Ein Dekolleté gegen Sexismus

„Liberté, Égalité, Décolletée“ – Tausende Frauen in Frankreich reagieren auf sexuelle Belästigung während der Hitzewelle.

Mit #JeKiffeMonDecollete protestieren Französinnen gegen Sexismus.

Es ist heiß. Nicht nur in Österreich, sondern auch im Rest Europas rinnt Frauen der Underboob-Schweiß in Strömen den Bauch hinunter. Was ein bisserl hilft, ist luftig leichte Kleidung. Nun ist es aber so ein Ding des Patriarchats, dass sommerlich gekleidete Frauen im öffentlichen Raum ganz gern mal sexuell belästigt werden. Dumme Sprüche, anzügliche Blicke bis hin zu Handgreiflichkeiten gehören im Sommer für die meisten Frauen immer noch zur Tagesordnung. Das ist lästig bis potentiell gefährlich und es nimmt Frauen den verdienten Platz im öffentlichen Raum.

Freiheit, Gleichheit, Dekolleté

Frankreichs Frauen protestieren im Internet gerade gegen diese sommerliche Form der alltäglichen, sexuellen Belästigung. Unter dem Schlagwort #JeKiffeMonDecollete(deutsch: Ich liebe mein Dekolleté!) veröffentlichen sie seit dem Wochenende Selfies in ihren mehr oder weniger ausgeschnittenen Oberteilen.

Angefangen hat alles, wie immer, mit einem Foto. Die Französin célineb postet auf Twitter ein Bild ihres Ausschnitts. "Nach Angaben eines Typen, dem ich gerade begegnet bin, ist das hier das 'Dekolleté einer dreckigen Hure'", schreibt sie dazu. "Mann, meine Brüste und ich haben Dich ganz schön genervt."

Kurz danach rief die Kolumnistin Zohra Bitan alle Frauen dazu auf, "wegen der Hitzewelle und im Widerstand gegen die Kleiderpolizei" Dekolleté-Fotos von sich zu posten. Die 55-Jährige veröffentlichte dazu ein Foto mit den Schlagworten "Liberté, Égalité, Décolleté" (Freiheit, Gleichheit, Dekolleté). Unzählige Frauen folgten ihrem Aufruf - alte und junge, in alltäglichen und in vermeintlich "sexy" Posen:

Ein bisschen Rassismus und ein bisschen Misogynie

Unter die Aktivistinnen mischen sich auch Gegenstimmen. Und wie meist in solchen Fällen, sind sie rassistisch und/oder frauenfeindlich.

So behaupten einige NutzerInnen ohne jeglichen Beweis, dass der ursprünglich gemeinte Mann ein Muslim gewesen wäre. In ihrer rassistischen Rechtfertigung ignorieren sie so, dass Frauen in Europa überwiegend von weißen Männern belästigt werden. Auch wir leben hier im Patriarchat, das Frauenkörper gleichzeitig sexualisiert und am liebsten verbieten würde.

Besonders lustige männliche "Aktivisten" empören sich darüber, dass Frauen so nicht gegen Sexismus demonstrieren könnten. Sie posten Fotos ihrer Hintern, die sie zu Dekolletés stilisieren und finden sich dabei wohl besonders edgy. Sie vergessen dabei nur, dass Frauen sich nicht nur kleiden dürfen, wie sie wollen – sondern auch protestieren dürfen, wie sie wollen.

 

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