DJs Terror und Martina Interview

Sie haben nur deswegen zum Auflegen begonnen, weil sie mehr weibliche DJs wollen. Im Interview haben wir mit Martina und Therese über Schmusen mit DJs, Dick House und weibliche Solidarität gesprochen.

An die Decks, bitte. Therese und Martina gehören zu dieser Generation an jungen Frauen, die keine Lust haben, Ungerechtigkeiten einfach zuzusehen. Sie packen an. Therese Kaiser und Martina Schöggl sind Vorstandsmitglieder des Karrierenetzwerks Sorority und nachdem sie jetzt lange genug mit DJs geschmust oder sie von der Tanzfläche aus bewundert haben, wollen sie selbst hinter das Pult. Hauptsächlich deswegen, damit dort mehr Frauen sind. Mit einer beeindruckenden Leichtigkeit wagen sie sich an neue Projekte, brechen mit viel Humor existierende Strukturen auf und predigen dabei vor allem eines: Solidarität. Ziemlich repräsentativ für ihre Generation hypen sie die gegenseitige Freundschaft zu einem fast popkulturellen Status, loben sich für jeden gelungenen Übergang und ermutigen Frauen, Initiative zu ergreifen. Mit Terror und Martina macht Feminismus einfach Spaß. Er findet beim Ausgehen, beim Fernsehen, in ihrer Wortwahl, auf WhatsApp, genauso wie im Berufsleben statt – im Alltag halt. Da können die Medien noch so sehr eine politisch apathische Generation herbeischreiben. Sind Frauen die besseren DJs? Fix. Da trinken wir noch einen Spritzer drauf. Bei ein paar davon haben wir versucht, wichtige feministische Fragestellungen im Interview zu beantworten.

Warum habt ihr euch dazu entschieden, selbst aufzulegen und das DJ-Duo Martina und Terror zu gründen?


Martina: Wir haben beide viele DJs im Bekanntenkreis und ein bisschen Einblick. Es geht einfach darum, dass die ganze Musikbranche von Männern dominiert wird. Producer, Veranstalter, Booker… das sind alles hauptsächlich Männer. Das sind dann aber nicht alle Superpros, die es voll drauf haben. Da geht auch mal was schief, aber irgendwie ist es dann wurscht, weil eh alle weitertanzen. Da haben wir uns gedacht, so schwer kann das doch nicht sein.

Therese: Wir kennen auch viele junge Nachwuchsproduzenten, die – legitimerweise – ein sehr großes Selbstbewusstsein haben. Vielleicht ist das nur unsere Blase, aber ich kenn jetzt kein 18-jähriges Mädchen, das sich traut, sich da so in die öffentliche Wahrnehmung rein zu reklamieren.

Die Geräte richtig anzustecken ist nicht schwieriger, als eine Nähmaschine einzufädeln. Martina Schöggl


Woran glaubt ihr liegt das oftmals kleinere Selbstbewusstsein von Mädchen?

Martina: Gerade beim Auflegen ist da viel Scheu vor Technik und Aufmerksamkeit dabei, an mangelndem Interesse für Musik liegt es nicht. Seit wir mehr in der Szene unterwegs sind, haben wir einige Frauen kennengelernt, die früher mit Platten aufgelegt haben und nie den Sprung in die Öffentlichkeit geschafft haben. Buben landen viel schneller draußen.

Therese: Dabei muss man echt sagen: Das ist keine Rocket Science. Es gibt zwar einen guten Grund dafür, dass diejenigen, die das richtig gut machen, sehr gut dafür bezahlt werden. Aber die Basics die man braucht, um auf einer Party aufzulegen, sind überschaubar.

Martina: Die Geräte richtig anzustecken ist nicht schwieriger, als eine Nähmaschine einzufädeln.

Therese: Frauen scheuen tendenziell davor zurück, im Mittelpunkt zu stehen und haben Angst vor negativem Feedback, was ja auch kommen kann.
Außerdem haben von den Männern, die heute gut sind, viele schon mit 15 angefangen, damit rumzuspielen. Die wachsen da mehr rein.

Wir haben einen DJ-Jour Fixe. Therese Kaiser


Martina: Ja, ich denk mir voll oft, wie gut wären wir heute schon, wenn wir damals mit 15 in unserer Freizeit ein bissl rumgedrückt hätten.



Womit habt ihr mit 15 eure Zeit verbracht?

Martina: Ich hab gekrocht, aber ich war nicht besonders gut.

