Druckerei sorgt mit sexistischem Gewalt-Sujet für Aufsehen

Der Aufkleber einer gefesselten Frau auf einer Auto-Ladefläche wurde von der Firma auf ihrer Facebookseite mit einem lachenden Smiley kommentiert.

Eine entführte, gefesselte Frau in einem Kofferraum. Dieses Horrorszenario stammt nicht etwa aus einem Krimi - nein, eine oberösterreichische Druckerfirma warb mit einem solchen Aufkleber für ihr Unternehmen.

Die Firma "DruckerZone" aus Pasching postete am 12. August 2017 auf ihrer Facebookseite ein Foto von einem Auto, das mit der Folie der gefesselten Frau beklebt ist. Kommentiert wurde das mit einem Smiley, das Tränen lacht. Auf die Beschwerde einer Userin reagierte die Firma mit folgenden Worten: "Hier geht's um den Werbeeffekt, welcher mit einer normalen Folierung natürlich nicht die gewünschte Aufmerksamkeit erweckt..." Auch die Kommentare unter dem Posting bejubelten das Sujet, wie Anna-Maria Wallner, eine von 50 Werberätinnen, die über hereinkommende Fälle entscheidet, kritisiert. Mittlerweile ist das Posting der Firma nicht mehr online.

Gewalt gegen Frauen ist kein lustiges Werbesujet

Wallner betont, dass "eine solche gewalt-tolerierende, frauenverachtende Werbung, selbst wenn sie als reine Provokation gedacht war und nur sehr gezielt auf der Folie dieses einen Autos sichtbar ist, nicht akzeptabel ist." Schließlich gäbe es nichts Komisches daran, eine Frau zu fesseln und auf den Verlader eines Trucks zu legen. "Die Heckansicht eines Auto sollte man nicht mit Kinoplakaten verwechseln. Es würde mich interessieren, ob die Firma auch darüber nachgedacht hat, ein solches Sujet mit gefesselten Tieren zu produzieren. Ich glaube nämlich nicht."

Der Werberat hat das Unternehmen zum sofortigen Stopp der Kampagne aufgefordert, da "sich die gewählte Darstellung gewalttätiger Inhalte bedient und die Grundsätze sozialer Verantwortung verletzt". Die Argumentation (hier nachzulesen):

"Die Werberäte und Werberätinnen sind der Ansicht, dass die beanstandete Werbemaßnahme Gewalt, insbesondere gegen Frauen verharmlost und dem/der durchschnittlichen Betrachter/in suggeriert, dass Gewalt tolerierbar ist.

Der humoristische Ansatz sowie die werbliche Überzeichnung konnte von der Mehrheit der Werberäte und Werberätinnen nicht nachvollzogen werden."

Auf wienerin.at-Anfrage hat das Druckereiunternehmen vergangenen Donnerstag eine Antwort zugesagt, jedoch ist bis Montagmorgen noch kein Statement eingegangen.

Update: Die Firma "DruckerZone" hat per Mail geantwortet und angegeben, dass sie mit der Darstellung weder gewaltverherrlichend noch frauenfeindlich auftreten wollten. "Das Auto fährt aktuell ohne besagtem Aufkleber herum - was jedoch weder als Schuldeingeständnis zu werten ist, noch in irgendeiner Weise darauf schließen lassen soll, dass die Werbung als frauenfeindlich oder gewaltverherrlichend gedacht war!", teilt das Unternehmen mit.

Auf die Frage der wienerin.at, warum eine Frau und nicht ein Mann abgebildet werden, heißt es: "Es handelt sich bei der abgebildeten Frau um meine Frau. Sie wurde natürlich nicht dazu gezwungen und hat das Ganze auch in keiner Sekunde als frauenfeindlich empfunden. Es war einfach nur eine Werbung, die auffallen und polarisieren soll! Weiters hat es sich vom Werbeaufdruck und der verwendbaren Fläche einfach so ergeben. Ein Mann hätte auf der Ladefläche weder vernünftig Platz gehabt, wäre auf dem Foto nicht gut zu sehen und würde optisch auch nicht so wirken auf dem besagten Aufkleber." Der Betrieb wolle "weder gewaltverherrlichend noch frauenfeindlich auftreten. Jedoch liegt die Interpretation immer im Auge des Betrachters."

 

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