Ein Urlaub bei Mitt

Hawaii versus Michigan: Würde man die Geburtsorte der beiden US-Präsidentschaftskandidaten als Wahlkriterium hernehmen, hätte der aktuelle "Mr. President" Barack Obama mit dem polynesischen Inselparadies eindeutig die Nase vorn, oder? Täuschen Sie sich besser nicht...

"Ich liebe Michigan, die Bäume hier haben die richtige Höhe", die - bestenfalls halbherzigen - Zuneigungsbekundungen zu seinem Geburtsstaat haben Mitt Romney schon viel Spott eingebracht. Große Heimatverbundenheit lässt sich dem ehemaligen Gouveneur von Massachusetts, der mit 19 Jahren sein Zuhause verlassen hat und heute in der Nähe von Boston lebt, jedenfalls nicht nachsagen. Dabei hat der "Motorstaat", wie Michigan als Zentrum der US-Automobilindustrie bezeichnet wird, mehr zu bieten als bloß Bäume "in der richtigen Höhe". Die US-AmerikanerInnen und KanadierInnen haben das Land an den Großen Seen schon längst als beliebte Urlaubsdestination entdeckt. Höchste Zeit, dass wir EuropäerInnen ihnen Glauben schenken.

Eine Tour durch Detroits Nachtleben lohnt sich.

Geboren 1947 hat der bekennende Mormone Mitt Romney seine Heimatstadt Detroit vermutlich noch ganz anders kennengelernt, als sich die "Wiege des Automobils" heute darstellt. Keine Frage, die US-amerikanische Fahrzeugindustrie mit Ford, General Motors und Chrysler ist noch immer präsent, die Automuseen einen Besuch wert. Doch mittlerweile weicht das Motorengeräusch vielerorts dem Sound der Musik: Nach wirtschaftlich schwierigen Jahren erfindet sich die Metropole im Südosten nämlich neu.

Detroit: Kreativ, Kulturell, Sportlich

Neben dem seit jeher berühmten Jazz- und Blues-Label "Motown"-Music entsteht eine neue kreative Szene in den Bars und Clubs; die alten Backsteinbauten in Downtown erstrahlen in neuem Glanz und das kürzlich erbaute Renaissance Center lockt Neugierige wieder in die Innenstadt. Die boomt genauso wie der Theater District, Greektown und das Cultural Center - Gegenden, die man mit der fahrerlosen Hochbahn, dem "Detroit People Mover", bequem erreichen kann. Auf dem Programm eines jeden Detroit-Besuchs sollten - neben den Automuseen versteht sich - auch das Institute of Arts oder das Charles H. Wright Museum of African-American History nicht fehlen. Sportbegeisterte sollten sich live-Spiele der heimischen Eishockey-Mannschaft Detroit Red Wings nicht entgehen lassen, schließlich heißt Detroit nicht umsonst "Hockeytown".

Einmal mit einer Pferdekutsche durch die Landschaft - auf der Insel Mackinac ist das normal.
Küste gibt es in Michigan fast überall.
Die Sleeping Bear Dunes prägen die Landschaft.
Wie wäre es mit einer Wanderung durch die Herbstwälder Michigans?
Der US-Bundesstaat Michigan (indian. großer See, Hauptstadt Lansing) ist als Geburtsort der Automobilindustrie bekannt. Auch "Great Lakes States" genannt hat er durch seine Lage an den Großen Seen (bestehend aus zwei großen Halbinseln) die längste Süßwasserküste in den USA.

Detroit am gleichnamigen Fluss ist mit etwa 715.000 Einwohnern die achtzehntgrößte Stadt und einzige Großstadt der USA, die Richtung Süden nach Kanada blickt. Als Zentrum der US-amerikanischen Automobilindustrie erhielt sie den Beinamen "Motor City".

Im Buch "1000 Places to see before you die. Buch + E-Book: Die neue Lebensliste für den Weltreisenden" stehen drei Stationen aus Michigan: Mackinac Insel, die Detroiter Automuseen und Isle Royale National Park.

