Durch den Krieg in der Ukraine leiden Frauen und Familien in Afrika Hunger

Wie kommt es zu diesem Zusammenhang und was kann man dagegen tun?

Ukraine Afrika Hunger

Hunger ist unsichtbar. Das erklärt Helena Unterguggenberger, Leiterin der Programmabteilung der Caritas für Afrika. Sie arbeitet seit vielen Jahren für die Caritas, hat zig Länder bereist und sieht den Schwerpunkt der Arbeit in afrikanischen Ländern in der Bekämpfung des Hungers. Diesbezüglich konnte in den vergangenen Jahren viel erreicht werden, so wurde der Hunger durch gezielte Frauenförderung und der Unterstützung von kleinbäuerlichen Familien halbiert werden. Doch aktuell, durch den Krieg in der Ukraine, verschlimmert sich die Situation wieder. Wie kommt es dazu? Was sind die Zusammenhänge? Wir haben nachgefragt.

WIENERIN: Wie hängt die Situation in Afrika und der Ukraine zusammen?

Helene Unterguggenberger: Die Ukraine ist eine der größten Getreidelieferanten nach Afrika. Durch den Krieg wurden diese Lieferungen schwieriger und die Preise steigen drastisch an. Das ist natürlich dramatisch für Familien, die davor schon in akuter Armut gelebt haben. Diese haben noch größere Schwierigkeiten ihre Familie zu ernähren.

Was sind die Konsequenzen? Was bedeutet das konkret?

Die Ernährung wird viel einseitiger und Familien müssen alles, was sie nicht unbedingt brauchen weglassen, damit sie nicht verhungern. Dazu zählen Schulgebühren und so weiter. Das Problem ist, dass die Hungerkrise in Afrika keine sichtbare Krise ist. Es ist eine vergessene Krise. Deshalb werden auch teilweise von großen Organisationen wie zum Beispiel dem World Food Programme die Hilfsmittel reduziert, weil sie anderswo dringender gebraucht werden. Das ist natürlich dramatisch, weil wirklich tausende Menschen fürs Überleben von dieser Hilfe abhängig sind.

Wieso werden die Mittel dann zusätzlich reduziert?

Es ist immer schwer zu beurteilen, welche Länder Hilfe am meisten benötigen. In der Ukraine werden natürlich gerade massive Mittel benötigt. Ein großes Problem ist auch aktuell die Inflation. Es wird viel teurer für Hilfsorganisation wie das World Food Programme oder die Caritas Hilfe zur Verfügung zu stellen.

Helene Unterguggenberger / Caritas

Wie sieht eure Hilfe vor Ort aus?

Wir arbeiten auf drei unterschiedlichen Ebenen. Einerseits leisten wir ganz wichtige Nothilfe, wo wir beispielsweise Flüchtlinge, Vertriebene oder Menschen in Krisensituationen unterstützen. Dazu zählen auch Menschen in Äthiopien, bei denen die Regenzeit ausgefallen ist. Auch hier leisten wir Nothilfe, verteilen Lebensmittelpakete um Grundbedürfnisse zu denken. Hier helfen wir wirklich um das blanke Überleben zu sichern.

Die zweite Eben ist die Unterstützung der Landwirtschaft, weil gerade in diesen Ländern die Bevölkerung von den Erträgen des eigenen Feldes abhängig ist. Viele sind Existenzlandwirte, verkaufen nicht mal sondern arbeiten nur für den Eigenbedarf. Wir unterstützen dabei, mehr anzubauen, unterschiedliche Getreidesorten, Obst, Gemüse oder Tierhaltung zu fördern, damit die Familie eine ausgewogene Nahrung zur Verfügung hat.

Und die dritte Ebene?

Die dritte Ebene ist ganz klar die Frauenförderung. Wir unterstützen zum Beispiel Frauen, die ein kleines Restaurant aufmachen oder am Markt etwas verkaufen wollen um das Gehalt in der Familie aufzubessern und dadurch automatisch auch die Lebensbedingungen bzw. Ernährung zu verbessern. Frauenförderung kommt immer der ganzen Familie zu Gute.

Was braucht ihr bzw. benötigt ihr um dieses Problem zu bekämpfen?

Einerseits wollen wir darauf hinweisen, dass man bereits mit extrem geringen Mitteln die Leben von Menschen in diesen Ländern verändern kann. Beispielsweise kann man bereits mit einer Spende von 30 Euro eine junge Mutter unterstützen, für ein ganzes Jahr die Schule nachzuholen. Die Spendenbereitschaft in Österreich ist wirklich riesig und das wissen wir zu schätzen.

Jetzt sind aber nicht nur Privatpersonen in einer helfenden Position, oder?

Nein, das ist klar. Was es von politischer Seite braucht, ist dass die Regierung ihre Ziele einhält. Es wurde von der Bundesregierung im Regierungsprogramm das Ziel festgelegt, dass 0,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Entwicklungszusammenarbeit ausgegeben wird. Wir sind noch nicht mal bei der Hälfte dieses Ziels. Hier fehlt der politische Wille. Es ist keine Frage des Könnens. Es ist eine Frage des Wollens und der Prioritäten. Dort herrscht eine Not, die wir uns überhaupt nicht vorstellen können und es ist das Mindeste, dass man sich auf dieses Ziel besinnt und es einfach umsetzt.

 

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