Eine Abtreibung zu Weihnachten? Spendenaktion für Schwangerschaftsabbrüche

Mit der Aktion soll auf die schwierige Situation vieler Frauen in Österreich und weltweit aufmerksam gemacht werden.

Protestschild: "Abortion is healthcare"

Der Wiener Gynäkologe Dr. Christian Fiala und der Verein für praxisnahe Philosophie laden am 17.12.2019 zu einem etwas ungewöhnlichen Benefizabend: Dabei sollen nämlich Spenden für Frauen gesammelt werden, die ungewollt schwanger wurden und sich eine Abtreibung selbst nicht leisten können.

Viel Luft nach oben

"Die Familienpolitik in Österreich orientiert sich an einer Ideologie, die den Frauen gegenüber zynisch bis bösartig ist“, erklärt Fiala gegenüber der Wiener Bezirkszeitung. Seit zehn Jahren ist er ärztlicher Leiter des GynMed-Ambulatoriums in Wien und auf die Beratung und Behandlung ungewollt schwanger gewordener Frauen spezialisiert. Für Fiala gebe es noch viel Raum für Verbesserung. Den Einfluss der Kirche, die rechtlichen Rahmenbedingungen für Schwangerschaftsabbrüche sowie die politische Realität in Österreich sieht der Arzt kritisch.

Situation in Österreich

Prinzipiell ist ein Schwangerschaftsabbruch in Österreich nach wie vor eine Straftat. Straffrei bleibt der Abbruch nur dann, wenn er innerhalb der ersten drei Monate nach Beratung durch eine*n Arzt*Ärztin durchgeführt wird (sog. "Fristenlösung“). Die Kosten für einen Schwangerschaftsabbruch müssen die Frauen in der Regel selbst tragen – sie werden nur von der Sozialversicherung übernommen, wenn der Abbruch aus medizinischen Gründen notwendig ist (Quelle: oesterreich.gv.at).

Schwangerschaftsabbruch für viele Frauen finanziell einfach nicht möglich

Philisophin Lisz Hirn, Obfrau des Vereins für praxisnahe Philosophie gegenüber derKleinen Zeitung: "Wir wollen aufzeigen, dass der Einschnitt von rund 600 Euro für viele Frauen eine finanzielle Überlebensfrage ist und stellen die Frage, ob nicht die Gesellschaft durch die Krankenkassen für einen Schwangerschaftsabbruch aufkommen sollte.“ Im Moment unterstützt die Stadt Wien ausschließlich Mindestsicherungsbezieherinnen mit Hauptwohnsitz in Wien finanziell bei ihrem Schwangerschaftsabbruch. Im Rest von Österreich gibt es derartige Hilfestellungen nicht. "Frauen brechen eine Schwangerschaft nicht ab, weil sie fahrlässig sind, sondern weil sie über ihren Körper frei bestimmen wollen oder weil ihre Situation es gerade nicht zulässt, etwa weil sie schon Kinder haben,“ erklärt die Philosophin weiter.

Ruheraum statt Galadinner

Für einen Benefizabend etwas untypisch, findet die Veranstaltung in einem der Ruheräume des Gynmed Ambulatoriums für Schwangerschaftsabbrüche in Mariahilf statt. Der Ort wurde ausgesucht, weil viele Menschen diese Räumlichkeiten nicht kennen oder Berührungsängste haben. Auch den Termin vor Weihnachten hat man bewusst gewählt: "Es ist ein Thema, das wir gerne verdrängen und bei dem wir uns nicht wohlfühlen“, erklärt Hirn. Gerade in der Weihnachtszeit soll auch dafür Platz sein.

 

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