Eddie Redmayne: Vom Ignoranten zum Verfechter der Transsexualität

Nicht nur auf der Filmleinwand steht der junge Brite momentan hoch im Kurs. Denn seine selbstkritischen Aussagen über Transsexualität, machen ihn auch abseits des Red Carpets zu unserem Liebling der Woche.

Mit unseren bisherigen Hawara der Woche-Kandidaten (alle hier nachlesen) mitzuhalten, ist kein leichtes:
Zuerst entdeckten wir den kanadischen Premier Justin Trudeau, für den Feminismus so selbstverständlich ist wie Pograpschen für Marcus Franz. Dann folgte der feministische Ex-Bodybuilder und Schauspieler Matt McGorry, der als Feminst des Jahres nominiert wurde. Und zuletzt der Comedian Aziz Ansari, der auch ganz ohne Klischees lustig sein kann.

Eigentlich wollten wir unsere Hawara-Liste nun endlich (!) mit jemandem fortführen, der nicht aus Übersee stammt, sondern sich am heimischen Parkett bewegt. Diese Suche stellte sich in den letzten Wochen allerdings als derart kontraproduktiv heraus, dass wir aus diesem Grund mit einer Liste der 10 größten Sexisten prompt zum Gegenschlag ausholen mussten.

Trotzdem konnten wir unsere Suche zumindest ein Stückchen näher an Österreich heranbringen. Denn unser neuer Hawara ist ein Engländer, ein ziemlich erfolgreicher noch dazu:
Eddie Redmayne.

Sollten Sie seinen Namen noch nicht kennen, wird es spätestens jetzt höchste Zeit:

Denn dank seiner Rolle als Transgender-Frau Lili Elbe im Film "The Danish Girl" (mehr dazu hier) erobert er zurzeit nicht nur unsere Herzen, sondern auch die der Oscar-Academy. Nachdem er bereits letztes Jahr für seine Rolle als Stephen Hawking in "The Theory of Everything" den Oscar als bester Schauspieler erhielt, ist er dank seiner schauspielerischen Leistungen wiederholt heißer Kandidat auf den Gewinn des beliebten Schauspieler-Preises.

"In die Klischees der Ignoranz hineingetappt"

Nicht nur, dass er in der schwierigen Rolle brilliert, er setzt sich seit seiner Besetzung als Lili auch öffentlichkeitswirksam mit dem Thema Transsexualität auseinander.

Doch statt große Parolen zu schwingen und sich im Selbstlob zu baden, bleibt Redmayne bescheiden und selbstkritisch. In einigen seiner Gespräche reflektiert er seine bisherige Haltung zu dem Thema kritisch und gibt in einem Interview mit dem Magazin "Detail" offen zu:

"Ich bin in die Klischees der Ignoranz hineingetappt. Ich habe nicht verstanden, dass Sexualität und Geschlecht nicht miteinander verbunden sind. Ich habe die Worte 'Transvestit' und 'Transsexuell' verwechselt. Aber das Schöne ist, dass sobald du den Unterschied verstehst, du merkst wie groß dieser ist und einsiehst, wie wichtig es ist, seinen Horizont ununterbrochen zu erweitern."

Die Rolle der Künstlerin Lili habe ihm nicht nur sehr viel Mut abverlangt, sondern im Vorhinein auch viele Ängste in ihm geschürt, so Redmayne weiter.

Gegen die Benachteiligung von Frauen

Neben seinem Engagement für die Transgender-Community, setzte er sich erst kürzlich auch für das Gleichberechtigungs-Projekt "HeforShe" von Emma Watson ein.

In ihrer Kampagne kämpft die UN-Botschafterin Watson für Gleichberechtigung und lud via Twitter auch ihre männlichen Schauspielkollegen ein, gemeinsam mit ihr gegen Diskriminierung und Ungleichheit zu protestieren - Redmayne war der Erste, der sich diesem Aufruf anschloss.

Ein würdiger Hawara also, der unter anderem dank seiner Filmrolle die Aufmerksamkeit auf Transsexualität gelenkt hat, die nicht nur in der Filmindustrie, sondern besonders in unserer Gesellschaft noch immer auf viel zu wenig Offenheit, Verständnis und Akzeptanz trifft.

 

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