Flüge:
Indirekte Flüge von Wien nach Detroit werden von Iberia, KLM, British Airways und Air France angeboten und kosten (je nach Saison) um die 640 Euro.

Tiefes Rot und leuchtendes Geld vermischt mit grünen und braunen Blättern: Gerade jetzt im "Indian Summer" ist sie wunderschön anzuschauen, die Gegend um die fünf Großen Seen. Neben den üppigen Wäldern bieten felsige Steinküsten, lange Sandstrände und mächtige Dünen ein schönes Kontrastprogramm für NaturliebhaberInnen. Begeistert sind nicht nur Taucher, Segler wie Wanderer und andere Outdoor-GenießerInnen heute von der unberührten Landschaft im "echten Mittelwesten" der USA. Schon die ersten Europäer im 17. Jahrhundert waren überwältigt von der Dimension der Großen Seen und beschrieben sie in ihren Aufzeichnungen als "Süßwassermeere".

Die dritte Küste der USA

Mit 5.000 Kilometern Seeufer und gleich vier von den fünf Großen Seen im Staatsgebiet, kann sich Michigan zurecht als Gewinner an der "dritten Küste" der USA behaupten. Übrigens nicht das einzige Wasser im Bundesstaat: Neben den Großen gibt es noch über 11.000 kleinere Seen.

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"1000 Places to see before you die. Die neue Lebensliste für den Weltreisenden": Die "Bibel" für Weltenbummler listet gleich drei Orte in Detroit auf, die man gesehen haben muss! Dass die Insel Mackinac (gesprochen: MAK-i-naw) darunter ist, wundert wenig. Wären nicht die Massen an TouristInnen, die mittlerweile unter anderem den gleichnamigen Nationalpark belagern, könnte man fast denken, in einer anderen Zeit gelandet zu sein.

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Früher berühmt als Sommerlager für die amerikanischen Ureinwohner, Zentrum des Pelzhandels und für das koloniale Fort, locken jetzt vor allem die viktorianischen Gebäude auf die Auto freie Insel. Einmal eine Runde mit einer Pferdekutsche drehen, ein obligates Foto des prunkvollen Grand Hotel schießen und dabei einen klebrigen Fudge kauen, dafür lohnt sich ein Ausflug schon. Dann, erst dann, hat man sich den Kosenamen der Einheimischen verdient, den sie für TouristInnen haben: "Fudgies".


Ein "Must-See" ist auch der Isle Royale National Park: Ein Nationalpark, wie er (nicht nur) im Buche steht. Wild, kliffig, ohne Straßen und völlig von der so genannten zivilisierten Welt abgetrennt. Genau diese Abgeschiedenheit des Parks, der aus einer großen und beinah 400 kleineren Inseln besteht, zieht die Menschen an. Nicht in Scharen, denn so viele wie in einem durchschnittlichen Sommer durch den Yosemite fahren, so viele kommen auf die Insel Royale das ganze Jahr über nicht.

Nicht nur für "echte Backpacker"

Die Meisten kommen mit der Fähre von Michigans oberer Halbinsel nach Rock Harbor auf der südöstlichen Küste. Dort befinden sich auch die einzigen Unterkünfte des Parks, "echte Backpacker" zieht es ohnehin eher auf die zahlreichen Campingplätze.

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Ein weiterer Nationalpark Michigans, den es sich anzuschauen lohnt, ist der Sleeping Bear Dunes Nationalpark. Wie so vieles im "echten Mittelwesten" erinnert sein Name an die indianischen Vorfahren: Der Legende nach stellt die Größte der Dünen eine schlafende Bärenmutter dar, deren zwei Jungen beim Versuch sie zu erreichen ertranken. Verloren sind die Kleinen dennoch nicht: sie haben ihre Spuren in den vorgelagerten Inselchen North und South Manitou Island verewigt.

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Dreizehn Wanderwege führen durch die endlosen Dünen, durch Schwindel erregende Klippen, klare Seen und unbewohnte Inseln. Vor allem aber auch durch dichte Wälder, deren bunte Laubbäume gerade jetzt im "Indian Summer" zum Verlieben sind.

Mitt Romney kann das sicher bestätigen...

 

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