"Du kannst auch rausgehen, die Tür zuhauen und sagen: Fuck you!"

Natalie Assmann und Dilan Sengül sind Schauspielerinnen, Performerinnen und Aktivistinnen. Wir sprachen mit ihnen über stereotype Frauenrollen, Sexismus in der Kulturbranche und warum es mehr Frauen braucht, die sich auflehnen.

30 Jahre Wienerin – 30 Frauen im Porträt: Anlässlich des WIENERIN-Jubiläums widmen wir uns ein Jahr lang 30 starken Frauen, die uns bewegen und beeindrucken. Heute im Gespräch: Dilan Sengül und Natalie Ananda Assmann.

Laut, bunt, lebhaft und immer ein bisschen anders: das ist der Wiener Yppenplatz im Sommer. Aber vor allem ist er ein Ort zum Wohlfühlen, zum Kennenlernen, zum Genießen. Heute sitze ich hier mit Natalie Ananda Assmann (im Bild links) und Dilan Sengül (ganz rechts im Bild), zwei Frauen, die gemeinsam performen, tanzen und die Welt verändern.

Natalie Ananda Assmann, Zeynep Alan und Dilan Sengül

Natalie Assmann kommt aus Oberösterreich, Dilan Sengül aus Wien. Was sie verbindet, ist ihr permanentes Engagement für eine bessere Gesellschaft. Ihre Unzufriedenheit darüber, dass es Diskriminierungen, Ungleichbehandlungen und so viel Hass gibt. Politischer Aktivismus ist für sie daher nicht nur ein Schlagwort – sie sind immer laut, engagiert und gut vernetzt. „Irgendwie wollen wir einfach dasselbe machen“, sagt Dilan über ihre Zusammenarbeit.

Dilans Eltern, Kurden mit armenischem Hintergrund, sind sehr jung nach Österreich gekommen. Geboren und aufgewachsen in Wien, studiert Dilan Raumplanung und Raumordnung auf der Technischen Universität Wien, hat das Studium aber derzeit ein wenig auf Eis gelegt, weil sie mit einer Schauspielausbildung anfing.

Natalie kommt zwar aus Oberösterreich, fühlt sich in Wien aber mehr als wohl: „Ich bin keine echte Wienerin, aber Wien ist in Österreich the only place to live. Mit 13 habe ich schon zu meiner Mutter gesagt: Ich werde bald hier weggehen und nach Wien ziehen, wo es cool ist!“ Seit einigen Jahren macht sie eigene Theater- und Performanceprojekte, davor hat sie als Schauspielerin gearbeitet. „Das normale Schauspielerinnendasein, wo du oft nur Mittel zum Zweck bist, hat mich so angekotzt“, sagt sie.

Warum das so ist, was sie zum Sexismus in der Kunst- und Kulturszene, dem Frauenbild der FPÖ und ihrem Wunsch nach mehr Solidarität zu sagen haben, verraten sie im WIENERIN-Interview:

Natalie, wann hast du für dich beschlossen, dass du dein eigenes Ding durchziehen willst?

NATALIE ASSMANN: Nachdem mich diese hierarchische Theaterarbeit derart frustriert hat, wusste ich, dass ich selber Projekte machen muss. Denn: entweder du hörst auf, dich aufzulehnen und fügst dich dem bestehenden System – oder du stellst dich auf deine Beine und machst eigene Sachen.

Was hat dich denn konkret am Theater gestört?

NATALIE: Theater ist ein sehr elitärer Raum, der für sehr wenige Menschen zugänglich ist. Den hoch subventionierten Häusern fehlt immer wieder der Mut zu radikaler Kritik bei gesellschaftspolitischen Themen, weil sie nicht die Hand beißen wollen, die sie füttert. Deswegen machen wir Projekte im öffentlichen Raum, wo jeder und jede dabei sein kann. Die etablierten Häuser in Österreich und Wien haben noch ein großes Problem damit, die gesellschaftliche Vielfalt abzubilden.

