Düfte der Frauen

„Ein Duft muss die besten Augenblicke des Lebens wieder wachrufen“, meinte einst Karl Lagerfeld. Vier Frauen haben uns Einblick in ihre persönliche Duftgeschichte gewährt und duftige Tipps für die Zukunft erhalten.

Martina Parker (42), Beauty Director:

Mit 15 schickte mir meine Freundin einen Miniflakon von Chat Noir. Erst später erfuhr ich, dass sie mir etwas ganz anderes abgefüllt hatte. KL von Karl Lagerfeld, mein erster Lieblingsduft - bis ich mich in einen Joop!-Burschen verliebte und zum weiblichen Duftpendant wechselte. In unserem Dorf sagte man übrigens nicht Joop!, sondern Jupp! Die Parfums meiner Discozeit hießen Salvador Dalí, Paloma Picasso und Claude Montana, waren laut und behaupteten sich bestens gegen die dortigen Rauchschwaden. Böse Erfahrungen hatte ich nur mit Loulou von Cacharel. Das sprühte ich mir nach einem Heurigenbesuch in den Mund, als sich mein damaliger Schwarm näherte, um den Zwiebelatem zu überdecken. Noch heute wird mir von blumig-süßen Düften schlecht! Später mochte ich es immer noch würzig-warm, aber wie durch einen Fluch wurden alle Parfums, in die ich mich verliebte, eingestellt. Von Bogner Woman über Shiseidos Feminité du Bois und Elizabeth Ardens Art of Spa bis zu M7 von Tom Ford und Simply von Clinique. Sie alle trafen genau meinen Geschmack, aber wohl leider nicht den der Masse. Durch meinen Beruf lernte ich aber auch viele Nischendüfte kennen und lieben: das lorbeerwürzige Victrix von Profumum, Iris Poudre von Frédéric Malle oder das sommerliche Io von Carthusia. Und auch unter den oft so austauschbaren Depotdüften entdecke ich heute noch echte Überraschungen. Balenciaga, Iris Ukyoé von Hermès und van Cleef & Arpels Midnight in Paris sind total unterschiedlich, aber allesamt total meins!

Luzia Ellert

Luzia Ellert, 1975 & heute

Luzia Ellert (52), Fotografin:

Werbung wirkt! Zumindest bei mir. So kam es, dass ich mit 15 Anais Anais von Cacharel zu meinem ersten Parfum erkor. Für meinen Geschmack eigentlich viel zu blumig und süß, aber das Werbesujet der Fotografin Sarah Moon fand ich derart beeindruckend, dass ich gern bereit war, über solch „winzige Details" wie den eigentlichen Duft hinwegzuriechen. Jahre später fiel mir das schon schwerer. Diesmal war es der Bustierflakon von Jean Paul Gaultiers Classique, der mir meinen wortwörtlich atemberaubenden Fehlkauf bescherte. „Viel zu aufdringlich", lautete mein Fazit und so beendete ich die Liaison schon nach der Hälfte der Flasche. Das nächste Objekt der Begierde hatte ich eh schon erspäht: ein wunderschön geschliffener Kristallflakon, der den Namen Safari trug. Ein Glücksgriff, wie sich herausstellen sollte, denn das Parfum von Ralph Lauren war das erste, an dem nicht nur mein Auge, sondern auch meine Nase Gefallen fand. Ein wunderschöner pudriger Duft, der aber nach einigen Jahren aus den Parfümerien und somit leider auch aus meinem Leben ver schwand. Ein Neuer musste her und so landete ich bei Chanel N°5. Ein Klassiker, den ich seither nicht mehr missen möchte. Nur im Sommer geh ich ihm ab und zu fremd. Dann darf's mit Un Jardin sur le Nil von Hermès zur Abwechslung auch gern etwas grasiger sein.

Expertin Vijoleta Buchta, Parfumberaterin im Le Parfum, Petersplatz 3. 1010 Wien.

Das empfiehlt die Expertin: Frau Parker mag offenbar Feigen und pudrige Düfte. Mein Tipp: Sous le Figuier von Micallef (100 ml, € 150,–) mit Feigenblatt, -blüten und -holz. Das Féminité du Bois (50 ml, € 80,60) ist übrigens wieder erhältlich. Es ist aber nicht mehr von Shiseido, sondern von Serge Lutens, dem Schöpfer des Originals. Mein letzter Vorschlag, Soavissima von Profumum (100 ml, € 179,–), ist ein pudriger Duft mit angenehm frischen Noten und Iris.
SCHNUPPERFAZIT: Erst dachte ich, Soavissima sei viel zu stark und süß, aber es entwickelt sich super. Sous le Figuier fand ich von Anfang an toll. Vom neuen Féminité du Bois bin ich jedoch enttäuscht. Es riecht anders als früher: die zarten, süßen Noten, die sonst unter den Hölzern wahrnehmbar waren, sind verschwunden. Außerdem haftet es nur mehr sehr kurz.


Das empfiehlt die Expertin:Baghari von Robert Piguet (50 ml, € 88,–) geht in Richtung Chanel N°5, ist aber weicher. Auch Corps et Ames von Parfumerie Générale (100 ml, € 156,–), eine Art Chanel N°5 der Neuzeit, könnte Frau Ellert gefallen. Da sie im Sommer aber auch mal was Frisches, Zitroniges trägt, sollte sie noch Via Camerelle von Carthusia (50 ml, € 55,–) testen. SCHNUPPERFAZIT: An mein Chanel N°5 kommt keiner der Vorschläge heran, aber das war absehbar. Corps et Ames und Baghari gehen zwar in die richtige Richtung, sind mir aber zu intensiv. Via Camerelle könnte ich mir aber als Alternative für den Sommer sehr gut vorstellen.
 

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