Eine Bloggerin, die einem Polizisten Rassismus vorwirft, ist keine "Wut-Muslima"

Bei der Rückkehr aus dem Urlaub wird eine Gruppe muslimischer Frauen von einem Polizisten rassistisch beleidigt. Jetzt wehren sie sich.

"Willkommen zurück in Österreich! Willkommen zurück zum Rassismus", schreibt Asma Aiad auf Facebook. In einem Live-Video berichtet die Bloggerin am Samstagabend von einem rassistischen Vorfall am Wiener Flughafen.

Aiad und ihre Freundinnen kamen gerade aus dem Urlaub zurück. Bei der Passkontrolle soll ein Beamter eine der Frauen gefragt haben, woher sie komme. Auf ihre Antwort "Istanbul", soll er sie gefragt haben, ob sie "eh nicht zwangsverheiratet wurde". Als die Frauen daraufhin entsetzt den Kopf schüttelt, soll der Polizist die Äußerung als abgetan haben: "Das war ja nur ein Spaß.".Auf die Nachfrage eines Passagiers, der die Szene beobachtet hatte, worin denn dieser Spaß bestehe, soll der Beamte gesagt haben: "Was mischen Sie sich ein? Ich bestimme hier, was Spaß ist und was nicht. Sind sie ein Verwandter?"

Aiad ist empört, sie will den Vorfall nicht ignorieren. Sie möchte die Dienstnummer des Polizisten, bekommt sie aber erst, nachdem sie einen Kollegen des Beamten danach fragt. Das alles berichtet sie live vom Flughafen Wien-Schwechat.

Frauen, die Missstände aufzeigen, sind keine "Wut-Frauen"

Das Nachrichtenportal oe24.at berichtet über den Vorfall und bezeichnet Aiad im Titel als "Wut-Muslima" - und ist so in der Berichterstattung über einen rassistischen Vorfall nicht nur selbst rassistisch, sondern auch noch frauenverachtend. Der Rassismus, den die Frauen in ihrem Alltag erleben, wird nicht ernst genommen. Dabei ist das in Österreich Realität: Erst vor kurzem sorgte der Vorfall des Racial Profilings um den Rapper T-Ser, bei dem PolizistInnen eine Gruppe junger schwarzer Männer anscheinend aufgrund ihrer Hautfarbe kontrollierten. Von einem "Wut-Rapper" sprach oe24.at in diesem Fall nicht. Wenn aber Frauen, und hier vor allem Women of Color, auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam machen, werden sie oft als "aggressiv" oder "zu laut" abgetan. So werden ihre Anliegen ins Lächerliche gezogen. Mehr noch: Es wird Angst und Hass geschürt.

Auch die Journalistin Melisa Erkurt kritisiert die Wortwahl auf Twitter. Anders als bei dem oft gebräuchlichen "Wutbürger", das auf jeden zutreffen könne, würde bei "Wut-Muslima" etwas signalisiert werden.

In den Kommentaren unter Aiads Video zeigen die meisten aber Solidarität. Aiad hat angekündigt, den Polizisten wegen seiner rassistischen Äußerungen anzeigen zu wollen. Johann Baumschlager, Pressesprecher der Polizei Niederösterreich, bestätigt gegenüber dem Kurier, dass eine Frau Beschwerde gegen einen Polizisten erhoben hat. "Wir werden den Sachverhalt prüfen und den Beamten zu dem Vorfall befragen."

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