Equal Pay Day: Frauen in Österreich haben bis heute gratis gearbeitet

Die Lohnschere zwischen den Geschlechtern ist in Österreich nach wie vor groß. Zwar ist der Equal Pay Day im Vergleich zum Vorjahr ein paar Tage nach vorne gerückt, doch "die strukturelle Ungleichheit ist geblieben", so Frauenring-Vorsitzende Klaudia Frieben.

Equal Pay Day: Bis heute haben Frauen in Österreich gratis gearbeitet

Dass in der österreichischen Berufswelt nach wie vor keine völlige Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern besteht, beweist der Equal Pay Day. Dieser wird jährlich vom Frauennetzwerk Business and Professional Women (BPW) begangen, um die Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern deutlich zu machen. Er stellt somit symbolisch jenen Tag dar, ab dem Frauen wieder für ihre geleistete Lohnarbeit bezahlt werden. Anhand der Berechnungen des BPW zeigt sich: Frauen arbeiteten heuer im Schnitt 46 Tage umsonst. Am höchsten sind die Gehaltsunterschiede in Vorarlberg, am geringsten in Wien, wo es mehr Kinderbetreuungsmöglichkeiten gibt.

Kleine Verbesserung, aber ...

Im vergangenen Jahr fiel der Equal Pay Day noch auf den 21. Februar. Insofern ist der Einkommensunterschied gesunken - jedoch nur "statistisch gesehen", wie Klaudia Frieben, Vorsitzende des Österreichischen Frauenrings bei einer Pressekonferenz am Montag erklärt. "Die strukturelle Ungleichheit ist geblieben", so Frieben.

Berechnet werden für die Equal Pay Day-Statistik nur die Einkommensunterschiede von jenen Menschen, die Vollzeit arbeiten. Das Ergebnis: ein Pay Gap von 12,7 Prozent zwischen Männern und Frauen.

Diese Berechnung verzerrt das Bild allerdings stark, weil vor allem Frauen oft in Teilzeit arbeiten. Die Lohnschere sei in Wahrheit viel größer und liege daher bei 36 Prozent, wie moment.at berichtet. Der tatsächliche Equal Pay Day 2022 fiele damit erst auf den 10. Mai 2022.

Auswirkungen der Coronapandemie

Die Verkleinerung der Einkommensschere sei vor allem auch auf die COVID-bedingten Entwicklungen am Arbeitsmarkt zurückzuführen und nicht dadurch zustande gekommen, weil Frauen so viel mehr als Männer verdient hätten, so Klaudia Frieben. "Gerade dieses Jahr hat ganz deutlich gezeigt, dass es im Leben von Frauen massive Defizite gibt".

Aufgrund der Coronapandemie sei die Zahl der ganzjährig Vollzeitbeschäftigten bei den Frauen um zwei Prozent und bei den Männern um 0,9 Prozent zurückgegangen, so Ökonomin und Expertin der Arbeiterkammer Wien, Dr.in Katharina Mader. Insbesondere schlechter bezahlte und gering qualifizierte Frauen seien weggefallen, besser qualifizierte und bezahlte Frauen blieben in der Statistik. Männer seien durch Corona stärker von der Kurzarbeit betroffen gewesen, ihre Durchschnittslöhne seien geringer ausgefallen.

Mader ergänzt: "Krisen haben immer auch rein statistische Auswirkungen, so verringern sie zwar den Einkommensunterschied zwischen den Geschlechtern, an den strukturellen Benachteiligungen für Frauen und damit am eigentlichen Problem hat sich aber nichts geändert".

Es gibt zwei Equal Pay Days

Wer sich über den "frühen" Termin des Equal Pay Day wundert: In Österreich werden zwei Tage der Lohngerechtigkeit begangen, welche auf unterschiedliche Berechnungsmethoden zurückzuführen sind. Neben dem Frühjahrstermin gibt es zusätzlich einen Equal Pay Day im Herbst – in diesem Fall wird vom Jahresende "zurückgerechnet": Es wird also der Tag berechnet, ab dem Frauen gratis arbeiten.

Gründe für Einkommensunterschiede sind vielfältig

Equal-Pay-Expertin und stv. Vorsitzende des Frauenringes, Mag.a Christa Kirchmair, erläutert, warum es überhaupt zu so großen Gehaltsunterschieden kommt: "Einkommensunterschiede haben ihre Wurzeln sowohl auf betrieblicher als auch auf gesellschaftlicher Ebene, dazu zählen etwa die unterschiedliche Bewertung von Arbeit in verschiedenen Branchen, die Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit, aber auch die noch immer vorhandene 'Gläserne Decke'. Sie gehört endlich durchbrochen, was dann auch heißt, dass Frauen die gleichen Karrieren im Unternehmen wie Männer haben müssen". Hier brauche es laut Kirchmair gezielte Frauenförderpläne und die Beseitigung innerbetrieblicher Stereotypen und Diskriminierungen.

"Wir brauchen Taten statt ständiger Lippenbekenntnisse"

Dass man in Sachen Einkommensgerechtigkeit hierzulande nur schleppend vorankomme, läge laut Frieben am fehlenden Engagement der österreichischen Politik: "Jedes Jahr müssen wir daran erinnern, dass Frauen das gleiche Recht haben, für die gleiche Leistung auch gleich bezahlt zu werden. Jedes Jahr ändert sich kaum etwas, um endlich Einkommensgerechtigkeit zu erreichen! Diese Ungerechtigkeit muss endlich ein Ende haben. Wir brauchen Taten statt ständiger Lippenbekenntnisse".

Was wäre nötig, um die Einkommensschere in Österreich zu schließen und strukturelle Benachteiligungen zu beseitigen? Laut dem Österreichischen Frauenring:

  • die Weiterentwicklung der Einkommensberichte und die Einführung eines Lohntransparenzgesetzes
  • Maßnahmen zum Durchbrechen der Gläsernen Decke, wie z.B. verbindliche Frauenförderpläne
  • Sanktionen für Betriebe bei echter Einkommensdiskriminierung
  • Angabe des zugehörigen Kollektivvertrages in Stellenausschreibungen
  • Neubewertung der Arbeit
  • Rechtsanspruch auf ganztägige Kinderbetreuung ab dem 1. Lebensjahr und Ausbau der Ganztagsschulen.
 

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