Düfte der Frauen

„Ein Duft muss die besten Augenblicke des Lebens wieder wachrufen“, meinte einst Karl Lagerfeld. Vier Frauen haben uns Einblick in ihre persönliche Duftgeschichte gewährt und duftige Tipps für die Zukunft erhalten.

Dagmar Buchta (47), COMPLIMENT - Textchefin:
L'Air du Temps von Nina Ricci bekam ich mit 15 als Weihnachtsgeschenk, nachdem ich mich heimlich mit dem Parfum meiner Mutter, Chloé von Karl Lagerfeld, besprüht hatte. Aufgrund der Duftwolke, die ich hinter mir herzog, war die „Leihgabe" nicht unbemerkt geblieben. „Das passt besser zu einem jungen Mädchen", lautete die Begründung für das Geschenk. Mit 17 war mir das Blumige dann zu lieblich. Ich wollte als Hippie-Mädchen ernst genommen werden. Da musste neben der Optik - wilde Mähne und Fetzenlook - auch der Geruch stimmen. Patschuli-Öl war der Duft meiner Wahl, bis ich mit 19 die Femme fatale in mir entdeckte. Ich war gerade ausgezogen und wollte mein neues, Leben mit etwas „Härterem" begehen: Opium von YSL. In meinen Twenties wechselte ich zu Karl Lagerfeld und blieb dem Duft KL lange treu. Erst mit Mitte 30 schwenkte ich auf eine süßlichere, wenn auch ebenso schwere Duftnote um: Hypnotic Poison von Dior. Einen Abstecher zum Klassiker ersten Grades wagte ich auch: Chanel N°5. Doch irgendwie fühlte ich mich damit älter, als ich war. Heute verwende ich Pleasures von Estée Lauder, Rock Muse von Miss Sixty oder Angel von Thierry Mugler. Meinen ganz speziellen Duftfavoriten habe ich bis jetzt aber noch nicht gefunden.

Monika Kalisch

Monika Kalisch im Jahr 2000 und heute.

Monika Kalisch (52), Redaktionsmanagerin:

Ob mich die Maiglöckchen zu Calyx brachten oder Calyx zu
den Maiglöckchen, kann ich nicht sagen. Fest steht, dass ich in meinen Jugendjahren irgendwie an den besagten Prescriptives-Duft geriet und Maiglöckchen seither auf der Liste meiner Lieblingsgerüche ganz oben standen. Weiter ging's mit Joop All about Eve. Name und Designer hatten es mir angetan und weil der Duft sich angenehm auf meiner Haut entwickelte, weder zu streng, zu schwülstig noch zu lieblich roch, habe ich mich in ihn verliebt. So sehr, dass bald schon ein zweiter Duft aus dem Hause Joop bei mir einziehen durfte: Nuit d'Été, mein langjähriger Favorit für den Abend. Ein Spritzer und ich fühlte mich wie die Königin der Nacht. Doch auch andere Düfte sollten meinen Begleitern im Laufe der Zeit an mir gefallen, z. B. Sentiment von Escada oder das schwülstigere Boudoir von Vivienne Westwood. Einer meiner Dauerbrenner bleibt aber Vanille Abricot von Comptoir Sud Pacifique, mit dem mich Beauty-Chefin Martina Parker zum Geburtstag überrascht hat. Geht es mal wieder hektisch zu, rettet es mich durch den Alltag. Zurzeit steht aber auch L'Instant von Guerlain hoch im Kurs, das in Kombination mit der passenden Bodylotion und dem Deo Guerlain Insolence einen herrlichen Duftmix ergibt. Und weil immer das Gleiche langweilig wäre, versüß ich mir auch schon mal mit Chanels bezaubernder Coco Mademoiselle den Abend.

Expertin Vijoleta Buchta, Parfumberaterin im Le Parfum, Petersplatz 3. 1010 Wien.

Das empfiehlt die Expertin: Frau Buchta wählt ihre Düfte nach Stimmung aus. Als Hommage an ihre Hippiezeit habe ich 1969 von Histoires de Parfums (120 ml, € 139,–) ausgesucht. Es ist äußerst vielschichtig, gleichzeitig süß und würzig. Chocolat von Il Profumo (50 ml, € 86,10) ist angenehm kakaobohnenlastig, aber eher würzig als schokoladig. Meine dritte Empfehlung wäre Fleur von Floris (100 ml, € 92,–): leicht, frisch und blumig.
SCHNUPPERFAZIT:1969 gefällt mir noch am ehesten. Wirklich überzeugen konnte mich aber keine der Empfehlungen. Ich muss also wohl noch weitersuchen.


Das empfiehlt die Expertin:Da Frau Kalisch fruchtige, ins Süße gehende Düfte mag, würde ich ihr Dulcis in Fundo von Profumum (100 ml, € 179,–) mit Mandarine, Zitrone und Vanille ans Herz legen. Von Parfumerie Générale (100 ml, € 156,–) habe ich N°5 L’Eau de Circé ausgewählt. Abends könnte Umé von Keiko Mecheri (75 ml, € 150,–) gut passen. Es besticht durch ein fruchtiges, aber gleichzeitig überaus sinnliches Pflaumenaroma.
SCHNUPPERFAZIT: Mein absoluter Favorit ist das Dulcis in Fundo. N°5 L’Eau de Circé könnte ich mir gut zum Weggehen vorstellen, da ich es als etwas schwerer empfinde. Umé ist zwar durchaus interessant, aber gewöhnungsbedürftig.
 

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