindergarten darf, schon deutlich schwieriger zu entscheiden. Ein alter Streitpunkt zwischen Kinderärzten und Kindergärtnerinnen.


Als Faustregel könnte gelten: Handelt es sich um eine banale Virusinfektion mit den üblichen Symptomen Husten, Schnupfen, einer rauen Stimme, Kehlkopfentzündung, evtl. Reizhusten mit durchsichtigem oder weißlichem Schleim - dann spricht nichts gegen den Kindergartenbesuch. Letztlich ist die Betreuung eines kranken Kindes auch ein ökonomischer Faktor: Viele Familien sind auf zwei Gehälter angewiesen, nicht jeder kann sich frei nehmen, nicht immer ist eine hilfreiche Oma zur Stelle.

Sind die Sekrete jedoch gelb, wie z.B. bei eitrigem Schnupfen, der verwischt wird und dann auf einem Spielzeug klebt - dann nichts wie raus aus dem Kindergarten! Maiwald: „Wenn Schleim aus dem Mund quillt, ist das der Kindergärtnerin nicht zuzumuten."

Ebenso wenn das Kind massiv hustet, sichtbar leidet - und natürlich bei Fieber. Da ist auch der Punkt gekommen, wo es mit Hausmittelchen alleine nicht mehr getan ist und ein Kinderarzt konsultiert werden muss.

Abseits der Sekretfarbe gibt es hierfür eine ganze Handvoll klassischer Warnsignale: Das Kind hört zu essen auf, es wirkt blass, hat eine Rückzugstendenz, ist müde und legt sich wirklich hin, fiebert über 39,5 oder klagt über Schmerzen. „Das muss man bei Kindern immer ernst nehmen, denn dann könnte es z.B. eine Mittelohrentzündung sein", erklärt Dr. Maiwald.


In den meisten Fällen liegt den kindlichen Erkältungen eine virale Infektion zu Grunde - erkennbar am typischen Verlauf, dass sie „drei Tage kommen, drei Tage da sind und drei Tage gehen". Das dauert eben seine Zeit (wie ja beim Erwachsenen auch). Maiwald: „Mit ein bis eineinhalb Wochen ist zu rechnen"


Verflixte Virenvielfalt

Problematisch nur, dass es derart viele Viren gibt: Kaum hat man einen überstanden, kann es sein, dass das Kind ein, zwei Wochen gesund ist, wieder in den Kindergarten geht und prompt den nächsten Virus abbekommt... Ein Teufelskreis, der allen Eltern von Zwei- bis Vierjährigen nur allzu bekannt ist.


Und nicht nur Viren, auch Bakterien werden im Kindergarten übertragen, vorwiegend aerogen, aber ebenso über Schmierinfektion. Wobei der Verlauf einer bakteriellen Infektion im Regelfall wesentlich heftiger ausfällt. „Viel fieberhafter", sagt Maiwald, „Die Kinder schauen auch schlechter aus." Bakterien machen ein deutlich stärkeres Krankheitsbild, sie zerfallen, erzeugen Fieberschübe. Bei Babys muss man da besonders aufpassen, denn aerogene Ansteckung kann überall erfolgen, wo sich eine Menge Menschen in einem Raum aufhält. So z.B. in Einkaufszentren.
Maiwald: „Es gibt viele Ärzte, die sagen, vor allem Eltern von Neugeborenen sollen NICHT in Einkaufszentren gehen: viele Leute, viele lachen, viele husten..."


Vorsicht bei Neugeborenen

Hat sich ein Neugeborenes infiziert, muss schnell gehandelt werden. Babys sollten nämlich bis zum Alter von 4 Monaten überhaupt nicht fiebern. Falls das Thermometer doch über 39 Grad klettert, dann unbedingt ins Spital gehen! Da können durchwegs schwere Erkrankungen dahinter stecken, deren Gefahrenpotential sich schon allein dadurch erhöht, dass erkältete Babys sehr schnell zu trinken aufhören. Schleim behindert die Atmung. Das Baby bekommt keine Luft und in Folge Trinkbehinderungen.


Auch können Babys den Schleim tatsächlich nicht ausspucken, sodass er sich oft mit Milch zusammen zu einer klebrigen Masse vermischt, die dann erbrochen wird. „Jedes Baby, das erbricht, ist wirklich jämmerlich", weiß Maiwald. Und es beunruhigt natürlich die Eltern massiv. Da bleibt nur eines: Professionelle Hilfe suchen und sich als Trost vor Augen halten, dass ein Infekt stets auch Training für die Abwehrkräfte bedeutet und so hilft ein kräftiges Immunsystem zu entwickeln.

 

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