„Drah di, Deppata!”: So schimpfen echte WienerInnen

Das Schimpfen gehört zu Wien wie kein anderes Kulturgut. Ein paar Highlights aus dem Wienerischen Schimpfrepertoire.

„Ein ganz normaler Vormittag in Wien: Liebliches Vogelgezwitscher, das Rauschen der Blätter im Hof, irgendwo spielt leise Musik … und dann plötzlich der grantige Brüller der Hausmeisterin: „Drahts de gschissene Musik o, eas saublede Gfraster, sonst hol i de Kieberei!”

Fakt ist, wenn es so etwas gibt wie den berühmten Wiener Charme, dann besteht dieser zu einem guten Teil aus uncharmanten Äußerungen. Denn das kunstvolle Schimpfen hat in Wien Tradition. Wer nicht schimpfen kann, ist gewissermaßen ein Lulu, oder eben (noch) kein echter Wiener. Wer erwartet schließlich schon von Gscheaden, Piefkes oder Burgenlandlern, dass sie richtig schimpfen können? Eben, keiner.

Nur: Schimpfen kann man lernen. Wer in Wien wohnt, muss das sogar gewissermaßen tun, um den Alltag unter lauter Deppaten zu bewältigen. Aus diesem Grunde entstand dieses Buch - als praktischer Guide für die unfreundliche Seite der Hauptstadt, der einem jenes Wissen vermittelt, das man zum Überleben einfach braucht. Ob universelle Schimpfwörter, kulinarische Schmähungen oder richtig derbe Flüche - all das ist in diesem Band enthalten und wartet nur darauf, entdeckt zu werden.“

Das steht im Vorwort zum neuen Buch aus dem Holzbaum VerlagSchimpfen wie ein echter Wiener. Wir haben ein paar Highlights der Wienerischen Schimpfkultur zusammengefasst:

1) "Oasch" lässt sich immer gut kombinieren


-gsicht, n. hässliche, dumme oder ungute Person

-gfries, n. Trottel, ursprünglich pausbäckige Person

-geign, f. unangenehmer, nervender Mensch

-kräuler, m. Person, die sich auf widerliche Weise bei jemandem anbiedert und einschmeichelt und dieser quasi in den Hintern kriecht, das Verb dazu ist oaschkräuln

-loch, n. klassische Bezeichnung für Trottel, Mz. Oaschlecha

-partie, f. 1. fades Fußballspiel, 2. schlechte Gesellschaft

-puderer, m. Person, die Analverkehr praktiziert

-woazn, f. 1. Warze am Gesäß, 2. aufdringliche, lästige und auch sonst entbehrliche Person

-mit Uan „Arsch mit Ohren”, Volltrottel, ungute Person

„I reiß ma sicha net den Oasch auf fia di!”

Ich werde mich sicherlich nicht deinetwegen übermäßig anstrengen.

„Des kannst da in Oasch steckn.”

Das kannst du gleich vergessen.

„Des is si ums Oaschlecken net ausgangen.”

Das ist sich knapp nicht ausgegangen.

„Des geht ma am Oasch.”

Das geht mir gehörig auf den Geist.

„Des is zum in Oasch beißn.”

Das ist wirklich sehr ärgerlich.

„Jetz is ois im Oasch.”

Jetzt hat sich alles zum Schlechten gewandt.

„I prack da ane, dass’t mitn Oasch auf’d Uhr schaust.”

Ich werde dir Prügel verpassen, an die du lange denken wirst.

2) Wie man gekonnt das Äußere diffamiert


Es ist nicht gerade die feine Klinge des Schimpfens, aber meist äußerst wirkungsvoll: Man nehme das Aussehen des Gegenübers und beleidige es gekonnt. Im Wienerischen gibt es hierzu reichlich Vokabular:

Watschngsicht, n. ein regelrecht zu Ohrfeigen verführendes Gesicht

schiache Funsn, f. hässliche, eingebildete Frau. Das eigentümlich anmutende Wort Funsn lässt sich von Funze (“schlechte Lampe“) ableiten, weitere Kombinationen sind: blede Funsn, blade Funsn, deppate Funsn

Müüchgsicht, n. kindliches, bartloses, eines erwachsenen Mannes kaum würdiges Gesicht

Schasaugata /-e Träger/in einer Scheanglprothesn („Brille”, von scheangln = „schielen”), wörtlich jemand, dessen Augen a Schas sind

Handtiachl, n. ein Mann, der so dünn und zart gebaut ist, dass er wie das namensgebende Handtuch leicht vom Wind verblasen werden kann

Tschopperl, Infantiler, hilfloser Mann, Wiaschtl

Ozwickta /-e „Abgezwickter”, kleiner Mensch

Zniachtl, n. Schwächling; kränklicher, dünner Mensch

Drah di, Deppata!” Dreh dich um und geh weg, Blödmann!

 

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