DILAN SENGÜL: Und auch ein Problem damit, Kunst in einen Kontext zu heben, der nicht nur konsumorientiert ist. Sondern einen Schritt weiterzugehen und interaktiv zu sein. Wir machen keine Kunst für jemanden, sondern lassen gemeinsam etwas entstehen. Nicht jeder Mensch hat Zugang zu dieser Kunst, die nur Konsum ist – was etwa die ökonomische Hürde anbelangt, die soziale Hürde, die Inhalte und auch die SchauspielerInnen, die in keiner Weise die gesellschaftliche Vielfalt widerspiegeln. Wenn du türkisch aussiehst, spielst du auch Klischeerollen. Und da kommst du nicht so leicht raus.

NATALIE: Auch die Rollen, die Frauen zugeteilt werden, sind sehr stereotyp. Wenn du jung und schön bist, spielst du in österreichischen TV-Serien eine Prostituierte, eine Leiche oder eine Tussi. Wir brauchen endlich eine Revolution: weg von diesen alten, chauvinistischen Drehbuchautoren, hin zu jungen, feministischen Stimmen. Alle müssen auf ihrer eigenen Ebene beginnen umzudenken, nur so kann gesellschaftliche Veränderung stattfinden. Die Bilder, die uns in ORF-Serien vorgelebt werden, beeinflussen uns. Nach der zweiten Prostituierten (aus männlich-chauvinistischer Sicht geschrieben) in der zweiten Polizeiserie habe ich zu meiner Agentin gesagt: „Tschüss, danke!“ Das ist nicht mein Weg als Künstlerin. Ich hatte keine Lust wegen den „ersten Karriereschritten“ so instrumentalisiert zu werden und so ein Frauenbild zu verkörpern. Da geht es nicht um den Beruf als Sexarbeiterin, sondern darum, wie Frauen in diesen Serien dargestellt werden.

Natalie Assmann

Wie groß ist die Macho-Kultur in der Kunst- und Kulturszene wirklich – eurer Erfahrung nach?

NATALIE (lacht): Ich muss kurz die verschiedenen Szenarien durchspielen.

DILAN: Ich fang‘ mal an. Was ich für mich selbst erkannt habe: diese Hierarchie ist extrem stark. Es wird versucht, etwas vorzuleben, was gar nicht da ist. Sie tun alle auf kritisch und interessiert, aber in Wirklichkeit geht es niemandem darum. Im Endeffekt wird von dir erwartet, so zu funktionieren, wie es dir vorgeschrieben wird – und sobald du anfängst, das zu hinterfragen, wird dir gesagt: ,Es gibt genug Leute, die das auch machen wollen. Wir können auf dich verzichten.‘ Es wird ein Druck ausgeübt. Wenn du etwas erreichen willst, musst du in Wirklichkeit alles annehmen.

NATALIE: Ich habe als junge Künstlerin in Casting-, oder Probensituationen immer wieder erlebt, dass frau mit Regisseuren konfrontiert wird, oder anderen männlichen Kunstschaffenden, die schnell mal sagen: ,Na, Schatzi, zier‘ dich nicht so!“ Das ist ein absolutes No-Go. Egal wie alt, erfahren oder unerfahren jemand ist: das ist überhaupt kein Umgang mit Frauen. Noch dazu wenn du von ihnen verlangst, dass sie ihr Innerstes nach außen kehren. Dieser Verletzlichkeit wird kein schützender Raum geboten. Dabei braucht es einfach Respekt und eine Begegnung auf Augenhöhe. Die Realität sieht aber leider oft anders aus und besteht aus Machosprüchen und Hierarchien. Deshalb ist es mir wichtig, jungen Frauen zu sagen: Du kannst auch rausgehen, die Tür zuhauen und sagen: „Fuck you!“ Und jede von uns kann im Alltag kleine Handlungen des Auflehnens setzen, damit das Ganze aufhört. Je mehr Frauen das tun, desto schneller können wir dieses System brechen.

Steckt da auch ein finanzieller Druck dahinter?

