E-Scooter-Sharing: Flink und nachhaltig durch die City?

Gleich drei neue E-Scooter-Anbieter bieten seit kurzem Sharing-Optionen in Wien an. Aber sind die Dinger auch alltagstauglich (oder eher ein bisschen peinlich)? Wir haben den Test gemacht.

Wer dieser Tage in der Wiener Innenstadt unterwegs ist, kommt an ihnen kaum vorbei: Den E-Scootern, die von mittlerweile drei Firmen in der ganzen Stadt angeboten werden.

Nach den US-Firmen Lime und Bird, hat nun auch das Berliner Start-Up Tier einige hundert Modelle in Wien platziert. Die Verleih-Modelle und die Preispolitik sind bei allen Anbietern ähnlich, ausgeborgt wird bequem via App. Wir haben den Anbieter Bird für euch getestet.

Wie funktionieren die E-Scooter?

Das System ist einfach: Mit der entsprechenden App des Betreibers wird der am Scooter angebrachte QR-Code gescannt, danach wird der Scooter entsperrt und die Fahrt beginnt. Pro Fahrt werden bei allen Anbietern 1€ Startgebühr verlangt, danach zahlt man pro Minute 15 Cent (abgebucht wird per Kreditkarte, bei Lime muss ein Guthaben aufgeladen werden).

Das Handling des Scooters ist einfach, vergleichbar mit einem Fahrrad oder Tretroller. Gebremst wird mit der linken Hand, mit der rechten Gas gegeben. Bis zu 24km/h schnell kann man bei vollem Tempo damit erreichen.

Ist man am Ziel angekommen, müssen die Scooter ordnungsgemäß abgestellt werden. In der Theorie heißt das: Idealerweise bei einem Fahrradstellplatz oder zumindest dort, wo er weder Fußgänger noch Fahrzeuge behindert. Bird möchte laut eigenen Angaben NutzerInnen, die sich nicht an die Regeln halten, vom Dienst ausschließen. Ein mobiles Team steht außerdem in den Geschäftszeiten bereit, um bei Problemen schnell reagieren zu können.

E-Scooter Wien

Wo und wann kann man die Scooter mieten?

Die Scooter stehen, ähnlich wie bei den anderen Anbietern, bei Bird täglich von 7-21 Uhr zur Verfügung. Abends werden sie eingesammelt und aufgeladen, in der Früh dann an festgelegten Orten in den Bezirken 1, 4, 5, 6, 7, 8 und 9 abgeladen, von wo sie dann (im Gegensatz zu Lime und Tier) im gesamten Stadtgebiet genutzt werden können. Bis zu 20km kann man mit einem Bird fahren (bei Tier: 15, mit dem Lime sogar bis zu 50).

Derzeit stehen 180 Bird-Scooter in Wien zur Verfügung, sollten diese mindestens dreimal täglich genutzt werden, möchte man die Flotte erhöhen. Pro Roller und Tag wird außerdem ein Euro an die Stadt Wien gespendet.

Das Fahrerlebnis

Hat man die App einmal runtergeladen und das System verstanden, kann man auch schnell losstarten. Die Karte innerhalb der App zeigt den nächstgelegenen Scooter an, ist man gerade in der (Innen-)Stadt unterwegs, ist der nächste Scooter meistens auch nicht weit. Der QR-Code lässt sich problemlos scannen, ein lauter Ton signalisiert anschließend, dass es losgehen kann. Ein paar Mal treten und schon bewegt sich der Roller, danach wird mit dem Gashebel die Schnelligkeit bestimmt.

Die Höchstgeschwindigkeit 24km/h wird man in der Innenstadt (außer auf Radwegen) selten erreichen – dafür läuft der Verkehr nicht flüssig genug. Radwege gibt es in Wien schon einige, sind diese nicht da, wird es aber schwierig. Fahrradstreifen geben zumindest ein wenig Sicherheit, wenn man sich die Fahrbahn mit PKWs (ohne Fahrradstreifen) teilen muss, wird es aber schwierig. Noch schwieriger, wenn dann auch noch eine Straßenbahn oder Bus im Nacken sitzt.

Hier offenbart sich genau das Problem, das FahrradfahrerInnen in Wien schon lange kennen: Es gibt einfach zu wenige Fahrradwege und das macht den Fahrspaß nur bedingt lustig. Auf dem Gehsteig sollten die Electro Scooter nicht benutzt werden (und wenn du es doch tust, kannst du dir sicher sein, dass dich ein Fußgänger in sehr unhöflichem Wienerisch darauf hinweist, dass du dich 'schleichen' sollst).

Fazit

Ob Scooter fahren nun gesellschaftlich akzeptabel ist oder nicht, ist wohl Geschmackssache (und Gegenstand hitziger Diskussionen in der Redaktion, so viel sei verraten). Fakt ist: E-Scooter fahren macht verdammt viel Spaß (sagt zumindest unsere Testerin), das Ausborgen ist herrlich unkompliziert und der Nutzen gerade in der verwinkelten Innenstadt (Pflastersteine ausgenommen, das geht gar nicht) für kurze Wege wirklich groß. Auf großen Straßen ohne Radweg ist das Fahren mit dem Scooter schon schwieriger, wer auf Nummer sicher gehen will, informiert sich vorab über die besten Radrouten in der Stadt (zum Beispiel hier).

Für kurze Strecken sind die E-Scooter eine super Alternative für das Auto oder ein Uber - nicht nur (aber auch) der Umwelt zuliebe.

 

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