Ein Recht auf Papamonat: Was sich für Familien ändert

Väter können sich künftig auch ohne die Zustimmung des/der ArbeitgeberIn einen "Papamonat" nehmen. Finanzielle Förderungen für die gemeinsame Frühkarenz gibt es weiterhin nur eingeschränkt.

Rechtsanspruch auf Papamonat

Es ist vollbracht: Im freien Spiel der Kräfte stimmte der Nationalrat am Dienstag für den Rechtsanspruch auf das Papamonat. Künftig haben also alle Väter das Recht auf vier Wochen Väterfrühkarenz.

ExpertInnen sind sich einig, dass der Papamonat Männern helfen kann, ihre Rolle als Väter gleichberechtigt wahrzunehmen. Und das ist durchaus notwendig. Etwa 86.000 Kinder kommen jährlich in Österreich zur Welt. Vorwiegend werden sie in ihren ersten Lebensmonaten von ihren Müttern betreut. Nur jedes fünfte Baby oder Kleinkind hat einen Papa, der ebenfalls in Karenz geht. Und selbst diese wenigen Karenzväter betreuen ihre Kinder wesentlich kürzer, als es die Mütter tun. Kinderbetreuung ist in Österreich auch 2019 noch Frauensache.

Ein Papamonat für die Familie

Der Papamonat ist eine Möglichkeit, das zu ändern. Er ist eine von der Karenz unabhängige, maximal vierwöchige, unbezahlte Freistellung in den ersten zwei Lebensmonaten eines neugeborenen Kindes, in denen die Mutter im Mutterschutz zu Hause ist. Der Papamonat schafft vor allem Zeit für die Jungfamilie, sich in der neuen Situation zurechtzufinden. Und Zeit, um den nicht stillstehenden, restlichen Alltag und die Betreuung von Geschwisterkindern schaffen zu können.

Genaue Zahlen zum Papamonat gibt es nicht. Bis dato bestand, außer für Beamte, kein Rechtsanspruch auf dieses Modell der Väterfrühkarenz. Einige Männer haben sich nach der Geburt Urlaub genommen oder Teilzeitvereinbarungen mit ihren ArbeitgeberInnen getroffen, statistisch erfassen lassen sich solche Fälle aber nicht.

Kein Einspruchsrecht mehr für ArbeitgeberIn

Leisten muss sich eine Jungfamilie diese gemeinsame Zeit auch können. Seit August 2017 gibt es den "Familienzeitbonus", eingeführt unter der ehemaligen Familienministerin Sophie Karmasin. Väter können mit Einverständis des/der Arbeitgeberin ein vierwöchiges, unbezahltes Papamonat nehmen und erhalten für diese Zeit 700 Euro vom Staat. Die Summe wird vom Kinderbetreuungsgeld allerdings abgezogen, wenn der Vater später in Karenz geht. In den letzten beiden Jahren haben 11.000 Männer den Familienzeitbonus beantragt, so das Familienministerium auf eine Anfrage des Standards.

Ab September 2019 haben ArbeitgeberInnen nun kein Einspruchsrecht mehr. Der Antrag der SPÖ wurde von der FPÖ und der Liste Jetzt unterstützt. Werdende Väter müssen ihrem/ihrer ArbeitgeberIn drei Monate im Voraus Bescheid geben. Die neue Regelung ist demnach für Babys mit einem Geburtstermin ab Dezember gültig.

SPÖ-Ziel: Voller Lohnausgleich im Papamonat

"Wir schreiben das Jahr 2019. Väter sollen in Österreich nicht darum betteln müssen, Zeit mit ihren Kindern verbringen zu dürfen", sagt SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner. Das "mittelfristige Ziel" der SPÖ ist ein voller Lohnausgleich im Papamonat, wie ihn auch die Gewerkschaft fordert. Nur so könne sichergestellt werden, dass auch finanzschwächere Jüngstfamilien vier Wochen lang gemeinsam zu Hause sein können.

ÖVP und NEOS, die gegen den Antrag gestimmt haben, sehen den Beschluss kritisch. "Der beschlossene Papamonat ist weder durchdacht noch flexibel genug, um den Vätern eine Verbesserung zu bringen", urteilt die ehemalige Familienministerin und ÖVP-Frauenchefin Juliane Bogner-Strauß. Für den pinken Abgeordnete Gerald Loacker ist mit dem Antrag nur an "ein kompliziertes System drangestückelt" worden.

 

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