Durchs vergessene Cornwall

Auch wenn Cornwall seit einiger Zeit vor allem durch Rosamunde Pilcher Verfilmung bekannt ist, gibt es doch noch eine andere, eine vergessene Seite. In ihrem Reisebuch "Eat-Surf-Live" wollen zwei Steiererinnen genau diesen Teil zeigen - und wir waren auf ihren Spuren unterwegs.

So ganz sind sie nicht darüber einig, warum das "vergessene Eck Cornwalls" denn eigentlich so heißt. Ob es daran liegt, dass die Urlauber gern direkt nach St. Ives oder andere belebte Tourismusregionen fahren und diesen Teil einfach übersehen? Oder ob es damit zu tun hat, dass man sich hier auf der Rame Halbinsel so herrlich vergessen kann - samt Alltag und Sorgen? Es ist jedenfalls ein besonderer Flecken Erde hier im Südwesten Englands, nur eine dreißigminütige Fährenfahrt von der Stadt Plymouth entfernt.

Liebeserklärung in Buchform

Dieser Meinung sind auch die beiden Steirerinnen Katharina Zimmermann und Vera Bachernegg. Sie haben sich verliebt: In Cornwall und vor allem um das "vergessene Eck" rund um Orte namens Rame, Kingsand oder Cawsand. "Eat-Surf-Live" heißt ihre Lobeshymne an die Region. Es ist kein Reiseführer, sondern ein Reisebuch, das Empfehlungen für ein Cornwall ganz abseits der abgetretenen Pfade aus Rosamunde-Pilcher Verfilmungen geben soll. Finanziert wird der Druck des Buchs, das sich vor allem an "Leute ab 20, die sich auf ein Abenteuer einlassen" richtet, mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne auf startnext.

Wir haben Auszüge aus "Eat-Surf-Live", das kommenden Januar erscheinen soll, schon vorab erhalten und sind damit auf Reise nach Cornwall gegangen. Hier stellen wir unsere Lieblingstipps vor:

Wer ein bisserl South Coast Path, ein bisserl alte Kirchen und Friedhof mit Meerblick moechte, der kann sich auf der "vergessenen Halbinsel" Rame einmal rund um ihre Spitze Nase bewegen. (Eat-Surf-Live)
Eingebettet-Sein mitten im Treiben eines kleinen kornischen Dorfes: Das kann man haben bei Sarah und Dylan in ihrem Westcroft Guesthouse in Kingsand. (Eat-Surf-Live)
Wie selbstverständlich und inspirierend ein Leben im Einklang mit der Natur sein kann, erfährt man in der Nähe von Liskeard. (Eat-Surf-Live)
Die Halbinsel Rame gehört trotz oder gerade wegen ihrer Nähe zu Plymouth zu den noch weniger besuchten Gebieten in Cornwall. Dementsprechend idyllisch und ruhig kann man dort seine Zeit verbringen.

Anreise:
Mit dem Zug nach London und via 30-Minuten auf einer Fähre von Plymouth direkt nach Kingsand. Per Auto ist man in ca. 4 Stunden von London Heathrow auf der Halbinsel. Mietautos werden zum Beispiel von Avis Autovermietung zu Verfügung gestellt.
Vekehr: So einfach die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmittel ist, der Transport auf Rame ist etwas herausfordernder. Es gibt Busse, die z.B. an der Küste entlang fahren. Wenn man Ausflüge machen möchte, benötigt man aber ein Auto. Achtung: Das Fahren ist auf den engen, teilweise einspurigen Landstraßen schwierig. In den Orten gibt es meist Parkplätze am Dorfrand, das Fahren in den engen Gassen ist nicht empfehlenswert.
Beste Reisezeit:April bis Oktober, Hochsaison (inkl. der meisten Besucher) ist der Sommer.

Das Reisebuch "Eat-Surf-Live" von Katharina Zimmermann und Vera Bachernegg bietet "schöne Fotos, authentische Stories, interessante Geschichten, Tipps zu Sport und Erlebbarem, einen tiefen Einblick in kornische Kultur, g'schmackige Rezepte und was uns noch so einfällt." Es soll 2013 erscheinen. Finanzielle Unterstützung für das Buch, das durch Crowdfunding ermöglicht wird, kann unter startnext.at/eatsurflive gegeben werden.

Wohnen

Vorab sei gesagt, dass es in der Region - wie überall auf den britischen Inseln - unzählige Bed&Breakfasts gibt. Will man allerdings in speziell charmanten Unterkünften wie den in "Eat-Surf-Live!" Vorgestellten zu Gast sein, heißt es schon vorab reservieren. Die oft kleinen Häuser sind auch in der Nebensaison weit im Vorhinein ausgebucht.

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Mittendrin statt nur dabei, das ist definitiv im Westcroft Guesthouse möglich. Nach acht Jahren London und zwei Jahren auf Reise ist Dylan McLee Taylor samt Frau Sarah wieder in seine Heimat gezogen. Hier betreiben die beiden seit 2005 eine Gallerie, die sich vor allem der hochwertigen lokalen Künstler - und davon gibt es jede Menge - annimmt. Daneben wird B&B angeboten, in dem jeder Raum anders gestaltet ist. Für jeden Gast gibt es das perfekte Zimmer - und das wird am besten gemeinsam am Telefon ausgesucht oder selbst kreiert: So kann man sich nämlich die Bilder aus der Gallerie auch ins Zimmer hängen lassen.