NATALIE: Ja, auf jeden Fall. Leider kann sich nicht jede Frau leisten ihren Arbeitgeber zurechtzuweisen.

DILAN: Vor allem am Anfang spricht sich alles sehr schnell herum. Dann steht dein Wort gegen das von jemandem, der schon lange dabei ist. Da ist man ganz bald die „Zicke“, die „Schwierige“, mit der niemand mehr zusammenarbeiten möchte.

NATALIE: Deswegen arbeite ich lieber mit Frauen und Feministen zusammen.

Mit seiner Kunst sollte man soziale Ungleichheiten nicht reproduzieren.
Dilan Sengül

Das heißt auch: die Arbeit von Frauen und Männern wird unterschiedlich bewertet?

DILAN: Es ist noch immer so unterschiedlich, was über Frauen alles verbreitet wird, und was über Männer. Wenn ein Schauspieler ein bisschen aggressiv ist, dann ist er „männlich“ – und nicht „schwierig“.

NATALIE: Im Kunst- und Kulturbereich ist es extrem wichtig, dass du einen Umgang findest, der auf Gleichberechtigung und Solidarität beruht. Für mich sollte Kunst einer Gesellschaft einerseits ihr Idealbild zeigen und andererseits Kritik an ihr üben. Es ist eine Doppelmoral, der Gesellschaft etwas vorzuschreiben, was innerhalb der eigenen Strukturen gar nicht gelebt wird. In vielen Kunst- und Kulturbetrieben gibt es genau dieselben Diskriminierungen, Sexismen und Rassismen wie überall sonst.

DILAN: Es ist deshalb immens wichtig, dass sich die Menschen, die ähnliche Erfahrungen teilen, gegenseitig unterstützen und zusammenarbeiten. Alleine gegen so etwas anzukämpfen, ist unmöglich.

Dilan Sengül

Was ist euer künstlerischer Anspruch?

NATALIE: Unsere Gesellschaft definiert sich sehr stark über das Trennende – da ist es wichtig, dass wir als Künstlerinnen unsere Stimme für ein Miteinander, Solidarität und Systemkritik erheben. Projekte machen, die Inklusion vor Exklusion setzen, Aktionen planen, die sich diesem Scheiß entgegenstellen, neue Bilder kreieren. Kreativität ist eine starke Waffe. Ich versuche meinen künstlerischen Impulsen nachzugehen, mit aller Egozentrik, die auch dabei ist, aber gleichzeitig diese in den gesellschaftlichen Dienst zu stellen - ist eine fine line.

DILAN: Für mich ist es wichtig, über die Themen zu sprechen, die mich auch selbst betreffen, wo ich selber Erfahrungen gemacht habe. Wie sehr man sich das aneignet oder nicht, ist eine wichtige Frage. Kunst hat eine große Macht. Gerade jetzt versuchen viele mit geflüchteten Menschen zusammenzuarbeiten, aber man muss dabei immer kritisch bleiben und sich fragen: Mache ich das jetzt für mich? Oder möchte ich als Sprachrohr fungieren? Was ist meine Aussage? Es ist wichtig, sich der Privilegien, die man hat, bewusst zu sein. Mit seiner Kunst sollte man soziale Ungleichheiten nicht reproduzieren.

Im Endeffekt ist es aber immer wieder die Solidarität, die die Leute dann doch zusammenkommen lässt. Egal, wie frustrierend alles ist: wir sind nicht alleine.
Dilan Sengül

Eure Kunst ist politisch, sagt ihr. Kann man überhaupt „unpolitische Kunst“ machen?

DILAN: Gerade unser Projekt „Halay City Marathon“ ist von Grund auf politisch. Wir haben uns von Anfang an gefragt, wie wir Ausschlussmechanismen reduzieren können und das Verbindende hervorheben können. Und inwiefern man sich mit der persönlichen politischen Meinung zurückhalten oder mit ihr nach vorne preschen soll.

