Dürfen Frauen in Saudi-Arabien endlich über ihre Kleidung bestimmen?

Der saudi-arabische Prinz Mohammed bin Salman will die Pflicht zur Verhüllung lockern.

In den vergangenen Monaten hat es in Saudi-Arabien mehrere Neuerungen, vor allem für Frauen, gegeben. Sie dürfen nun Auto fahren (die WIENERIN berichtete), Kinos besuchen oder sich politisch engagieren. Diese vorsichtigen sozialen Öffnungen hat Kronprinz Mohammed bin Salman eingeführt. Nun möchte er eine weitere Änderung vornehmen, die Frauen betrifft:

Frauen sollen endlich frei über ihre Kleidung entscheiden dürfen.

"Die Entscheidung, welche dezente und respektvolle Kleidung sie tragen wollen, liegt vollständig bei den Frauen."
von Mohammed bin Salman

Das kündigte Salman in einer Interviewsendung mit dem US-Sender CBS an. Dort meint er, dass das saudische Gesetz Frauen eigentlich keine Kleidervorschriften machen dürfe und er mit einer Lockerung den sozialen Druck auf Frauen senken will. Denn auch der Islam schreibt laut Salam keine strengen Bekleidungsregeln für von Frauen vor. Im Koran gibt es laut ihm keine explizite Passage, die darauf hinweisen würde. "Frauen sollen dezente und respektvolle Kleidung tragen, ebenso wie Männer." Eine strengere Einschränkung sei demnach laut Salman nicht nötig. Der Kronprinz will deshalb erreichen, dass Frauen keine Verhüllung von Kopf und Gesicht, sowie keine langen schwarzen Roben mehr tragen müssen.

Frauen in Saudi-Arabien trugen bisher bodenlange, schwarze Kleidung namens "Abaja", sowie einen Gesichtschleier, den Niqab. Und obwohl die Kleiderordnung gesetzlich nicht festgeschrieben war, waren weniger verhüllte Frauen in der Öffentlichkeit starker Kritik seitens saudischer Religionswächter ausgesetzt. Eine junge Frau wurde vor einigen Monaten sogar festgenommen, weil sie in einem Snap-Chat-Video einen Mini-Rock trug (WIENERIN berichtete auch darüber). Durch den jüngsten Reformierungsvorschlag von Kronprinz Salman könnten solche Diskriminierungen nun vermieden werden.

Auf die Frage, ob Frauen gleichberechtigt sind, antwortete Salman gegenüber CBS: "Absolut. Wir sind alle Menschen und es gibt keine Unterschiede."

König Salman ibn Abd al-Aziz hatte seinen Sohn Mohammed Mitte 2017 zum Kronprinzen und damit zu seinem Nachfolger ernannt. Seitdem arbeitet der reformorientierte 32-Jährige daran eine soziale Öffnung des streng muslimischen Landes zu erreichen.

 

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