Endlich: Frauenärzt*innen dürfen Abtreibungspille "Mifegyne" verschreiben

Der Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen ist in Österreich leichter geworden. Fortan bekommen ungewollt Schwangere die Tablette für einen medikamentösen Schwangerschaftsabbruch auch bei Gynäkolog*innen.

Medikamentöse Schwangerschaftsabbrüche bei der Frauenärztin

Eine Änderung im Zulassungsbescheid des Medikaments "Mifegyne" macht nun möglich, was Feminist*innen und Frauenorganisationen seit langem fordern: Frauenärzt*innen ist es nun möglich, die Tablette für einen medikamentösen Schwangerschaftsabbruch zu verschreiben. Die Alternative zum chirurgischen Schwangerschaftsabbruch gilt als eine der sichersten Methoden, durfte bislang aber nur in Krankenanstalten und in Ambulatorien, die zur Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen berechtigt sind, abgegeben werden. "Das widerspricht der medizinischen Praxis in vielen Ländern. Und bedeutet zudem für Frauen, die im ländlichen Raum leben, eine mühsame lange Anfahrt in einer ohnehin belastenden Situation", erklärt Meri Disoski, Frauensprecherin der Grünen in einer Aussendung.

Durch die Fristenregelung sind Abbrüche in Österreich zwar straffrei, der Zugang zu einem sicheren Abbruch ist aber vor allem in den Bundesländern oft schwierig. In Vorarlberg und Tirol führt jeweils nur ein Arzt Abbrüche durch. Wird er krank, gab es keine Vertretung im Umkreis von hundert Kilometern. In den übrigen Ländern sah es nicht viel besser aus, einzig in Wien war der Zugang leichter. Das ändert sich nun. Niedergelassene Gynäkolog*innen können die Tablette verschreiben, die Patient*innen erhalten das Medikament ganz normal in der Apotheke. "Dieser vereinfachte Zugang zur Mifegyne ist ein Meilenstein für die Gesundheitsversorgung und für die Selbstbestimmung von Frauen in Österreich. Mit der neuen Regelung kommen wir dem bundesweiten, niederschwelligen und leistbaren Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen, wie wir Grüne ihn seit Jahren befürworten, einen großen Schritt näher. Ich freue mich sehr, dass Österreich in dieser Frage nun endlich zu den progressiveren Ländern Europas aufschließt“, so Disoski.

Kostenübernahme von Schwangerschaftsabbrüchen: Frauen müssen immer noch selbst bezahlen

Das Wiener Ambulatorium Gynmed hat die Mifegyne vor mehr als 20 Jahren, im Januar 1999, in Österreich eingeführt. Im Jahr 2000 wurde das Medikament von der damaligen Großkoalition aus SPÖ und ÖVP offiziell für Krankenanstalten zugelassen. Der Gynäkologie und Gynmed-Leiter DDr. Christian Fialabegrüßt die ausgeweitete Zulassung in einer Presseaussendung, fordert in diesem Zusammenhang aber erneut die Kostenübernahme für Schwangerschaftsabbrüche. In anderen Ländern Europas sei das längst Standard - selbst in Irland, wo der Abbruch erst letztes Jahr legalisiert wurde. Nur durch eine Kostenübernahme sei eine qualitätsgesicherte medizinische Betreuung der ungewollt Schwangeren mit Beratungsgespräch, Ultraschall und Nachbetreuung gewährleistet. "Das ist auch deswegen wichtig, weil für Frauen, die bereits Kinder haben, die Kosten oft eine große Hürde darstellen. Die fehlende Kostenübernahme ist nicht nur sozial ungerecht, sondern schafft auch gesellschaftspolitische Verwerfungen," kritisiert Fiala.

Schwangerschaftsabbrüche immer noch Strafgesetzbuch verankert

Schwangerschaftssabbrüche sind in Österreich im Strafgesetzbuch geregelt und damit zwar grundsätzlich strafbar, aber seit Inkrafttretens des Gesetzes am 1.1.1975 unter bestimmten Voraussetzungen straffrei. Die Fristenregelung ($97 StGB) ermöglicht so Abbrüche innerhalb der ersten drei Monate nach Beginn der Schwangerschaft und nach vorhergehender ärztlicher Beratung. Abbrüche sind außerdem straffrei, wenn eine Gefahr für das Leben oder die körperliche und geistige Gesundheit der Schwangeren besteht oder eine ernste Gefahr besteht, dass das Kind geistig oder körperlich schwer geschädigt wäre.

Feminist*innen und Organisationen wie etwa der Österreichische Frauenring kritisieren das Gesetz schon seit Jahren als sogenanntes totes Recht ohne positive Wirkung und fordern die Streichung der Regelung aus dem Strafgesetzbuch und fordern stattdessen eine grundsätzliche Verankerung des Selbstbestimmungsrechtes im Verfassungsrecht.

 

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