Du glaubst, dein Foto ist für immer gelöscht? Falsch gedacht.

Wenn vermeintlich gelöschte Fotos aus der Versenkung auftauchen: Was es beim Löschen und Speichern von Handyfotos zu beachten gibt.

Selfie

Wir alle haben schon das ein oder andere Foto aufgenommen, das wir lieber nicht mit der ganzen Welt teilen würden: Da war das Bild von dieser komisch schuppenden Hautrötung, das ihr zur Sicherheit eurer Mama geschickt habt (Vielleicht ist es ja die Pest??) oder die Reihe an Spiegel-Selfies, die ihr letzte Woche beim Fortgehen am Club-WC aufgenommen habt (Ihr hättet schwören können, da waren ein paar echte Schnappschüsse dabei…).

Natürlich habt ihr die peinlichen Bilder gleich gelöscht. Muss ja nicht jeder wissen, welche dermatologischen Grauslichkeiten euch momentan beschäftigen. Aber: Ist es mit einmal-auf-den-Mülleimer-klicken wirklich getan? Oder geistern unsere unliebsamen Aufnahmen eventuell doch noch irgendwo herum?

Aus dem Papierkorb, aus dem Sinn

Wer ein Foto aus seiner Bilder-Mediathek löscht, hat es erst einmal in einen anderen Ordner verschoben. Von "Löschen“ kann also eigentlich noch nicht wirklich die Rede sein. Jetzt liegt euer missratenes Selfie erst einmal im Papierkorb-Ordner und wartet (zumindest einige Wochen) darauf, von euch wiederbelebt zu werden. Ihr entfernt das Foto also noch einmal extra aus dem Papierkorb, damit ihr die misslungene Aufnahme ein für alle Mal los seid. Das war’s jetzt aber. Oder? Leider nein. Zwar wird euch nun wieder mehr freier Speicherplatz angezeigt – solange ihr diesen aber nicht mit neuem Material befüllt, kann die alte Datei leicht wiederhergestellt werden.

Daten für immer in Cloud gefangen?

Noch komplizierter wird es bei der Cloud. Einerseits kann sie uns das Leben ziemlich erleichtern - schließlich können wir dank ihr von überall auf unsere Daten zugreifen. Allerdings werden ebendiese Daten dafür in etlichen Rechenzentren gespeichert. Mit dem Löschen von Bildern aus der Cloud verhält es sich ähnlich wie mit dem Handy: Auch hier müssen die Daten erst überschrieben werden, damit sie tatsächlich nicht wieder hergestellt werden können – und wann das passiert, haben wir nicht in der Hand. Laut Google dauert es bis zu zwei Monate bis Daten aus den aktiven Speichern gelöscht werden. Allerdings deckt sich das nicht mit den Fristen von Dateien, die bei Google Fotos gespeichert werden. Genaue Angaben macht Google dazu allerdings nicht.

Fotos noch ein halbes Jahr im Back-Up

In der Cloud existiert nicht nur jeweils eine Datei eures Fotos, sondern auch zahlreiche Back-Ups. Auf diese Weise sollen Nutzer*innen immer Zugriff auf ihre Daten haben, auch im Falle technischer Probleme. Wie lange Back-Ups gespeichert werden, variiert je nach Anbieter. Google Cloud gibt an, Daten bis zu einem halben Jahr aufzubewahren.

Das längere Speichern unserer Daten hat eigentlich wichtige Vorteile, für Nutzer*innen wie für Anbieter*innen: User*innen können versehentlich gelöschte Dateien leicht wiederherstellen und der/die Anbieter*in hat weniger Arbeit, die Löschung sicherzustellen. Da datenschutzrechtlich keine konkreten Löschfristen vorgegeben werden, ist es schwierig nachzuvollziehen, ob unsere Daten tatsächlich entfernt wurden. Vermehrt zeigte sich, dass Nutzer*innen vermeintlich vollständig gelöschte Dateien (wie im Falle Dropbox) Jahre später wiederfanden.

Wichtig ist also, über die Speicher- und Löschvorgänge unserer Fotos Bescheid zu wissen und im Hinterkopf zu bewahren, dass alle "gelöschten" Fotos vielleicht doch noch irgendwo zu finden sind und uns eines Tages überraschen könnten.

 

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