Ed Sheeran will nicht von Abtreibungsgegnern instrumentalisiert werden

Am Freitag wird in Irland über eine Lockerung des restriktiven Abtreibungsgesetzes abgestimmt. Die Mittel, mit denen manche für ihre Sache werben, sind allerdings nicht immer korrekt, wie ein aktueller Fall rund um den britischen Sänger Ed Sheeran zeigt.

Die Abtreibungsdebatte ist eine, die auf der ganzen Welt hitzig und emotional geführt wird. In Irland, das mit seinen strikten Gesetzen* zu Schwangerschaftsabbrüchen zu den restriktivsten und konservativsten Ländern in Europa zählt, ist die Debatte derzeit besonders präsent.

Dort wird am Freitag in einem Referendum darüber abgestimmt, ob die verfassungsrechtliche Grundlage diesbezüglich geändert werden soll.

Mit Ed Sheeran zum Wahlsieg?

In den letzten Tagen vor der Abstimmung wird auf beiden Seiten noch intensiv Wahlkampf für die eigene Sache geführt - jedes Lager versucht noch so viele SympathisantInnen wie möglich zu sammeln. Da kommt das Lied "Small Bump" (dt "kleine Wölbung") von Ed Sheeran, in dem er das Heranwachsen eines Föten im Bauch einer Mutter besingt, den Abtreibungsgegnern genau recht.

You're just a small bump unborn, in four months you're brought to life You might be left with my hair, but you'll have your mother's eyes I'll hold your body in my hands, be as gentle as I can But for now you're scan of my unmade plans, A small bump in four months you're brought to life A small bump in four months you'll open your eyes
Ausschnitt aus "Small Bump" von Ed Sheeran

Die "Pro Life"-Bewegung verwendete den emotionalen Song des Briten, um in ihren Kampagnen für den Verbleib der strengen Gesetze zu werben - allerdings ohne dies mit dem Urheber und Sänger des Songs jemals abgesprochen zu haben.

"Darum geht es in dem Song nicht"

Als dieser davon erfuhr, gab es für die Abtreibungsgegner von Sheeran eine Abfuhr:

"Es ist mir wichtig, dass ihr wisst, dass ich der Verwendung meines Songs keine Zustimmung erteilt habe und der Verwendungszweck auch nicht reflektiert, worum es in dem Song wirklich geht", so Sheeran auf seiner Instagram-Seite. Ein klares "Ja" zum Selbstbestimmungsrecht der irischen Frauen gab es von Sheeran allerdings nicht - weitere Äußerungen und politische Aussagen unterließ der Sänger in weiterer Folge.

*Im katholisch-geprägten Irland ist das Recht auf Leben im Gesetz für Embryo und Mutter gleichermaßen festgelegt - Schwangerschaftsabbrüche sind daher streng verboten (auch im Falle einer Fehlbildung oder Vergewaltigung) und werden mit bis zu 14 Jahren Gefängnis geahndet. Ausnahmen gelten nur, wenn das Leben der Mutter selbst in Gefahr ist - und diese auch erst seit 2013. Frauen, die trotzdem abtreiben möchten, lassen Abtreibungen daher illegal vornehmen oder gehen dafür ins Ausland, wo sie für viel Geld den Abbruch vornehmen lassen, wie Zeit Onlineberichtet.

Der UN-Menschenrechtsausschuss bezeichnete die derzeitige Regelung im vergangenen Jahr als "grausam, unmenschlich und erniedrigend". Beim "March of Choice" in Dublin demonstrieren jährlich tausende Frauen gegen die strikten Gesetze.

Derzeitige Umfragen sehen das Lager der AbtreibungsgegnerInnen allerdings klar in Führung. Diese hatten das Referendum bereits im Jahr 1983 klar für sich entscheiden können.

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