Ergibt eine Ehe rechtlich 2021 noch Sinn?

Immer mehr junge Menschen entscheiden sich gegen die Rechte und Pflichten der Ehe. Doch welche Alternativen gibt es, damit man rechtlich abgesichert ist und mit welchen Vor- und Nachteilen kommen diese? Rechtsanwältin Dr. Kristina Venturini ist spezialisiert auf Familienrecht und klärt auf, warum auch 2021 die Ehe noch die sicherste Möglichkeit ist.

Macht eine Ehe rechtlich 2021 noch Sinn?

WIENERIN: Was sind Alternativen zur Eheschließung?

Dr. Kristina Venturini: Einerseits gibt es natürlich die Lebensgemeinschaft. Da ist rein rechtlich die schwächste Verbindung. Eine Lebensgemeinschaft besteht wenn man eine Sexualgemeinschaft und eine Wirtschaftsgemeinschaft gemeinsam hat, man muss dafür nicht zwingend zusammenleben. Die Lebensgemeinschaft geht mit wenigen Pflichten einher, allerdings auch mit wenigen Rechten.

Mir ist wichtig anzumerken: Wenn man die Kosten teilt, ist es klug diese 50 / 50 zu teilen. Wenn zum Beispiel vereinbart wird, dass ein*e Partner*in die gesamten Kosten wie Strom, Lebensmittel und Urlaube bezahlt und die zweite Person Möbel kauft, dann kann das unfair enden. Denn die Person mit den Möbeln ist nicht gezwungen, die andere Person zu entschädigen, kann die Möbel, die ja ihr gehören, mitnehmen und die*der andere bleibt auf den Kosten sitzen.

Ich warne davor, in dieser Konstellation Eigentum wie ein Haus oder Immobilien anzuschaffen, ohne einen Partnerschaftsvertrag aufzusetzen. Bei einer Trennung kann das kompliziert werden. Es ist außerdem wichtig, bei dem Bau- oder Umbau einer Immobilie genau zu dokumentieren, wer was bezahlt, die Ordner und Rechnungen aufzuheben. Nur so hat man in einem Streitfall Beweismittel.

Zu beachten ist auch, dass im Todesfall ein*e Lebensgefährte*in nicht erbberechtigt ist, außer dies ist so im Testament festgeschrieben. Ein weiterer Fall wäre, wenn es keine anderen Erben und kein Testament gibt, dann fällt das Erbe zusätzlich an den Lebensgefährten, wenn diese mindestens drei Jahre zusammen sind.

Seit Anfang 2019 können heterosexuelle Paare auch eine eingetragene Partnerschaft eingehen. Was sind die Vor- und Nachteile davon?

Bei einer eingetragenen Partnerschaft geht man wie bei der Schließung einer Ehe aufs Standesamt und versichert der Standesbeamt*in, dass man gewillt ist, sich zu binden. Anders als bei der Ehe sind aber keine Trauzeug*innen notwendig. Die Nachnamen kann man frei wählen, hier hat man alle Möglichkeiten wie bei der Ehe. Allerdings kann eine eingetragene Partnerschaft nur zwischen Volljährigen eingegangen werden, wobei bei der Ehe eine Ehemündigkeitserklärung für Personen ab 16 Jahren möglich ist.

Viele Punkte sind ähnlich wie bei der Ehe: Man ist bei der Kranken- und Pensionsversicherung der Partner*innen mitversichert. Außerdem ist man berechtigt auf Hinterbliebenen-Pension und der*die Partner*in wird bei der Arbeitslosenversicherung mitberücksichtigt.

Einige Unterschiede gibt es allerdings. Während in der Ehe die Treue-Pflicht besteht, gibt es in der eingetragenen Partnerschaft nur eine Vertrauens-Pflicht.

Ist es rechtlich heute noch notwendig zu heiraten, wenn man gemeinsame Kinder hat?

Rein rechtlich sind heute uneheliche Kinder und eheliche Kinder komplett gleichgestellt. Als Frau würde ich aber immer noch raten sich abzusichern, und zwar aus folgendem Grund: Wenn man zum Beispiel bei den Kindern zuhause bleibt oder Teilzeit arbeitet so hat der*die Partner*in in der Ehe die Verpflichtung für diese Zeit Unterhalt zu leisten. In einer Lebensgemeinschaft besteht diese Verpflichtung nicht. Besonders wenn man Kinder hat, muss man schauen, dass man abgesichert ist. Den Kindern und sich selbst zuliebe. Man hat Verantwortung. Sollte man aber nicht heiraten wollen, so würde ich auch hier einen Partnerschafts-Vertrag empfehlen, in dem man niederschreibt, welche Rechten und Pflichten beide Partner*innen haben. Beispielsweise die Frau bleibt bei den Kindern zuhause, dafür muss der Mann gewisse Kosten übernehmen und bei einer Trennung einen gewissen Betrag der Mutter übermitteln.

Außerdem gibt es einen Unterschied in Bezug auf das Sorgerecht: In einer Lebensgemeinschaft bekommen Mütter automatisch die alleinige Obsorge der Kinder, in der Ehe steht die Obsorge den Ehepartnern gemeinsame zu.

Worauf warten – der perfekte Zeitpunkt ist jetzt! Der 5. WIENERIN Gründerinnentag steht 2021 ganz im Zeichen von Innovation und neuem Mut. Was diesmal auch nicht zu kurz kommen darf: alles rund um die Themen Nachhaltigkeit, Green Investing und Green Founding. Immer im Mittelpunkt: der Anspruch, die ökonomische Selbstbestimmung von Frauen zu fördern.

Welche Rechte haben Ehe-Leute, die eingetragene Partnerschaften nicht haben?

Spannend ist, dass eine Verlobung quasi ein Vertrag ist. Wird dieser dann aufgelöst, so kann man Kosten, die man in dem Glauben zu heiraten getätigt hat, einfordern. Beispiele dafür sind Kosten für die Hochzeitsfeier, Hochzeitskleid, Flitterwochen, und so weiter.

Ein weiterer Unterschied wäre: In der Ehe herrscht bekanntlich die Treue-Pflicht. Wenn man sich gemeinsam für eine offene Ehe entscheidet, in der jede*r die Freiheit hat, andere Sexualpartner*innen zu haben, würde ich raten das als Notariatsakt aufzusetzen. So umgeht man die Gefahr, dass zu einem späteren Zeitpunkt Ehebruch vorgeworfen wird. Weil bei einer Scheidung muss man erst beweisen, dass der Sex außerhalb der Ehe einvernehmlich passiert ist.

Ein weiterer Unterschied ist, wenn ein Kind während der Ehe gezeugt wird, so wird der Ehemann automatisch als Vater eingetragen. Bei der eingetragenen Partnerschaft muss dies zuerst von dem Paar bestätigt werden.

Welche Form würden Sie rein rechtlich Frauen empfehlen?

Als Frau muss ich darüber nachdenken, wie ich am besten abgesichert bin, besonders wenn ich Kinder habe oder gemeinsam ein Haus baue oder Immobilien kaufe. Ich bin der Meinung, dass man entweder in einer Lebensgemeinschaft bleiben oder die Ehe eingehen sollte. In einer Lebensgemeinschaft sollte man aber auf jeden Fall auf einen Partnerschaftsvertrag setzen! Insgesamt denke ich mir: Wieso übernehme ich nicht alle Pflichten und bekomme dafür auch alle Rechte?

 

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