Eine Liste all der Dinge, die du dieses Jahr verpasst hast und unbedingt nachholen solltest

... denn wozu sind fade Winterabende und Weihnachtsferien sonst da?

Es ist ja so: Das Jahr ist lang und die Popkultur floriert gerade. Ständig kommt irgendwas Neues und ab und zu (aber öfter als erwartet) ist es dann auch noch groundbreaking. Grundsätzlich ist das natürlich schön, aber let's face it: Man kann einfach nicht alles mitkriegen, will aber trotzdem überall mitreden. Und weil wir alle wissen, dass das wahr ist, haben wir hier den einzig wahren Jahresrückblick verfasst: Alles popkulturelle, was du heuer hättest konsumieren sollen, statt zum dreizehnten Mal 'Friends' zu rewatchen und die ewig gleiche Playlist aus deinen early Twenties auf repeat zu hören.

Ja, alles davon ist entweder von Frauen produziert oder dreht sich um Frauen und ihre Lebensrealitäten. Im besten Fall beides. Take that, Patriarchy!

FLEABAG

Phoebe Waller-Bridges Serie ist wahrscheinlich das beste, was in den letzten zehn Jahren (oder überhaupt jemals) im Serien-Universum produziert worden ist. 'Fleabag' geht ungeniert und vielleicht ein bisserl wankenden Schrittes dahin, wo es weh tut. Nichts zum Berieseln lassen, sondern zum Sich-ertappt- und Mitfühlen. Weil es uns allen oft schwer fällt, diese innere Leere zu übertünchen und nicht an den eigenen Komplexen zu Grunde zu gehen. Es geht um Trauer und Schuld, um Liebe und Sex, das Patriarchat und die Unzulänglichkeiten aller Menschen in deiner Umgebung. Ach, und lustig ist es halt auch noch.

RUSSIAN DOLL

Minor Spoiler: Natasha Lyonne stirbt hier. Und stirbt. Und stirbt. Und stirbt. So schön waren Zeitschleifen-Komödien nicht mal mit Bill Murray und Murmeltieren. Russian Doll ist aber nicht nur schwarzer Humor mit einer Prise Drama, sondern hat (wie alles, was heutzutage gut ist) richtig viel Subtext. Es geht um Drogenkonsum, Abhängigkeiten, den Umgang mit Suchterkrankungen und ihre Auswirkungen - auf eine*n selbst, auf die Liebsten und auf die Gesellschaft. Plus: Der Soundtrack ist wirklich gut und es gibt den besten "No-Context"-Account im ganzen Internet. (Dazu gibt es keine Studien, aber es ist wohl trotzdem wahr.)

WHEN THEY SEE US

Die Miniserie erzählt eine wahre Geschichte über Rassismus und Gewalt gegen Frauen. Die 28 Jahre alte Trisha Meili wird 1989 im Central Park vergewaltigt. Fünf latein- und afroamerikanische Jugendliche zwischen 14 und 16 werden beschuldigt und verurteilt - zu Unrecht, auf Basis erzwungener Geständnisse und trotz fehlender Beweise. Es ist eine Geschichte, die heute so relevant ist, wie sie es vor 30 Jahren war - und für die es immer noch keine Lösungsansätze in unserer Gesellschaft gibt.

DIE LETZTEN TAGE DES PATRIARCHARTS

Okay, okay, Margarete Stokowski hat die letzten Tage des Patriarchats schon mit Bucherscheinung im September 2018 ausgerufen. Leider hat sich das Patriarchat inzwischen noch nicht geschlichen, die gesammelten Stokowski-Kolumnen trösten über diese Wartezeit aber zumindest ein bisserl hinweg. Und vielleicht wird's ja 2020 was mit dem Ende des Patriarchats.

THE TESTAMENTS

Dass Margaret Atwood nicht auf der Must-Read-Liste jeder Schulklasse steht, ist ein nicht verzeihbares Versäumnis. Man kann das ausgleichen, indem man sowohl "The Handmaids' Tale" als auch die 2019 und somit um 34 Jahre später erschienene Fortsetzung "The Testaments" liest. Und darüber nachdenkt. Und sich ein bisschen unwohl fühlt, weil too close to home. Und dieses Gefühl nicht vergisst, weil es die Grundlage für Veränderung ist. Und so.

CONVERSATIONS WITH FRIENDS und NORMAL PEOPLE

Die Kritik zum Zweitling der irischen Autorin Sally Rooney im Schweizer "Tagesanzeiger" hat im deutschsprachigen Raum einen Hashtag inspiriert. #dichterdran zeigt, wie es ausschauen würd', wenn wir über Autoren so sprechen würden, wie Männer ganz normal über Autorinnen sprechen. Und wie jedes Experiment zu Alltagssexismus, das die Mann-Frau-Rollen einfach umdreht, ist auch hier das Ergebnis verstörend.

Rooneys Bücher aber sind, ganz abgesehen von der von Sexismus durchgezogenen Kritik mit Hinweisen auf Rehaugen und sinnliche Lippen, wirklich großartig. Für den "New Yorker" ist Rooney die erste große Millennial-Romancière. Es geht um Liebe, Spätkapitalismus und das inhärente Gefühl des Verlorenseins. Man kann es nur mögen.

"DARF SIE DAS?" von Nicole Schöndorfer

Jedes Land braucht viele laute, feministische Stimmen. In Österreich ist die Journalistin Nicole Schöndorfer eine davon. Seit dem Frühjahr 2019 kann man sie so laut es die Kopfhörer zulassen in ihrem Podcast "Darf sie das?" hören. Wir empfehlen: Voll aufdrehen. Kaum eine schafft es, komplexe Strukturen so einfach und zugänglich zu erklären.

"PAARDIOLOGIE" von Charlotte Roches und Martin Keß-Roches

Kinder, hier geht's um Beziehung in all ihren Facetten. Also auch um unguate und schwierige Sachen wie Affären und Abtreibungen und das Öffnen von Beziehungen. Die Roches bleiben dabei super authentisch und leben einen offenen Umgang mit Gefühlen vor. Und davon können wir uns alle ein Scheiberl abschneiden.

BILLY EILISH

In Österreich hören männliche Spotify-Nutzer keine Frauen. Außer, ja außer diese Frau heißt Billie Eilish. Die 17-Jährige revolutioniert nicht nur den Musikmarkt in jeder erdenklichen Weise, sondern hat auch noch eines der besten Alben der letzten Jahre geliefert. Wer "WHEN WE ALL FALL ASLEEP, WHERE DO WE GO" noch nicht auswendig mitsingen kann, der sollte das spätestens jetzt lernen. Zeitgeist und so.

LIZZO

... und wenn wir schon bei "den Musikmarkt revolutionieren" sind: Lizzo ist eine Schwarze Frau. Sie ist dick. Sie entspricht nicht dem Schönheitsideal, das uns diese Gesellschaft aufdrücken will. Zahlreiche Lurche kriegen deswegen Schnappatmung vor lauter Fatphobia, internalisierter Misogynie und Rassismen. Lizzo passt halt in keine Schublade und es ist ihr herrlichst scheißegal. Herst, ihr Insta-Handle ist @lizzobeeating! Und "CUZ I LOVE YOU" eines der besten Alben des Jahres. Hör es auf und ab und fühl dich besser.

 

Aktuell