"Endlich habe ich begriffen: Glücklichsein ist kein bestimmtes Körpergewicht"

Mit Bikini an den Strand? Für Jasmin jahrelang eine Horrorvorstellung. Dafür wäre sie viel zu dick, dachte sie. Heute akzeptiert sie ihren Körper wie er ist und ermutigt andere auf Social Media, das Gleiche zu tun.

3 Frauen haben Spaß am Strand

Es ist heiß, der Schweiß quillt uns aus allen Poren und eigentlich wollen wir uns die meiste Zeit nur die Kleider vom Leib reißen. Was tun? Bikini schnappen und ab ins Freibad natürlich! – ganz so einfach ist das allerdings nicht für alle. Wer nicht gerade dem von unserer Gesellschaft gewünschten "Schönheitsideal" entspricht und keinen in TV-Werbungen oder Instagram-Postings angepriesenen "Bikini Body" hat, fühlt sich mit wenig Stoff am Körper oftmals nicht so wohl.

Auch für Jasmin (@real_better_me) waren Strandbesuche und Bikinis lange Zeit der pure Horror. Mittlerweile hat sie gelernt, sich selbst und ihren Körper so anzunehmen, wie er ist und kann in Bauchfrei-Tops und knappen Shorts sagen: "Ich trag‘ das jetzt so!". Leicht war der Weg dorthin aber nicht.

"Es hat bereits in der Volksschule begonnen"

Schon in ihrer Kindheit empfand Jasmin ihren Körper als Belastung: "Es hat bereits in der Volksschule begonnen. ich war nicht unbedingt dick, aber hatte einfach eine andere Figur als die meisten Mädchen, die alle zierlich und klein waren. Ich war stämmiger, groß gebaut und bin dementsprechend aufgefallen, womit ich mich gar nicht wohlgefühlt habe. Hin und wieder wurde ich auch wegen meiner Figur gehänselt. Das hat mich viel beschäftigt und ich habe in dieser Zeit oft geweint. Das Ganze hat sich dann ins Teenageralter weitergetragen".

Volleyball Spielen? Nur in langer Hose

Jahrelang sehnte sich die heute 34-Jährige danach, so unbekümmert durchs Leben gehen zu können wie die Mädchen in ihrem Umfeld: "In der Schulzeit habe ich mir oft gewünscht, mich in der Öffentlichkeit so sorglos bewegen zu können, wie meine Freundinnen. Lange Zeit konnte ich nicht das Haus verlassen, ohne, dass mir Gedanken durch den Kopf schwirrten wie: 'Alle werden mich anschauen', 'Alle werden denken, die ist viel zu dick'. Das kam wohl daher, dass es eben ein bestimmtes Körperbild gibt, das allgemein als 'schön' oder 'normal' gesehen wird. Quasi: 'So hat eine junge Frau auszuschauen'. Dass es in Wahrheit unzählige verschiedene Varianten gibt, hat man vor allem vor einigen Jahren noch überhaupt nicht mitbekommen."

Sich freizügig zu kleiden, war für Jasmin viele Jahre unvorstellbar, weshalb sie fast immer nur lange Sachen trug - auch bei den heißesten Temperaturen: "Oft habe ich Kleider über Hosen getragen. Manchmal haben mich andere darauf angesprochen und gefragt, warum ich mich so komisch anziehe, aber ich hätte mich sonst einfach unwohl gefühlt. Auf der Maturareise war ich eine der wenigen, die einen Badeanzug und keinen Bikini trugen. Als ich vom Pool aufgestanden bin, habe ich mir sofort etwas übergezogen oder mich beim Volleyball spielen in praller Sonne mit langen Hosen gequält. Oft habe ich die anderen Schulkolleginnen beneidet, die Fotos im Bikini am Strand gemacht haben."

Es ist schade, dass ich so viel Zeit damit verbracht habe, mich zu verstecken.

von Jasmin

Selbstakzeptanz dauert

Dass sie mittlerweile auch kürzere Sachen tragen kann, ohne sich Gedanken zu machen, kam nicht von heute auf morgen. Jasmin fing an, sich intensiver mit dem Thema Body Positivity auseinanderzusetzen und lernte zu akzeptieren, dass man manches an sich nun mal nicht ändern kann und es total okay ist, wenn der Körper keinen bestimmten Normen und Idealbildern entspricht: "Es war ein langer Prozess und es hat gedauert, aber irgendwann habe ich endlich begriffen: Glücklichsein ist kein bestimmtes Körpergewicht. Ich wiege heute mehr als damals in Zeiten, wo ich mich viel schlechter und unsicherer gefühlt habe. Es ist wichtig, zu lernen, sich selbst so zu akzeptieren wie man ist und sich nicht vor sich selbst zu verstecken, sondern sich mit dem eigenen Körper auseinanderzusetzen."

Ein neues Lebensgefühl

Wenn Jasmin heute an den Strand geht, sind ihr Dellen am Po und Röllchen am Bauch egal: "Heute trage ich praktisch alles: Bikinis, figurbetonte Kleider, wo man auch Hüften oder Bauch sieht – das hätte ich früher nie gemacht! Ich kann mich einfach an den Strand setzen und bedecke mich nicht mehr extra, wenn ich mal aufstehe. Früher habe ich immer Strandkimonos und Tücher getragen. Jetzt gehe ich einfach im Bikini herum. Ich kann mir ein Eis kaufen, mich hinsetzen und mein Eis auch tatsächlich genießen, ohne dass ich mich sorge, dass Leute etwas denken wie 'Warum isst die Dicke da ein Eis?' Das ist schon ein anderes Lebensgefühl. Es ist schade, dass ich so viel Zeit damit verbracht habe, mich zu verstecken".

 

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