Ellen Pompeo über ihren Kampf für gerechte Bezahlung

Ellen Pompeo ist 'Meredith Grey' - und ganz offiziell die bestbezahlte Schauspielerin in einer Fernsehserie. In einem Interview spricht sie offen über Geld und ihren Kampf für gerechte Bezahlung.

Ellen Pompeo ist offiziell die bestbezahlte TV-Schauspielerin der Welt. 20 Millionen Dollar verdient die Darstellerin und Produzentin mit ihrer Arbeit in und um Grey's Anatomy. In einem Interview mit The Hollywood Reporter hielt sich Pompeo dazu nicht mit Floskeln auf - es ging knallhart um Geld, ihren Kampf um Einkommensgerechtigkeit und den Weg zu einem Gehaltscheck in einer Höhe, "die sie verdient".

"Ich bin jetzt 48 und endlich an einem Punkt, an dem ich mich wohl damit fühle, das zu verlangen, was ich auch verdiene. Das kommt mit dem Alter. Ich bin nicht die allerwichtigste Schauspielerin. So sieht das die Filmindustrie, weil ich diesen Charakter seit 14 Jahren spiele. Aber in Wahrheit kann so gut wie jeder in einer oder zwei Staffeln gut sein. Aber kannst du 14 Jahre später gut sein? Das ist verdammtes Können."

Ellen Pompeo hat keine Zeit für falsche Bescheidenheiten. 13 Jahre nach der Ausstrahlung der Pilotfolge von Grey's Anatomy ist sie eine von nur vier SchauspielerInnen der Originalbesetzung, die immer noch dabei sind. Das Medizin-Drama begeistert KritikerInnen schon lange nicht mehr so wie im ursprünglichen Ausmaß und Pompeo räumt auch ein, nicht unbedingt als erfolgreich zu gelten. Für die Fans sieht das ganz anders aus. Immer noch schauen sich fast 12 Millionen Menschen die Serie an, erst letzten Herbst war sie das zweitbeste Drama der Bestenliste des Senders ABC. Laut Pompeo habe Grey's Anatomy insgesamt fast 3 Milliarden Dollar Umsatz für den Inhaber Disney generiert.

Grey's Anatomy ohne Patrick Dempsey als Chance

Patrick Dempsey, Pompeos Serien-Ehemann und Neurochirurg Dr. Derek 'McDreamy Sheperd', musste die Serie 2015 verlassen. Produzentin Shonda Rhimes sprach von schwieriger Zusammenarbeit. Pompeo nennt Dempsey's Abgang einen "definierenden Moment, vertragstechnisch. Sie haben ihn jahrelang als Druckmittel verwendet - 'Wir brauchen dich nicht; wir haben Patrick'." Sie habe vorher lang versucht, mit Dempsey gemeinsam über die Gagen zu verhandeln. "Das hat ihn nicht interessiert. Einmal habe ich einfach aus Prinzip 5.000$ mehr verlangt als er bekommt. Weil es 'Grey's Anatomy' ist. Und ich bin Meredith Grey."

Funktioniert hat das nicht. "Ich hätte gehen können, also warum habe ich es nicht getan? Es ist meine Show; ich bin die Nummer 1. Ich habe mich gefühlt, wie sich viele andere Schauspielerinnen fühlen: Warum sollte ich eine großartige Rolle wegen eines Mannes aufgeben? Man ist unsicher, aber entschließt sich: Ich werde mich nicht von einem Mann aus meinem Heim drängen lassen."

Als Dempsey die Show schlussendlich verlässt, bleibt der erwartete Schock aus. "Also wie ist es, wenn er die Show verlässt? Zuerst sieht es danach aus, als würden die Quoten steigen und darüber musste ich schmunzeln."

Die Verantwortlichen hätten aber beinahe sofort nach männlichem Ersatz für Dempseys Rolle gesucht. "Ich konnte nicht glauben, wie schnell das Studio und der Sender das Gefühl hatten, einen Penis in die Sendung bekommen zu müssen."

Ellen Pompeo und Shonda Rhimes: Wenn Frauen Frauen unterstützen

Die Zusammenarbeit mit Shonda Rhimes habe Pompeo aber eine Grundlage für Selbstbewusstsein in ihrer Arbeit gegeben. "Als Shonda mächtiger geworden ist und diese Macht auch angenommen hat, hat sie mich damit empowered. Das hat ein bisschen gedauert, es war wie eine Evolution." Sie sei stets loyal gewesen, eine Eigenschaft, die Rhimes schätze. Jetzt ist Pompeo die am besten bezahlte TV-Schauspielerin, Produzentin ihrer eigenen Show und Co-Produzentin eines Spin-Offs. Ihre einflussreiche Position erlaubt es ihr auch, ihrer Tochter eine Botschaft der Gleichberechtigung mitzugeben

"Schauen Sie, ich habe nur eine 12jährige Schulausbildung und ich war keine gute Schülerin, aber hier in Shondaland habe ich eine Ausbildung bekommen. Und jetzt kann meine 8-jährige Tochter hierher kommen, wo leidenschaftliche Frauen das Sagen haben."

Wo das mit der Gerechtigkeit nicht klappt: Wahlberg bekam 1,5 Millionen Dollar, Williams lediglich 1.000 Dollar für das Drehen zusätzlicher Szenen für "All the Money in the World".

 

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