Emma Thompson: Schreckliche Anforderungen an Körperformen machen Nacktszene zur Herausforderung

Mit 62 Jahren stand Schauspielerin Emma Thompson nun das erste Mal nackt vor der Kamera und berichtet von großem Druck, den sie aufgrund der bestehenden Schönheitsideale empfand.

Emma Thompson - Nacktszene

Man muss zugeben, mit 62 Jahren ist Emma Thompson in Hollywood als erfolgreiche Schauspielerin reichlich spät dran, um ihre erste Nacktszene zu drehen. Viele weibliche Stars müssen sich dem schon viel früher stellen, was viel mit dem Male Gaze, Sex Sells und Schönheitsidealen zu tun hat und wenig damit, dass sie sich ausziehen möchten. Und das sind alles wichtige Themen, auf die wir jetzt nicht genauer eingehen werden (auch wenn es viel dazu zu sagen gäbe). Darüber reden wir vielleicht ein anderes Mal.

Die Schauspielerin, die man aus Tatsächlich Liebe, Cruella und Harry Potter kennt, hat sich nun für ihren neuen Film Good Luck to You, Leo Grande ausgezogen. Die sexpositive britische Produktion dreht sich um eine verwitwete Lehrerin, die einen männlichen Call-Boy engagiert um ihren ersten Orgasmus zu haben. Eine mutige Geschichte, die man so noch nicht gesehen hat.

Die zweifache Oscar-Gewinnerin spielt gemeinsam mit Daryl McCormack und erzählt bei einem Panel des Sundance Film Festivals: "Regisseurin Sophie Hyde, Daryl und ich probten völlig nackt und sprachen über unsere Körper, sprachen über unsere Beziehung zu unseren Körpern, zeichneten sie, sprachen über die Dinge, die wir an ihnen schwierig finden, über die Dinge, die wir an ihnen mögen, beschrieben den Körper des anderen."

Schreckliche Anforderungen

Dieses Herangehen sollte allen Beteiligten die Angst davor nehmen, nackt vor der Kamera zu stehen und das gelang auch – aber nur zum Teil. Denn Emma Thompson gibt an, dass es durchaus sehr schwierig und herausfordernd für sie war, sich in ihrem Alter vor der Kamera auszuziehen. Grund dafür seien die "schrecklichen Anforderungen, die an Frauen gestellt werden, um einem bestimmten Körpertyp zu entsprechen."

Und während man das Gefühl bekommt, dass sich die Schönheitsideale langsam ändern und anpassen, so sieht sie noch wenig Veränderung und würde sich wünschen, dass sich die Uhren schneller drehen: "An den furchtbaren Anforderungen, die in der realen Welt, aber auch in der Schauspielerei an Frauen gestellt werden, hat sich nichts geändert. Diese Sache, dünn sein zu müssen, ist immer noch dieselbe wie früher, und in mancher Hinsicht finde ich es sogar noch schlimmer."

Ungewohnte Körper

Trotzdem ist die Schauspielerin froh, dass sie nicht schon früher in der Situation war, eine Nacktszene drehen zu müssen. Sie glaubt, früher hätte sie es nicht geschafft: "Ich glaube nicht, dass ich das vor dem Alter, in dem ich jetzt bin, hätte machen können. Und doch ist es in meinem Alter natürlich eine große Herausforderung, denn wir sind es nicht gewohnt, unbehandelte Körper auf der Leinwand zu sehen."

Vielleicht sollten wir uns daran gewöhnen.

 

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