Ein Youtuber zeigt, wie man Frauen "richtig" schlägt

Offen und ungeniert propagiert das Youtube-Video Gewalt gegen Frauen. Die Videoplattform Youtube reagierte nach einer Woche und schaltete Warnhinweise vor das Video - online darf es aber bleiben.

Youtube "Wie man Frauen schlägt"

"Bei manchen Frauen hilft es nicht, wenn man sie belehrt oder sie des Ehebettes verweist. Bei diesen Frauen helfen nur Schläge", erklärt Abdelaziz al-Khazraj al-Ansari in einem seiner jüngsten Videos. Der Youtuber zeigt, wie man gemäß religiöser Vorgaben seiner Ansicht nach Frauen "richtig" schlägt. Das demonstriert er auch gleich an einem Jungen. Frauen, so al-Ansari, müssten eben manchmal geschlagen werden, wenn sie durch Worte nicht belehrbar seien.

"Sie müssen spüren, dass du ein echter Mann bist", zitiert der "Spiegel" aus dem Clip. Durch die Schläge spüre die Ehefrau ihre eigene Weiblichkeit und die Männlichkeit ihres Partners. Schläge ins Gesicht seien aber verboten, so wolle es die Religion. Mehr als 67.000 Menschen haben das Video aufgerufen, auf Twitter haben sich 350.000 NutzerInnen einen Ausschnitt angeschaut.

Hass und Verschwörungstheorien

Abdelaziz al-Khazraj al-Ansari ist nach eigenen Angaben Doktor der Soziologie, Familienberater und Direktor eines Instituts für Eheberatung in Katar. Seit 2015 betreibt er seinen Youtube-Kanal Kanal "Al-Mujtama" ("Die Gesellschaft"). Dort spricht er über Religion, Politik und aktuelle Themen - und Tausende sehen ihm zu. Al-Ansari hat mehr als 84.000 Abonnenten, in jüngster Vergangenheit haben seine Videos zusätzlich weltweit für Aufregung gesorgt. Seine Inhalte sind geprägt von Misogynie, Homophobie und Antisemitismus. Ziele seines Hasses sind besonders LGBTQI-Personen, Menschen, die den Islam nicht oder nicht nach seinen Vorstellungen leben, und immer wieder: Frauen.

Wie der "Spiegel" berichtet, fordert al-Ansari Eltern auf, ihre Töchter zu gehorsamen Hausfrauen zu erziehen und mit Strenge zu verhindern, dass die Mädchen Atheistinnen werden und flüchten, wie es etwa Rahaf aus Saudi-Arabien unlängst tat (>>> die WIENERIN berichtete). In einem anderen aktuellen Video spricht al-Ansari über den rechtsextremen, rassistischen Terrorakt in Christchurch - seiner Ansicht nach eine jüdische Verschwörung, die MuslimInnen und ChristInnen gegeneinander aufspielen soll.

"Für einige Zielgruppen unangemessen"

NutzerInnen hinterlassen zahlreiche empörte Kommentare unter den Videos, viele davon stammen aus dem arabischen Raum. Etliche geben an, die Clips gemeldet zu haben. Bislang hat Youtube selbst aber noch kaum gehandelt. Lediglich vor dem Video, das "richtige" Gewalt an Frauen propagiert, werde mittlerweile ein Hinweis eingeblendet: "Der folgende Inhalt wurde von der YouTube-Community für einige Zielgruppen als unangemessen oder beleidigend eingestuft", steht da zu lesen. Bewertungen und Kommentare sind abgeschalten. Andere Clips des Kanals sind allerdings ohne Einschränkungen zu sehen - und auch durch Werbung monetarisiert.

YouTube's Bekenntnis zum Kampf gegen Hetze, Extremismus und Verschwörungstheorien bleibt so weiter dubios. Die Plattform setzt dabei weitestgehend auf die Verminderung der Sichtbarkeit, die genannten Warnhinweise und Demonitarisierung. Der Fall um al-Ansaris Kanal zeigt, wie diese Strategie ins Leere laufen kann.

Ehemalige und aktuelle MitarbeiterInnen erhoben zuletzt Vorwürfe gegen das Management und Geschäftsführerin Susan Wojcicki selbst: Man habe Warnungen hinsichtlich der zunehmen Verbreitung toxischer Videos ignoriert und stattdessen auf steigende Klickzahlen und Useraktivität gesetzt. Wojcicki habe sich keiner Diskussion gestellt und die Verantwortung von sich gewiesen. Eine Sprecherin hatte diese Darstellung zurückgewiesen.

 

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