NATALIE: Kunst muss politisch sein. Im Jahr 2016 müssen Künstlerinnen und Künstler politisch sein, denn unpolitisch zu sein, ist ein Luxus, den wir nicht haben. Die Frage ist nur, wie stark man politische Debatten einfließen lässt. Ich würde mir wünschen, dass sich Kunst-, und Kulturinstitutionen viel stärker politisch positionieren. Eine Diskussionsveranstaltung im Jahr ist nicht genug. Es geht um eine klare Haltung der großen Institutionen, die wir nötiger haben denn je.

DILAN: Wer keinen gesellschaftspolitischen Auftrag erfüllt, dem sollten auch die Subventionen gestrichen werden.

Jede von uns kann im Alltag kleine Handlungen des Auflehnens setzen, damit das Ganze aufhört. Je mehr Frauen das tun, desto schneller können wir dieses System brechen.
Natalie Assmann

Was wollt ihr mit eurem Projekt „Halay City Marathon“, das ihr bei der Wienwoche präsentieren werdet, aussagen?

DILAN: Die Abschlussperformance findet am 22. September am Platz der Menschenrechte statt. Wir haben in diesem Projekt partizipativ gearbeitet und uns mit Kreis-und Reihentänzen beschäftigt, die in Wien in Kellerlokalen oder Hochzeitssalons am Stadtrand getanzt werden. Wir wollen diese Tänze sichtbar machen und in den öffentlichen Raum tragen. Halay ist ein traditioneller Volkstanz, der unter anderem in der Türkei getanzt wird, aber auch in Kurdistan, wo er unter Gowend bekannt ist.

NATALIE: Wir drei (Zeynep Alan ist die Dritte im Bunde) rufen an diesem Tag die unterschiedlichen Communities in Wien auf, gemeinsam mit uns den größten und ultimativen Kreis zu tanzen: Es werden Halay, Kolo, Dabke, Sirtaki, Attan, Hora und ganz viele andere Kreistänze aus unterschiedlichsten kulturellen Kontexten getanzt. Die Straßen von Wien werden eingenommen und wir feiern getanzte Solidarität. Wir haben auch kurdische PerformerInnen aus Istanbul zu Gast, diese politische Dimension ist uns sehr wichtig.

DILAN: Musik und Tanz sind auf der Suche nach der eigenen Identität das Erste, das man kennenlernt und woran man sich festhält. Ich selbst habe den Tanz Halay in meiner Pubertät kennengelernt, als ich damit angefangen habe, mich näher mit meiner kurdischen Identität auseinanderzusetzen. Und dieser Tanz war dann eine Möglichkeit, mit anderen zusammenzukommen, um gemeinsam Spaß zu haben und sich auszutauschen.

Ihr seid beide auch neben eurer künstlerischen Arbeit politisch aktiv. Kann politische Arbeit auch müde machen?

NATALIE: Politik darf in erster Linie Spaß machen. Damit viel mehr Menschen gesellschaftspolitisch aktiv werden. Natürlich ist politische Arbeit auch sehr zermürbend und anstrengend. Mit viel Frustration verbunden. Wenn man sich etwa die Wiederholung der Bundespräsidentschaftswahl ansieht, die uns von rechter Seite aufgedrückt wurde, kommen solche Gedanken wie: wir stecken Energie rein, aber es wird immer enger. Wir treten für eine Öffnung Europas ein und die Grenzen werden sukzessive geschlossen. Da ist ein enormes Potenzial an Frustration, Traurigkeit und Angst gegeben.

DILAN: Im Endeffekt ist es aber immer wieder die Solidarität, die die Leute dann doch zusammenkommen lässt. Egal, wie frustrierend alles ist: wir sind nicht alleine.

NATALIE: Wenn du das Gefühl hast, dass dir dieses System die Kehle zuschnürt, dann ist es so wichtig, Leute um dich zu haben, die dieselben Ängste und Frustrationen spüren – aber die gleichzeitig einen Wein mit dir trinken gehen, mit dir heulen, aber die sich dann mit dir hinsetzen und den nächsten Plan schmieden.

