Endlich Nein sagen lernen

Viele Menschen trauen sich nicht, einem Freund oder Kollegen eine Bitte abzuschlagen. Warum wir unsere eigenen Bedürfnisse viel zu oft zurückstellen und wie wir es schaffen, aus dem ewigen "Ja"-Sagen auszubrechen.

Kaum ein anderes Wort kommt manchen Menschen schwerer über die Lippen als ein „Nein“. Mit fester Stimme ausgesprochen, setzt es Grenzen, bricht mit Erwartungen und ist oftmals alles andere als gefällig – das klingt stressig. Also greifen viele lieber zum einfachen „Ja“ und ärgern sich im Nachhinein über die Konsequenzen: Schon wieder für den Kollegen eingesprungen, wo man sich doch selbst auf den freien Abend gefreut hat. Für den Umzug der Freunde das ganze Wochenende verbraucht, wo man die Erholung wirklich gut gebraucht hätte. Einen Kompromiss in der Beziehung eingegangen und die eigenen Bedürfnisse – mal wieder – hintan gestellt.


Der einfachere Weg?

Die Gründe dafür: Viele lernen schon in der Kindheit, jenen Weg zu wählen, der die wenigsten Probleme mit sich bringt – auch wenn das heißt, sich den Wünschen und Bedürfnissen anderer anzupassen. Im Erwachsenenalter lässt sich diese Verhaltensweise nur schwer wieder loswerden. Hinzu kommt geringes Selbstwertgefühl: Denn wer sich selbst wertschätzt, drückt dieses Gefühl durch das bewusste Setzen von persönlichen Grenzen aus.

Die Angst, jemanden zu verletzen oder zu enttäuschen, ist also größer als jene, die eigenen Bedürfnisse zu vergessen und darüber auszubrennen.

7 Wege, die eigenen Grenzen abzustecken

1. Denken Sie daran, wozu Sie „Nein“ sagen, wenn Sie „Ja“ sagen

Meistens geht es beim Aufzeigen der eigenen Grenzen darum, das Nein Sagen zu lernen und sich damit wohlzufühlen. Manchmal hilft es, sich vor Augen zu führen, was man verpasst, wenn man der Bitte Ihres Gegenübers zustimmt: Ein Abendessen mit der besten Freundin? Schon wieder eine Yoga-Stunde? Einen Abend mit Zeit ganz für Sie allein?

2. Nehmen Sie sich Zeit für Ihr „Nein“

Es steht Ihnen zu, sich Ihre Antwort auf eine Bitte, deren Erfüllung Sie viel Zeit und Energie kostet, gut zu überlegen. Sobald Sie sich gestresst und genötigt fühlen, sofort zu antworten, nehmen Sie sich raus. Eine kurze Pause kostet weniger Energie, als vorschnell zu bejahen und hinterher zurückzurudern. Ein höfliches „Lass mich kurz darüber nachdenken“ gegenüber Freunden oder „Ich kläre kurz ein paar Faktoren und gebe Ihnen in der nächsten Stunde Bescheid“ im Job wirken überlegt und werden vom Gegenüber in den meisten Fällen ohne Murren akzeptiert.

3. Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl

Wenn Sie sich auf eine Bitte hin beleidigt oder gar verärgert fühlen, bedeutet das oftmals, dass wir uns durch sie nicht geschätzt oder sogar benutzt fühlen. Wenn wi­r unsere persönlichen Grenzen nicht respektiert sehen, fühlen wir uns schon im ersten Moment unwohl. Wer sich also seiner Gefühle bewusst ist und versucht, auf sie zu hören, lässt sich weniger oft auf unangenehme Gefälligkeiten ein.

4. Erlauben Sie sich selbst, „Nein“ zu sagen

Grenzen sind ein Zeichen des Respekts sich selbst gegenüber und brauchen keine Rechtfertigung.

5. Fangen Sie klein an

Experten raten dazu, sich zu überlegen und bei Bedarf auch schriftlich festzuhalten, in welchem Gebiet Ihres Lebens Sie klarere Grenzen setzen möchten: bei bestimmten Freunden, im Job, bei Verwandten. Dann wählen Sie für sich eine Grenze und nehmen sich vor, sie in der kommenden Woche durchzusetzen. Denn Nein Sagen kann man trainieren wie einen Muskel – je öfter wir es tun, desto weniger Angst haben wir davor und desto leichter wird es.

6. Untersuchen Sie, warum Sie so oft Ja sagen

Warum glauben Sie, in bestimmten Situationen Ja sagen zu müssen? Die meisten Menschen haben Angst davor, vom Partner oder von Freunden nicht mehr gemocht zu werden, wenn man eine Bitte ablehnt. Machen Sie sich klar, dass deren Meinung über Sie nicht von einem einzigen „Nein“ abhängt.

7. Machen Sie Ihre Grenzen klar

Damit andere Ihre Grenzen respektieren können, müssen Sie sie klar kommunizieren – und davor müssen Sie auch keine Angst haben. Bleiben Sie höflich und ruhig, dann wird auch Ihr Gegenüber so reagieren.

Seine eigenen, gesunden Grenzen abzustecken ist für viele Menschen keine leichte Übung. Zu groß ist oft die Angst davor, andere zu enttäuschen. Der erste Schritt, um aus alten Mustern auszubrechen, ist aber wie so oft die Erkenntnis, dass etwas falsch läuft. Und wer den geschafft hat, kann nach und nach seine Lebensqualität steigern.

 

Aktuell