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"Zu uns kommen diejenigen, die die Ruhe suchen", beschreibt Karen von Rame Barton ihr B&B, das mit drei Zimmer unter die Kategorie "klein, aber fein fällt". Von dem mitunter regen Treiben der Pubs in Kingsand ist auf dem Anwesen, das auf dem Weg nach Rame Head und am Ende der Whitsand Bay liegt, nichts mehr zu vernehmen. Bunt geht es dennoch im liebevoll bewohnten Haus aus dem 18. Jahrhundert zu: Dafuer sorgen die Gäste, die schon einmal gern wegen einer Hochzeit in der Region sind, die Yogakurse, der Hund der Tochter und die Töpferkurse mit Karens Mann Paul, für die man sich jederzeit anmelden kann.

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Noch abgeschiedener liegt die Botelet Farm Richtung Liskeard, die nur durch Nachfragen an der örtlichen Tankstelle (oder mit einem wirklich sehr guten GPS) gefunden werden kann. Herrscht nicht gerade buntes Chaos in der Großfamilie, die hier in der 4. Generation lebt, kann man sich dort im B&B mitten im Nirgendwo einmieten und die regionalen Produkte auf dem Frühstückstisch genießen. Abenteuerlicher wird es im Sommer, wenn auf der riesigen Wiese sogenannte Jurten aufgestellt werden und man darin campen kann. Wer sich selbst versorgen, aber auf das "Freiluftfeeling" verzichten kann, mietet sich in die zwei Cottages ein, die zu Verfügung stehen.

Ausflüge

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Was Katharina und Vera als den besten Start in einen Cornwall-Urlaub nennen, ist eine gemütliche Wanderung, die mit allem auftrumpft, was die Gegend zu bieten hat. Herrlich grüne Wiesen, im Sommer grasende Ponies, freundlich entgegen kommende Menschen. Und vor allem der Ausblick auf das Meer mit seinen wild zerklüfteten Küsten. Die Tour geht von Kingsand nach Rame Head, den letzten Spitz der Halbinsel, und wieder nach Kingsand zurück, wobei der Weg retour auch über die befahrbare Straße führen kann. Das ist zwar weniger idyllisch, aber kürzer als der Küstenweg. Abhaängig davon ist auch die Dauer der Wanderung: Zwei bis drei Stunden sollte man jedoch schon einkalkulieren, vor allem wenn man den Fototipps von "Eat-Surf-Live" folgen und die beiden alten Kirchen, die St. Michael's Chapel und die Rame Church, auf dem Weg besuchen will. Wen Wandern gar nicht reizt, der kann auch bis zum Parkplatz vor Rame Head fahren und nur die letzten Meter bis zum Gipfel erklimmen. Die Aussicht von dort sollte man sich jedenfalls nicht entgehen lassen.

Von Rame Head selbst führt übrigens auch ein Weg nach Whitsand Bay: Man muss erst einmal über einen steilen Pfad hinunter, aber die Mühe lohnt sich für den Surferstrand, der sich je nach Gezeiten auf bis zu 5 Kilometer erstreckt. Der andere Zugang zum weißen Sandstrand ist über die Küstenstraße zu finden.

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Bei einem Cornwall-Besuch darf ein Abstecher oder vielmehr ein Tag im Eden Project nicht fehlen. Was für die einen die größten Gewächshäuser und Gartenanlagen sind, zeigt den anderen, was eine Gemeinschaft zusammen schaffen kann: Seit 2001 blühen und gedeihen auf einem ehemals trostlosen Areal Pflanzen aller Art, von kornischer Vegetation bis hin zu malaysischem Urwald ist alles zu finden. Dabei geht es aber nicht nur darum, die Schönheit der Natur und der Welt herzuzeigen, sondern diese auch ein bisschen zu verbessern: Im Eden Project dreht sich nämlich alles um Nachhaltigkeit und darum, uns spielerisch zu einem "grüneren" Leben und bewussteren Umgang mit der Erde zu inspirieren. Dass man das nicht mit erhobenem Zeigefinger tun muss, sondern gemeinsam und mit Spass erreichen kann, dafür ist das Eden Project selbst wohl das beste Beispiel.

Das Reisebuch "Eat-Surf-Live" empfiehlt noch viele weitere Touren - wie zum Beispiel in das "Minifischerdorf" Mevagissey, wo man mit erfahrenen Fischern in See stechen kann oder zu einem Bummel durch das ehemalige Schmugglernest Polperro. Aber vor allem machen die beiden Autorinnen Katharina und Vera Lust auf eines: Auf das langsame Entdecken der Landschaft, auf das Gespräch mit den Menschen hier - und auf das "Sich Vergessen" in diesem vergessenen Stueck Cornwalls.

Kulinarische Tipps zu Cornwall finden Sie

hier

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