"Eine von fünf": Gewalt gegen Mädchen und Frauen steigt

Gewalt findet besonders oft in Beziehungen statt. Dabei gibt es in Österreich "gute Gesetze".

Die Zahl der Anzeigen wegen Gewalt gegen Frauen in Österreich steigt. Im vergangenen Jahr wurden in Österreich nach Angaben des Bundeskriminalamts 77 Frauen Opfer von Mord oder Mordversuch, 34 Frauen wurden ermordet. Heuer wurden bereits 32 Frauen ermordet. Mit diesen Zahlen liegt Österreich europaweit an der Spitze. Auch die Anzeigen wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs stiegen im Vorjahr auf knapp 1.300.

Gewalt passiert vor allem in der Familie

Ein großer Teil der Fälle passiert innerhalb der Familie: Laut Volksanwältin Gertrude Brinek wurden im vergangenen Jahr fast 19.000 Menschen Opfer familiärer Gewalt. Die Kriminalstatistik 2017 weist fast zwei Drittel aller 42.079 Anzeigen (62,8 Prozent) wegen Tötung, Körperverletzung, sexueller Übergriffe und Raub als Beziehungstaten aus.

Mehr Mut, gute Gesetze, wenig Bewusstsein

Frauen und Mädchen sind in Österreich zunehmend von Gewalt betroffen, die Zahl der Anzeigen steigt aber nicht nur deswegen. "Mehr Betroffene trauen sich. Sie haben den Mut, sich zu melden," sagt Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser.  Den eigenen Partner anzuzeigen sei ein enormer Schritt, der viel Kraft benötige. Opfer von Gewalt müssten darin noch besser unterstützt werden, auch mit schlichtem Wissen: Nur jede fünfte Frau weiß laut einer aktuellen Studie, an welche Einrichtungen sie sich im Fall einer Gewalttat wenden könne. Daher seien Bewusstseins- und Aufklärungskampagnen dringend notwendig.Österreich habe dazu zwar gute Gesetze, jedoch müssen diese auch „im Sinne des Opferschutzes angewandt werden“, so Rösslhumer.

Expertinnen fordern deshalb stärkere stärkeren Präventionsmaßnahmen im gesamten Bildungssystem, in Vereinen und auch in Bezirken bzw. Gemeinden. Außerdem müsse es mehr Anlaufstellen für Kinder und Jugendliche geben. Einrichtungen zum Opferschutz und zur Männerberatung sollen enger zusammenarbeiten. Nur, wenn alle Institutionen zusammenarbeiten, könne der Kreislauf der Gewalt durchbrochen werden.

Mit einer Ringvorlesung gegen häusliche Gewalt

Um das Thema für jeden fassbar zu machen, veranstalten die drei Expertinnen ab 26. November eine Ringvorlesung mit dem Titel „Eine von fünf“. Zu Wort kommen Vortragende aus verschiedenen Berufsfeldern. Damit möchten sie eine breite Öffentlichkeit zum Nachdenken und Handeln anregen.

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