Erfahrungsbericht: "Mein Job ist nicht kinderleicht"

Eine Kindergartenpädagogin berichtet über schlechte Bezahlung und warum sie es nicht allen recht machen kann.

Haben Sie Kinder...?

Ja? Gut. Dann wissen Sie bestimmt auch, dass diese Kinder in den Kindergarten gehen. Wahrscheinlich sehr gerne. Sie gehen mit einem Lächeln hin und kommen abends mit einem Strahlen zurück. Sie singen Lieder oder sagen Reime plötzlich zu Hause vor. Sie sprechen von Freunden und Freundinnen. Sie bringen Zeichnungen oder Selbstgestaltetes mit nach Hause und erklären Ihnen die Welt. Der Kindergarten ist schon ein besonderer Ort. Voller Magie.

Ich selbst bin Kindergartenpädagogin und gehe ebenso mit einem Lächeln in den Kindergarten und komme mit einem Strahlen nach Hause. Ich liebe meinen Beruf. Es ist wunderbar. Es ist ein Privileg, Kinder auf ihrem Weg ins „Großwerden“ zu begleiten. Das ist der Grund, warum ich diesen Beruf gewählt habe.

"Ich versuche, über die Runden zu kommen"

Alles andere rundherum ist eine Belastung. Die Bezahlung. Ich versuche, jeden Monat über die Runden zu kommen und werde mit 28 Jahren noch immer von meinen Eltern finanziell unterstützt. 36 Stunden pro Woche für 25 Kinder verantwortlich sein. Ihre Geschichten sind oft erschreckend und mitten aus dem Leben. Sich ihnen zu widmen, funktioniert aber nur bedingt, da ich keine Zeit dafür habe.

Nach den derzeitigen Bildungsstandards arbeiten, Beobachtungen niederschreiben, Elterngespräche vorbereiten, Entwicklungsgespräche ausarbeiten – dabei kann ich nicht nach einem Schema arbeiten, es handelt sich um Menschen, die individuell sind und individuelle Päckchen zu tragen haben.

Eltern setzen Erwartungen an mich und an ihre Kinder – erfüllen wir sie nicht, wird gefordert, erwartet, verlangt. „Gebasteltes“ muss „schön“ aussehen. Aber ich möchte das nicht unterstützen. Ich nehme mir die Zeit. Ich nehme mir die Zeit, Eltern, Kollegen, Kolleginnen, Freunden, Verwandten zu erzählen, dass wir keine "Tanten" sind. Dass wir es nicht „Recht“ machen möchten. Ich möchte schließlich Charaktere begleiten - nicht Schablonen und Kopien der Gesellschaft.

 

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