DILAN: Wir dürfen nicht in einem paralysierten Zustand enden, in dem wir uns komplett hilflos fühlen. Denn dann haben sie es geschafft, dann haben sie gewonnen. Und so nervig und schwierig es auch manchmal ist: dann musst du halt jede Woche auf die Straße gehen. Deine Rechte werden dir leider nicht geschenkt. Wenn du jetzt nichts machst, dann brauchst du dich nicht wundern, wenn der Hofer an die Macht kommt. Es gibt immer etwas, das man machen kann.

Wenn du jung und schön bist, spielst du in österreichischen TV-Serien eine Prostituierte, eine Leiche oder eine Tussi.
Natalie Assmann

Wie bewertet ihr den ganzen Diskurs rund um Menschen auf der Flucht, wie er derzeit in Österreich geführt wird? Vor allem auch in Zusammenhang mit der Frauenthematik?

NATALIE: Dass die FPÖ sich für Frauen „stark“ macht und sagt „Hände weg von unseren Frauen!“: darüber kann ich wirklich nur lachen. Wenn man sich anschaut, wofür die FPÖ im Parlament stimmt, sind das Entscheidungen, die gegen Frauenrechte und gegen die Gleichstellung der Frau gerichtet sind.

DILAN: Es sind ja nie die jungen „Wiener“ oder „Österreicher“ schuld, es war schon immer der „Türke“, der „Jugo“ – und jetzt ist es halt „der Flüchtling“, der „unsere“ Frauen in Gefahr bringt. Was mich am meisten aufregt, ist diese grauenhafte Medienberichterstattung von „Heute“, „Österreich“, „Krone“ & Co. Wenn mich plötzlich meine eigene Mutter anruft, um mir zu sagen, wo ich in Wien überall aufpassen soll, wenn ich unterwegs bin, denke ich mir: Nein, oida, sicherlich nicht! Es macht mich traurig, wenn selbst MigrantInnen gegeneinander aufgehetzt werden, wenn sie sich diesem faschistischen Jargon anpassen.

NATALIE: Diese Information, dass die österreichischen Frauen immer noch am häufigsten von ihren Ehemännern vergewaltigt werden, ist eine, die niemanden interessiert – und die auch viel zu selten thematisiert wird.

6 Fragen....


Was habt ihr von einer Frau in eurem Leben gelernt?

Dilan: Die zugeschriebene Sklavenrolle der Frau niemals zu akzeptieren, ökonomisch unabhängig zu sein und Solidarität.

Natalie: Unabhängig zu sein, gegen den Strom zu schwimmen, Lieben und Kämpfen: alles von meiner Mum.

Was kotzt euch momentan an?

Dilan: Die politische Situation in der Türkei und der Umgang der Welt damit.

Natalie: Der starke Alltagsrassismus, der mehr und mehr unsere Straßen dominiert. Es kann nicht sein, dass 2016 in der Ubahn einer Frau das Kopftuch runtergerissen wird.

Was bedeutet Feminismus für euch?

Dilan: Feminismus ist der Kampf für die Gleichheit aller Geschlechter in gesellschaftlicher, politischer und ökonomischer Sicht.

Natalie: Frauensolidarität, Schwesternschafft, Womenpower über alle Grenzen hinweg: Ich kann einer Frau nicht sagen, wie und wann sie sich emanzipieren soll. Ich kann ihr nur sagen "emanzipier' dich" und dabei helfen.

Welche Frage sollen sich Frauen in 30 Jahren nicht mehr stellen müssen?

Dilan: Ich weiß nicht, ob 30 Jahre reichen, um eine Gleichbehandlung von Frauen in allen Lebensbereichen durchzusetzen, aber ich wünsche es mir und damit verbunden wünsche ich mir, dass sie sich nicht mehr fragen müssen, ob sie weniger wert sind.

Natalie: Kind oder Karriere.

Welches Ereignis hat euch im vergangenen Jahr besonders bewegt?

