Eine anständige Frau macht das nicht

Wir alle haben Glaubenssätze abgespeichert, die uns davon abhalten unser volles sexuelles Potenzial auszuschöpfen, egoistisch zu sein, zu sagen was wir wollen und das Sexleben zu führen, das wir verdienen. Wie kriegen wir diese aus unserem System?

Eine anständige Frau macht das nicht

Hattet ihr schonmal Lust auf ein sexuelles Abenteuer oder Erlebnis und plötzlich ploppte in eurem Kopf der Satz auf: "Eine anständige Frau macht so etwas nicht"? Oder habt ihr das Gefühl, dass die Bedürfnisse eurer Partner*innen beim Sex wichtiger sind als eure?

Ist Sex für euch vorbei, wenn die andere Person gekommen ist, weil ihr nicht selbstsüchtig seid und so viel verlangen möchtet? Denkt ihr, ihr seid nicht genug, um geliebt zu werden? Habt ihr manchmal das Gefühl, Sex haben zu müssen, auch wenn ihr gar keine Lust habt, weil er*sie sonst geht und es eure Pflicht ist?

Einengend, abwertend und destruktiv

All das sind Beispiele von Glaubenssätzen, die vor allem uns Frauen über Jahrhunderte eingebläut wurden. Und wie ihr euch vorstellen könnt, behindern diese uns stark dabei, uns sexuell frei zu entfalten. Wir leben in einem System, das lange Zeit Angst hatte, dass die gesellschaftliche Balance zerstört wird, wenn Frauen lustvolle Wesen werden.

Sexual-Psychologin Nicole Siller weiß: "Es gibt ganz, ganz viele unterschiedliche Glaubenssätze, die Frauen verinnerlicht haben und viele davon sind sehr einengend, abwertend und destruktiv.“ All die Dinge, die wir nicht tun, weil wir glauben, sie gehören sich nicht. Sachen, die wir ausprobieren wollen, aber nicht ansprechen, weil sich das als Frau nicht gehört? Klingelt's?

Anders vorgestellt

Doch woran erkennt man, ob einen solche Glaubenssätze blockieren oder zurück halten? Nicole Siller weiß, dass das nicht so einfach ist, weil man über 80 % von dem, was man tut, unterbewusst macht. "Wenn man immer wieder an Grenzen stößt und nicht versteht warum, kann das daran liegen, dass einen solche Glaubenssätze zurückhalten. Ich habe zum Beispiel immer wieder Paare bei mir, die ein Kind bekommen haben und plötzlich der Mann keine Lust mehr für seine Frau empfindet. Er sieht seine Frau jetzt als Mutter und das deckt sich nicht mit seinem Glaubenssatz, dass er mit einer sexuell scharfen Frau schlafen will", so die Psychologin.

Ein weiterer guter Anhaltspunkt, um zu merken, ob man gerade von einem Glaubenssatz geführt wird, ist in sich reinzuhören und zu schauen, ob, was passiert, einem gerade guttut. Denkt man sich: Warum habe ich das gemacht obwohl ich es nicht wollte? Oder warum habe ich es nicht gemacht, obwohl ich es wollte?

Das glaube ich nicht mehr

Jetzt habe ich also erkannt, dass ich von Glaubenssätzen blockiert werde - was kann ich nun dagegen tun? Wie kann ich diese auflösen? Vor allem, wie soll das funktionieren, wenn ich ja so viel von dem was ich tue unterbewusst mache? Es ist nicht ganz einfach, aber Nicole Siller kennt ein paar Tricks: "Ich finde es immer super, wenn man versucht Glaubenssätze ins Gegenteil umzudrehen. Wenn mein Glaubenssatz zum Beispiel ist, dass ich sage, mit 56 bin ich zu alt, um einen Mann zu finden, muss ich diesen Satz aktiv in meinem Gehirn umkehren. Dabei probiere ich einfach ein paar Varianten aus und schaue, welche sich richtig anfühlt und welche Wirkung diese Gedanken haben. Plötzlich heißt der Satz dann vielleicht: Ich bin 56 und im besten Alter." Ein weiterer guter Trick ist es, mit Freund*innen zu sprechen. Insgesamt reden Frauen viel zu wenig über Sex, obwohl Nicole Siller in ihren Gesprächsgruppen bemerkt, was für ein großes Bedürfnis es dafür gibt.

Will ich das?

"Gute Freund*innen kennen einen und manchmal kann es helfen, ein kleines Spiel zu spielen. Jede*r sagt, was man am anderen besonders cool findet, an der Person mag und ihr wünscht. Solche Spiele können augenöffnend sein, weil Freund*innen nochmal einen ganz anderen Blick auf einen selbst haben", so die Psychologin.

Zusätzlich gibt es einen guten Satz, der hilft zu prüfen, ob man gerade in einer Situation ist, in der man sein möchte: Will ich das?

WILL ich das? Oder mache ich das, weil ich denke ich soll/muss?

Will ICH das? Oder ist das etwas, das für jemand anderen passt, aber für mich nicht das Richtige ist?

Will ich DAS? Gefällt mir, was gerade passiert oder hätte ich lieber etwas anderes und kann oder will es nicht sagen?

 

Aktuell