Dürfen Medien eine Frau öffentlich kritisieren, nur weil sie mollig ist?

Eine gewichtige Debatte erschüttert die Kulturszene: Mezzosopranistin Tara Erraught geriet bei ihrem Rosenkavalier-Debüt in die Schusslinie der Presse. Doch nicht wegen der Leistung, sondern wegen der Figur. WIENERIN-Autorin Eva Jankl fragt sich, warum Frauen und Männer mit zweierlei Maß gemessen werden.

Die irische Mezzosopranistin Tara Erraught trat in Richard Strauss'Rosenkavalier als Octavian auf und wurde von den britischen Medien zerrissen: Doch statt Kommentaren über ihre Leistung findet sich Kritik über ihr Gewicht. Und die verantwortlichen Journalisten sind dabei nicht gerade zimperlich. Die Financial Time spricht vom „Babyspeck", der Daily Telegraph von einer „plumpen Statur" und die Times lästert, sie sei „Unglaublich, unansehnlich, unattraktiv". Seitdem diskutieren Journalisten, Blogger und Opernliebhaber recht öffentlich über die Rolle der Figur von Operndarstellern.

Die Sängerin auf Twitter:

Die 27-jährige Tara Erraught hält sich mit Kommentaren zurück. Auf ihrem Twitter-Account erwähnt sie die Diskussion mit keinem Wort, stattdessen sieht man jede Menge Blumen, Fotos der Vorstellungen und Privatbilder der hübschen Frau. Ja, der hübschen Frau, denn die Wahrheit ist doch, dass die Diskussion um ein paar Kilos, die sie möglicherweise zu viel hat, völliger Unsinn ist. Zudem sie mit Leistung punkten kann. Nicht umsonst zählt sie zumindest in München als Publikumsliebling und dort gehört sie immerhin zum Ensemble der Bayerischen Staatsoper.

Das Talent Tara Erraught.

Die Diskussion zeigt uns hingegen eines: Die Optik von Frauen und Männern wird mit zweierlei Maß gemessen, denn bei dem italienischen Tenor Luciano Pavarotti oder dem südafrikanisch-österreichschen Tenor Johan Bohta lästerte bzw. lästerte kein Mensch nach einer Vorstellung öffentlich über deren Leibesfülle und gegen die beiden ist die Irin nun wirklich eine Elfe. Zudem sie trotz oder gerade wegen ihrer leicht rundlichen Figur noch immer mehr als schön anzusehen ist. Doch Kritik an der Figur von Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, hat System. Auch Anna Netrebko musste sich nach der Geburt ihres Sohnes Tiago 2008 gefallen lassen, dass einige Kilos mehr plötzlich zum Thema in der Öffentlichkeit wurden. Ein anderes Beispiel ist die damalige Report-Moderatorin Claudia Reiterer, die nach der Rückkehr von der Karenz vom damaligen Info-Chef Werner Mück gesagt bekam, sie sei zu dick für den Bildschirm.

Schade drum. Aber Optik hat offenbar noch immer Vorrang vor Können und Frauen, die nicht dem Bild von früheren Ansagerinnen entsprechen, die in erster Linie einfach gut ausschauen mussten, haben schlechte Karten. Während bei Männern auf Bühne und Bildschirm wohl nach wie vor das zu gelten scheint, was meine Psychologie-Professorin in der Schule sarkastisch gesagt hat: „Jeder Mann, der schöner ist als ein Affe, ist Luxus" (Originalzitat aus "Tante Jolesch" von Friedrich Torberg).

Kampagne: So sind Frauen wirklich.

 

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