WIENERIN: Hahaha.

Martina: Ich find das gut, ich war Teil einer Jugendkultur.



Mit Female Pressure gibt es ja schon eine Organisation, die Frauen im Feld elektronischer Musik und Kunst vernetzt. Habt ihr Kontakt mit denen?

Therese: Nein, wir wissen zwar von Female Pressure, aber unsere größten Förderinnen haben wir in unserem Freundeskreis. Zum Beispiel die Mädels von Etepetete. Die haben uns auch am Anfang sehr viel erklärt.

Martina: Auch mein Freund, der den Techniksupport übernimmt und ganz viele andere liebe Menschen, die uns beim Ausprobieren helfen.

Ist das auch die Botschaft, die ihr an Frauen und Mädchen, die sich mit elektronischer Musik beschäftigen wollen, weitergeben wollt?

Martina: Es ist echt alles erlernbar. Jeder oder jede hat irgendwen im Bekanntenkreis, der einem weiterhelfen, das Equipment und die Basics zeigen kann.

Therese: Der technische Teil ist wirklich gut erlernbar, auch was Effekte und Übergänge betreffen. Einen richtig guten DJ macht aber aus, die Musik gut zu kennen.

Martina: Man merkt halt einen Unterschied, wenn jemand seit 30 Jahren Platten sammelt, jedes Lied in und auswendig kann und sofort weiß, was zu welcher Stimmung passt.

Therese: Das eigentlich das Anspruchsvollste beim Auflegen, auf die Stimmung der Leute einzugehen.

Martina: Wir haben im Moment nur geplante Sets, wir sind da noch bedingt flexibel.


Und wie läuft das Üben und Weiterentwickeln dann bei euch ab?

Therese: Wir haben einen DJ-Jour Fixe. Das ist ein bisschen peinlich, aber wir haben da einen sehr akademischen Zugang. Allerdings arbeiten wir auch beide viel und müssen das gut einplanen.

Was spielt ihr für Musik?

Therese: Einerseits Deep House und Techno, den man um 5 Uhr in der Früh in der Pratersauna hören würde. Andererseits spielen wir auch so „Happy Party“-Elektronisches, also sehr unterschiedlich.

Martina: An der Kombination von beidem üben wir noch. Wir sind quasi im Stilfindungsprozess…

Bei einer der ersten Veranstaltungen, wo wir aufgelegt haben, hatte ein Bekannter den Gedanken, dass wir konsequenterweise eigentlich sagen müssten, wir spielen „Dick House“, in Anspielung darauf, das eine bestimmte Musikrichtung oft abfällig „Pussy House“ genannt wird. Wir sind uns noch nicht ganz einig, ob Dick House ganz konzeptgleich mit Pussy House ist, aber wir mögen den Gedanken, da einen Gegenbegriff zu etablieren.



Vor einer Menge zu stehen und die zu begeistern, ist für DJs ja ein gewisses High?

Martina: Das ist so ein tolles Gefühl, wenn du siehst wie die Leute reagieren, wie du die Crowd mit der Musik beeinflussen kannst.

Therese: Ein Grund, warum wir auflegen wollten, war auch, dass wir auf mehr Veranstaltungen mit weiblichen DJs gehen wollten. Es ist halt voll einseitig, dass die Menge immer dasteht und die männlichen DJs, die vorne stehen, anhimmelt.



Wie sieht es bei euch jetzt aus mit Anerkennung, habt ihr schon viele Heiratsanträge bekommen, seit ihr selbst auflegt?

Therese: Nein, aber unglaublich viele Fist Bumps. Es kommen voll die Checker-Typen zu uns und geben uns anerkennende Fist Bumps.

Martina: Es kommen auch viele Mädels, die wissen wollen, wo sie unsere Musik im Internet finden können.

Welchen Unterschied macht die Gemeinschaft für euch beim Auflegen?

Martina: Solche Projekte als Kollektiv zu händeln ist so viel besser. Es macht einen riesen Unterschied, mit wem man das macht. Uns ist Solidarität und gegenseitiges Supporten so wichtig. Wir loben uns für jeden gelungenen Übergang. Jeder Übergang ist ein Abenteuer.

Therese: Wir sind auf jeden Fall Sisters in Crime forever. Das lässt sich nicht mehr wegmachen. Außerdem wollen wir nochmal sagen, dass Etepetete die besten Menschen der Welt sind.

 

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