Dumbledore ist schwul - und JK Rowling heuchlerisch

Die Autorin der "Harry Potter"-Reihe verrät immer wieder Details aus dem Leben ihrer Figuren, die für mehr Diversität in der Geschichte sorgen sollen. Mit echter Repräsentation hat das leider wenig zu tun.

Albus Dumbledore ist schwul. Das wissen wir seit 2007, als JK Rowling die sexuelle Orientierung des magischen Schuldirektors während einer Lesung thematisierte. In den Büchern und Filmen gab es dazu nix Konkretes, und daran haben auch fünf Film- und eine Theaterproduktion aus dem "Harry-Potter"-Universum nach Dumbledores Coming-Out nichts geändert. Queer ist Rowlings Zauberwelt seither nur in ihren Beteuerungen.

In einem Interview zu "Fantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen", bestätigt die Autorin jetzt eine Beziehung zwischen Dumbledore und dem bösen Zauberer Grindelwald:

Und zwar eine Beziehung "sexuellen Ausmaßes", wie Rowling betont.

Es reicht nicht, nur von Repräsentation zu reden

Das mag für einen kurzen Augenblick offen und zeitgemäß erscheinen. Nur: Rowlings verspätete Schein-Diversität ist keine echte Repräsentation, wie KritikerInnen betonen. Mit ihren nachträglichen Ergänzungen riskiert die Erfolgsautorin wenig bis nichts. Keine Einkommensverluste, keine nachhaltigen Shitstorms und Boykottaufrufe aus der rechten Ecke (wie zuletzt bei "Captain Marvel"), keine langwierigen Diskussionen mit ProduzentInnen oder Verlagen. Im Gegenteil! In der Harry-Potter-Fangemeinde gibt es meist noch Applaus für soviel "Offenheit". Im Werk sichtbare Diversität bleibt Rowling aber bis heute schuldig. KritikerInnen weisen Autorin und Fangemeinde seit Jahren darauf hin.

Die Werke um "Harry Potter" beschäftigen sich zwar mit faschistischen Regimen und Unterdrückung, marginalisierten Menschen wird darin aber kaum Raum zugestanden. Dass Rowlings wiederholter Versuch, queere Charaktere nachträglich in ihrem Universum zu etablieren, sich nun lediglich auf Sex reduziere, mache die Sache nicht besser:

Solange queere Charaktere weder in den Büchern noch in den Filmen nicht klar und deutlich auftreten dürften, seien Rowlings Bekenntnisse zur Diversität schlicht nicht ernst zu nehmen:

Es ist nicht das erste Mal, dass JK Rowling versucht, das Harry Potter Universum in Nachhinein aus der weißen, heteronormativen Perspektive zu holen: Mit Noma Dumezwenis Darstellung der erwachsenen Hermine Granger (verdiente Zaubereiministerin, sidenote) im Theaterstück "Harry Potter and the Cursed Child" ist Harry Potters beste Freundin in zumindest einer Interpretation der Geschichte eine Schwarze Frau. Vielleicht war Hermine aber schon immer Schwarz, sagte Rowling später bedeutungsschwanger auf Twitter. Auch dazu gibt es keine Anzeichen im Text, dafür aber eine normschöne Emma Watson auf der Kinoleinwand. Und auch das ist keine echte Diversität nach JKR.

Die Konsequenz daraus: Kritische Fans haben mit Rowlings nachträglichen Verbesserungsversuchen schon lange abgeschlossen:

 

Aktuell