Dilan: Die zivilgesellschaftliche Courage der Menschen dieser Stadt, die sich über die Grenzen des Landes hinausgezogen hat. Die Freude viele neue Freund_innen gefunden zu haben, welche nun mit mir in dieser Stadt leben.

Natalie: "Refugee Konvoi"- die ÖsterreicherInnen, die sich in ihr Auto gesetzt haben, um Flüchtenden ihren Weg ein Stück leichter zu machen und die einfach menschlich gehandelt haben.

Warum würdet ihr nicht mit eurer Großmutter tauschen wollen?

Dilan: Meine Oma hat 11 Kinder.

Natalie: Meine Großmütter sind beide sehr coole Frauen, aber hatten nie ein eigenes Gehalt.

Dilan Sengül, Wiener Kurdin, * 14. 5. 1989, wuchs in der Großfeldsiedlung in Floridsdorf auf, sie studierte Raumplanung und Raumordnung an der Technischen Universität Wien, Politologie an der Universität Wien und Schauspiel an der diverCITYLAB AKADEMIE. Diverse Theaterrollen, z. B. in „Unterwerfung“ (M. Houllebeq, Regie: Ali Abdullah, Werk X), „Interactive Radiostation“ (Regie: Y. Wanunu, Werk X), „Circus Sardam“ (Regie: Kari Rakkola, Werk X). Sie spielte zudem in den Filmen „Bollywood Tales“ von Sheri Avraham, „Die Möwe und ich“ von Nina Kusturica und „Die wundersamen Abenteuer des Nasreddin Kürtler“ von Richard Schuberth (Premiere: Dezember 2015 im Schikaneder Kino). Im Rahmen der WIENWOCHE ist sie Co-Organisatorin des performativen Tanz-Flashmobs „Halay City Marathon“. Sie hat ein Fellowship von kültürgemma erhalten und wird 2016/2017 im KunstSozialRaum Brunnenpassage mit der Unterstützung eines eingespielten Kolleginnen-Teams bereits Geleistetes fortsetzen und ihre Expertise in Schauspiel, Kunstkonzeption, Stadtsoziologie und Jugendarbeit sowie ihre sozialpolitische Sensibilität in neue spannende Projekte einfließen lassen.

Natalie Ananda Assmann, geboren 1988, ist Kunst-und Kulturschaffende und arbeitet als Performerin, Regisseurin, Schauspielerin in der freien Kunstszene, am Theater, für Film und TV; 2014 gründete sie das Kollektiv I Need Lovers und machte ihre ersten Regiearbeiten, 2014 "Hedda Hedda Gabler" und 2015 "Iphigenie auf Kobanê". Weiters machte sie Projekte im Rahmen des Festivals Wienwoche. Als Aktivistin ist sie Gründungsmitglied des Künstler_innen
Kollektivs Die schweigende Mehrheit sagt Ja, Mitglied des Vereins Help Kobanê und Mitinitiatorin des Projekts Newhere (Stadtplan für Geflüchtete). 2016 erhielt sie das Startstipendium für Darstellende Kunst des Bundeskanzleramts.

Infos über HALAY CITY MARATHON


Donnerstag, 22. September 2016

Jede_r kann sich für einen Startpunkt entscheiden oder zum gemeinsamen Treffpunkt kommen! Gestartet wird in Tanzzügen aus verschiedenen Richtungen, die dann im Sternenmarsch am Platz der Menschenrechte vor dem Museumsquartier, aufeinandertreffen.


Startpunkte 18 Uhr:
- Maria-Theresien-Platz: „Halay ist vielfältig!“
- Burgring / Ecke Babenbergerstraße: „Halay ist laut!“
- Mariahilfer Kirche / Mariahilfer Str. Ecke Barnabitengasse: „Halay ist politisch!“


Gemeinsamer Treffpunkt 18:30 Uhr:
Platz der Menschenrechte
Mariahilfer Str. 2, 1070 Wien
vor dem Museumsquartier

Aktuell